RB Leipzig macht sich von der W-Frage frei

Der Bundesligist sieht seine Chancen durch den Abgang von Top-Torjäger Timo Werner nicht wesentlich beeinträchtigt.
  • Von wochenlangem Training direkt ins Viertelfinale der Champions League: RB Leipzig um Stürmer Christopher Nkunku (Mitte) hat am Donnerstag gegen Atlético Madrid viel vor. Foto: Florian Eisele/RB Leipzig/dpa
Julian Nagelsmann hat die große W-Frage für die „Missão Final“ schon gelöst. Aus der Antwort macht der Trainer von RB Leipzig vor dem Viertelfinal-Duell beim Königsklassen-Blitzturnier gegen Atlético Madrid aber noch ein großes Geheimnis. Wie ist der nach England abgewanderte Torgarant Timo Werner ausgerechnet gegen Europas stärkstes Abwehr-Bollwerk zu ersetzen? „Ich habe schon eine Idee im Kopf, aber ich werde sie nicht preisgeben“, sagte Nagelsmann vor der Partie am Donnerstag (21 Uhr/Sky und DAZN) in Lissabon.

Durch nichts und niemanden will sich Nagelsmann vor der für ihn und RB Leipzig mit Abstand bislang wichtigsten Partie ablenken lassen. Weder der Werner-Wechsel zum FC Chelsea noch die Corona-Fälle bei Gegner Atlético und schon gar nicht die ungewöhnlich dicken grauen Regenwolken über dem Rio Tejo sollen die Sachsen bei der Chance auf einen historischen Champions-League-Coup vom Kurs abbringen. „Es geht um die Frische, die nötige Gier zu entwickeln und mit Power ins Spiel zu gehen“, forderte Nagelsmann.

Als Blaupause dient dabei die erfolgreich bestandene internationale Reifeprüfung gegen Vorjahresfinalist Tottenham Hotspur, der kurz vor der Corona-Zwangspause im Frühjahr im Achtelfinale entzaubert wurde. Allerdings noch mit Werner als Torschützen. „Die Herangehensweise ist nicht anders als gegen Tottenham. Da wollten wir beide Spiele gewinnen, das haben wir getan, jetzt wollen wir das eine Spiel gewinnen und so werden wir auch rangehen“, sagte Nagelsmann forsch.

Die Siege gegen die Spurs (1:0/3:0) waren auch für Nagelsmann ein Renommee-Gewinn im Trainer-Duell mit dem großen José Mourinho. Nun geht es für den mit 33 Jahren jüngsten Coach im Viertelfinal-Feld gegen die kampferprobte Auswahl von Trainer-Einpeitscher Diego Simeone. „Ich freue ich mich jetzt, dass ich nach José auch Diego das erste Mal persönlich begegnen darf – und wir ihn und seine Mannschaft hoffentlich ähnlich souverän ausschalten werden“, setzte Nagelsmann einen kleinen verbalen Stich Richtung Gegner.

Geduld ist gefragt

Im Éstadio José Alvalade, wo Deutschland bei der Fußball-EM 2004 früh scheiterte, bedarf es besonnener Tugenden. Das weiß der RB-Coach. „Ich habe schon betont, dass es ein Geduldsthema werden wird. Man kann nicht alles nach vorne werfen und blind draufrennen. Wenn der Gegner ein 1:0 hat, wird es noch ekliger“, warnte Nagelsmann.

Für den Werner-Ersatzplan hängt viel vom Gesundheitszustand der verbliebenen Stürmer Yussuf Poulsen und Patrik Schick ab, die nach Knöchelverletzung und Rückenproblemen um ihre Fitness kämpfen. Poulsen hat einen kleinen Vorsprung. Gut möglich, dass Nagelsmann auf den Dänen und Christopher Nkunku als hängende Spitze setzt.

Sportdirektor Krösche mag auch kein Wehklagen über die Werner-Absenz mehr hören: „Wir haben sehr viele Spieler, die Tore schießen können. Mit dem Kader, den wir haben, wollen wir Atlético schlagen.“ Ähnlich sieht es der wieder erstarkte Mittelfeldmann Emil Forsberg. „Viele meiner Mitspieler sind bereit, den nächsten Entwicklungsschritt zu gehen. Warum also nicht jetzt? Ihnen bietet sich durch Timos Abschied eine große Chance, sich jetzt noch mehr in den Fokus zu spielen und zu zeigen, dass sie das Zeug zum Leistungsträger haben“, sagte der Schwede.

Nkunku lächelt derzeit mit Linksverteidiger Marcel Halstenberg und Marcel Sabitzer von vielen Werbeplakaten in Lissabon. RB ist in Portugals Hauptstadt sogar optisch präsenter als Megastar Cristiano Ronaldo, der mit Juve scheiterte. Geht es nach Nagelsmann, wird das auch in der kommenden Woche so bleiben. „Es kann bis ins Finale gehen. Das ist dieses Jahr leichter als in den anderen Jahren“, sagte er. dpa
© Südwest Presse 13.08.2020 07:45
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