Kostbarkeiten im heimischen Wald

Brennnessel meiden, Buchen suchen: Wo man Pilze findet und was beim Sammeln zu beachten ist.
  • Er gilt als Inbegriff aller Pilze, bringt im Magen jedoch kein Glück: der giftige Fliegenpilz. Foto: Alexander Schäffer

„Ich hab’ einen!“, möchte man am liebsten in den Wald schreien. Denn schon der Anblick des erspähten Pilzes lässt das Herz schneller schlagen. Her mit dem Lottogewinn! Ab ins Körbchen!

Es ist nicht nur die Vorfreude auf die erhoffte Pilzpfanne, sondern auch das Glücksgefühl, das sich beim Entdecken von Steinpilz, Marone und Co. einstellt. Doch der ausgefuchste Pilzsammler verlässt sich nicht auf Glück allein. Er weiß, wo sich Pilze wohlfühlen und wird nicht kilometerweit durch einen dunklen Wald stapfen, in dem nichts zu „ernten“ ist.

Gestapelte Baumstämme kein gutes Zeichen für Pilze

Gibt es tatsächlich Waldstücke, in denen keine Pilze wachsen? „Ja“, sagt Peter Karasch, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM). „Dort, wo Spuren von schwerem Forstgerät zu sehen sind oder viele gestapelte Baumstämme am Wegesrand.“ Bei forstwirtschaftlichen Aktivitäten sei es erstmal eine Weile vorbei mit den gewohnten Pilzen.

Es gibt sogar regelrechte Störungsanzeiger, die für wenig Pilzglück sprechen. „Befindet sich gleich neben dem Wald ein Maisacker, ist das wegen höherer Nährstoffeinträge ungünstig für die meisten Pilzarten.“ Auch wer meterhohe Brombeersträucher, Springkraut oder Brennnesseln sieht, könne meist gleich wieder kehrtmachen. Stattdessen sollte man nach Moosen und Flechten Ausschau halten.

Auch auf die Baumart kommt es an. „Nadelwälder mit Fichten und Kiefern sind das richtige Terrain für Sammler, die auf die beliebtesten Pilzarten Pfifferlinge, Steinpilze und Maronen scharf sind“, weiß Karasch. Sommersteinpilze ließen sich bevorzugt in der Nähe von Buchen oder Eichen finden.

Wo einer, da bald noch einer

Ist der Pilz noch elastisch und zieht sich bei leichtem Druck in seine Form zurück, dann ist er auch noch frisch.

Peter Karasch
Vizepräsident der
Deutschen Gesellschaft für Mykologie

Und was ist mit der Volksweisheit: Wo ein Fliegenpilz im Wald, ist ein Steinpilz nicht weit? „Auch da ist was dran. Beide haben ähnliche Standortansprüche“, sagt Karasch. Allerdings müsse das nicht zeitgleich sein. Das trifft auch für folgende Regel zu: Wo steht einer, kommt noch einer. „Deshalb sollte man zu erfolgreichen Fundorten nach drei bis fünf Tagen noch mal einen Wiederholungsgang machen“, rät der Pilzkenner. Wer befürchtet, die Stelle nicht wiederzufinden, könne ein Schleifchen in der Nähe anbinden.

Manchmal ist die Freude nur kurz, wenn der Fund schon ein betagter Pilzopa ist. „Dann besser stehen lassen! So sorgt er durch seine Sporen für Vermehrung der Pilze in der nächsten Saison“, sagt Peter Karasch. Hilfreich sei dabei der Drucktest am Hut. „Ist der noch elastisch und zieht sich in seine Form zurück, ist er auch noch frisch“, so der Experte. Hat der Pilz schon Bewohner? Ebenfalls stehen lassen! Um das herauszufinden, müsse man den Pilz auch nicht gleich pflücken. Karasch nimmt gerne einen kleinen Spiegel mit und kann so unter den Pilzhut schauen. Angeknabberte Exemplare sind dagegen kein Problem; einfach großzügig wegschneiden.

Idealer Zeitpunkt: 10 bis 14 Tage nach Regen

Der richtige Pilz-Fuchs achtet natürlich aufs Wetter und weiß: „Damit Pilze sprießen, muss der Boden eine gewisse Grundfeuchte haben. Aber man muss nicht gleich losschießen, während es noch regnet“, klärt Karasch auf. „Der ideale Zeitpunkt ist so etwa 10 bis 14 Tage nach dem Regen. Denn fast alle Pilzsorten wachsen in Wellen.“

Wenn Karasch mit einem vollen Körbchen zurückkehrt, liebt er neben Pilzrisotto und Parasolschnitzel eine Mischpilzpfanne mit Zwiebeln und Biospeck. Denn er weiß: „Umso mehr Pilzarten, desto intensiver das Aroma.“ Auch ein klassisches Jägerschnitzel in Pilzrahmsauce verschmäht er nicht. dpa

© Schwäbische Post 11.09.2020 16:02
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