Querpass

Streitpunkt Moschee

  • über ein rassistisches Kündigungsschreiben Manuela Harant Foto: Volkmar Könneke
Es gab schon viele Gründe, seinem Herzensverein den Rücken zu kehren. Zum Beispiel für Juve-Fans, als vor 20 Jahren ein riesiger Korruptionsskandal ans Licht kam. Oder für Anhänger von Arminia Bielefeld, deren Klub nach der Bundesliga-Saison 1970/71 nur durch Spielmanipulation den Klassenerhalt schaffte. Alles echte Skandale, die ihre Unterstützer auf eine harte Probe gestellt haben.

Dagegen ist der Grund, den ein Fan des 1. FC Köln jetzt anführte, um seine Mitgliedschaft zu kündigen, eigentlich gar keiner. Und doch führte er zu hitzigen Diskussionen nicht nur in der Netzgemeinde. „Da ich heute festgestellt habe, dass der FC jetzt mit Trikots aufläuft, die mit einer Moschee bestückt sind, und ich mich mit Moslems und Moscheen nicht identifizieren kann, erkläre ich hiermit den Austritt aus der Glaubensgemeinschaft 1. FC Köln“, schrieb der FC-Anhänger. Der Bundesligist, dessen Trikot künftig eine Skyline der Stadt Köln ziert, auf der neben Dom und Hohenzollernbrücke eben auch der Stein des Anstoßes zu sehen ist, reagierte prompt und stellte das Schreiben ins Netz – mit dem Hinweis: „Effzeh-Charta nicht gelesen? Diese Kündigung bestätigen wir gern.“

Doch dabei blieb's im meinungsvielfältigen Internet natürlich nicht. Die Diskussion der Bedenkenträger, die Anstoß daran fanden, dass eben genau diese Moschee von der homophoben Ditib-Gemeinde unterhalten werde, liefern sich nun einen munteren Schlagabtausch mit denen, die lediglich ein Symbol für die Weltoffenheit der Stadt sehen. Einzig auf ein Argument fand niemand eine Antwort: Dass hinter dem Kölner Dom ja die katholische Kirche steht. Und wie die mit dem Thema Homosexualität umgeht, wissen wir ja.
© Südwest Presse 13.08.2020 07:45
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