Lesermeinung

Zur geplanten Demo im Tunnel:

Der motorisierte Individualverkehr muss drastisch reduziert werden, egal ob mit Strom oder Verbrenner, wenn wir das von unserer Regierung unterschriebene Pariser Abkommen einhalten wollen. Das wissen alle. Aber sobald es um politische Entscheidungen geht, dann wird vertagt und verschoben. (...) Ja, und vor allem ist natürlich für alles, was kein Auto ist, auch kein Geld da. Selbst kleinste Kleinigkeiten, z.B. dass man Fahrrad-Piktogramme auf die Fahrbahn malt, die dem Autofahrer verdeutlichen sollen, dass der Fahrradfahrer ein Recht darauf hat, die Fahrbahn mit zu benutzen, selbst solche Sachen brauchen Monate lange Diskussionen und dann noch weitere Monate, um sie an einer einzigen Straße, der Weißensteiner Straße, (...) umzusetzen. Dabei geht es noch gar nicht darum, dass man dem Autofahrern was wegnehmen würde, es geht lediglich darum, dass man ihm signalisiert, dass er den Fahrradfahrer vor ihm nicht anhupen oder anmotzen sollte. Sondern akzeptieren und respektieren.

Die Stadt hat Millionen ausgegeben für den Bahnhof-Boulevard, für Pfitzer-, Baldung- und Glockekreisel. Und jedesmal (...) überrascht festgestellt, dass die Fahrradfahrer nicht mitbedacht worden sind, dass Fahrradfahrer diese Straßen und Kreisel nicht gefahrlos befahren können. Zum Teil nicht mal befahren dürfen.

Wenn es nichts kostet, überschlagen sich die Verantwortlichen vor Begeisterung fürs Fahrradfahren. Albernheiten wie das Stadtradeln werden als großartige Anstrengung für Klimaschutz und Volksgesundheit dargestellt. Forderungen der monatlichen Critical-Mass-Fahrrad-Aktionen nach Fahrradspuren um die City, nach Fahrradstraßen von West nach Ost, nach sicheren und attraktiven Fahrradverbindungen in die Teilorte verhallen.

Wir können die Autolawine nur aufhalten, wenn wir Alternativen aufbauen. Jetzt, nicht nach der übernächsten Wahl. Und die Alternativen sind attraktiver öffentlicher Nahverkehr und sichere Fahrradspuren. Was denn sonst? (...)

Die Welt steht Kopf, wenn die Jungen gegen uns Alte ihre eigene Zukunft einfordern müssen. Nein, wir Alten dürfen da nicht am Rande stehen, wir sind bei allem, was uns heilig ist, dazu verpflichtet, für unsere Kinder und Enkel Verantwortung zu übernehmen. Die Fahrradkuriere for Future werden bei der Tunneldemo dabei sein. (...) Lasst die Jungen nicht im Stich, seid dabei, wenn sie wenigstens für zwei Stunden die Autolawine stoppen, macht mit bei der Tunneldemo am 25. September.

© Schwäbische Post 11.09.2020 18:30
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Kommentare

In my humble opinion

>Die Welt steht Kopf, wenn die Jungen gegen uns Alte ihre eigene Zukunft einfordern müssen.<

Sicher, weil es nicht nur die 'Jungen' sind, sondern auch manche Ältere, denen klar ist, dass wir auf unserer Erde seit Anbeginn die Rohstoffe haben und nichts dazu kommt, außer für die kommenden Jahrmilliarden die Sonnenenergie. Die fossilen Brennstoffe sind über Jahrmillionen angesparte Sonnenenergievorräte, die wir jetzt über wenige hundert Jahre 'vom Konto abbuchen', ohne jemals wieder was einzuzahlen.

Das Problem liegt aber in dem 'einfordern', Forderungen sind immer einfach zu stellen, aber gangbare Wege aus dem Jetzt in die Zukunft zu finden, ist nicht so ganz einfach, bildhaft gesprochen, müssen wir den Pferden an der Kutsche im Galopp die Hufe beschlagen. Wie schwierig das ist, sehen wir gerade jetzt bei Covid-19, wir haben in der Vergangenheit als angeblich sichere wirtschaftliche Zukunft unsere Wirtschaft von 'Produktion' auf 'Dienstleistung' umpolen wollen, und nun erleben wir, dass ausgerechnet die 'Dienstleistung' ( am Mitmenschen ) zum Problem wird. Da hilft auch alles Wünschen und Wollen nicht viel weiter, so muss jeder von uns, alt und jung, nicht nur 'fordern', sondern seinen möglichen Beitrag dazu leisten.

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