Lesermeinung

Zum Thema „Corona-Demo“ in Berlin:

Nach der „Sturm“-Inszenierung auf das Reichstagsgebäude in Berlin von den „Möchtegernumstürzlern“ habe ich den Eindruck, dass die Coronakrise eine irrationale Bewegung geboren hat, die Argumenten gegenüber taub und nicht immer zugänglich ist. Da wirkt der Virus vergleichsweise geradezu sympathisch.

Es muss einem schon Sorge machen, wie das unerträgliche und weiter wachsende Protestgemisch aus Coronaskeptikern, Reichsbürgern, Neonazis, Rechtsextremen, staatskritischen Esoterikern und anderen Hippies die liberale Demokratie und Rechtsstaatlichkeit aushebeln wollen.

Und es geht einfach in meinen Kopf nicht rein, wie plötzlich der „hässliche Deutsche“ wieder auferstanden ist, ausgerechnet vor dem Reichstagsgebäude, das 1933 bei der Machtübernahme der Nazis in Flammen aufging und danach eine „Blutspur“ durch ganz Europa zog.

Das heutige „Gebräu“ aus wirrer Gegnerschaft und organisierter Rechtsradikalisierung wie es sich am Wochenende in Berlin gezeigt hat, muss jeden wachrütteln. Ja, es stellt sich die Frage, ob Neonazis und brüllende Rechtsextremisten die deutsche Demokratie bedrohen. Und haben Justiz und Polizei versagt, und sind die Politiker „Schlafmützen“?

Ich bin überzeugt, dass unsere liberale Demokratie nach wie vor gut funktioniert, dies haben verantwortbare, besonnene Polizeikräfte in Berlin und die handelnde Politik mit den angemessenen und erlassenen Beschränkungen wie Masken und Abstandsgebot gezeigt.

Ich bin jedenfalls mit Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble einig, wenn er sagt: „Nach diesen ‘Berliner Szenen’ sollte der Letzte verstanden haben, dass es auch Grenzen des Anstandes gibt, wie weit man mitträgt, wer mit einem mitläuft ...“

Daher wehret den Anfängen, aber bitte nicht mit „Samthandschuhen“!

Unterkochen

© Schwäbische Post 03.09.2020 22:12
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Kommentare

Karin Hofmann

Sehr geehrter Herr Maier,

in Berlin protestierten 38.000 Menschen gegen die Conora-Maßnahmen. Eine bunte Mischung aus Conora-Leugnern, Verschwörungstheoretikern, Esoterikern mit Blumen im Haar und extreme Linke (die alle staatlich geforderte Maßnahmen aushebeln wollen). 

Von diesen allen - 38.000 Menschen, die Gesetze gebrochen haben, ohne Masken im Kuschel-Freuden-Taumel unsere Gesundheit gefährdet haben, spricht kein Mensch mehr. Nein, man hält sich an einer Gruppe mit Reichsflaggen fest. Die Wahrheit? Diese Gruppe bestand aus maximal 100 Menschen, wenn überhaupt. Die genaue Zahl ist nicht bekannt. In den Medien heisst es:

"Zuvor war eine Gruppe von Demonstranten mit schwarz-weiß-roten Reichsflaggen auf die Treppe des Reichstagsgebäudes gestürmt. Zunächst nur wenige Polizisten stellten sich ihnen noch in den Weg. Später setzten die Beamten Pfefferspray ein, es kam zu Rangeleien". Natürlich muss dagegen, sofort eingegriffen werden, was ja getan wurde. 

Diese Tatsache ist nun DAS PROBLEM? Nicht die restlichen 37.900 Menschen? 

Medienwirksam waren sie anscheinend nicht mehr das Problem in Berlin! Sie verteilen sich jetzt in "Kleindemos" und haben sich die schöne kleine Bodenseestadt Konstanz, mit malerischen kleinen Gässchen dazu ausgesucht. 1000 Conora-Leugner-Demonstranten sollen dann die Innenstadt bevölkern. Diese "Kleindemos", auch in anderen "Kleinstädten" wurden genehmigt. Anreise mit PKW aus ganz Deutschland. Vor, in der Stadt ein Parkchaos, CO2-Ausstoss ohne Ende, hinterlassener Müll, Polizeipräsenz. Das "wehret den Anfängen" sollte auch für Conora-Leugner gelten, die durch solche events unsere Gesundheit gefährden und staatlich "verordnete" Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung nicht einhalten. Auch das ist "Krieg".

Das ist das Problem und das sollten wir nicht vergessen!

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