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„Was wir tun, macht uns stolz!“

Das Handwerk ist die Branche in Deutschland, die glücklich, stolz und erfolgreich macht. Dabei sind die Perspektiven für die Auszubildenden in den Handwerksberufen nach wie vor gut.
  • Florian Schmid (li.) und Julian Amon in der Werkhalle von Amon Stahl- und Metallbau in Aalen-Ebnat abwechslungsreich und vielschichtig. Foto: HWK Ulm

Ulm. „Bei allem was wir tun, können wir stolz, glücklich und erfolgreich sein“ – so lautet der Kampagnenslogan in diesem Jahr für den nationalen Tag des Handwerks, der immer am dritten Samstag des Septembers stattfindet. Der Slogan umfasst einfach und präzise die Arbeitsbeschreibung einer Handwerkerin oder eines Handwerkers. Dann zeigen wir doch einfach Beispiele aus der Region für stolze, glückliche und erfolgreiche Handwerker.

Begeisterung im Beruf

Es klingt Begeisterung mit, wenn sie gesten- wie kenntnisreich erzählt: Claudia Lichtensteiger ist Auszubildende zum Bäckerhandwerk in der Landbäckerei Heinzelmann in Wolfegg. Hier direkt im Ortszentrum, wo sich beide Durchfahrtsstraßen kreuzen, kommt niemand vorbei an den leckeren Seelen, Brezeln und süßen Stückchen – kein Radfahrer, kein LKW-Fahrer und kein Vertriebler. Und natürlich kommen auch die Wolfegger gerne in ihre Traditionsbäckerei. „Das ist hier schon wie ein Anlaufpunkt, zentraler geht es nicht“, sagt Claudia Lichtensteiger. Dementsprechend viel und umfangreich an Sorten müssen sie und die anderen 14 Beschäftigten backen und verkaufen. Und hierbei kommt die 21-Jährige, die schon ausgelernte Konditorin ist und jetzt im dritten Bäcker-Lehrjahr, ins Schwärmen: „Zum Beispiel die Seelen, sie werden bei uns mit Wasser oder mit Mehl ausgebrochen. Je vier kommen auf die länglichen Formen, dann geht es direkt in den Ofen.“ Und dann kommen sie duftend wieder heraus – ein Gedicht.

Gut möglich, dass Claudia Lichtensteiger später einmal den elterlichen Betrieb übernimmt, die Eschach-Bäckerei in Leutkirch. Ob Konditor oder Bäcker mehr Spaß mache, da grübelt Claudia Lichtensteiger nur kurz: „Es ist eben schön abwechslungsreich, da ich mal 50 Kilogramm Teig für mehrere hundert Brötchen mache oder ganz fein und exquisit Marzipan für Pralinen“, lacht sie.

Stahl- und Metallbau für die Fußball-Profis

„Wenn ich sehe, was wir herstellen und vor Ort montieren, dann macht mich das richtig stolz“, sagt auch der 18-jährige Florian Schmid, Auszubildender bei der der Amon Stahl- und Metallbau in Aalen-Ebnat. Beispiele dafür sind unter anderem Terrassenüberdachungen, Balkone, Treppen und Geländer, sowie die so genannten Wellenbrecher und Geländer auf der Tribüne des Stadions von Fußball-Zweitligist 1. FC Heidenheim. Oder die beeindruckenden Metall-Geländer in der neuen Firmenzentrale einer weltweit agierenden Software-Firma in Walldorf bei Heidelberg.

Florian Schmid ist aktuell ins zweite Lehrjahr zum Metallbauer gekommen und freut sich, dass er einen interessanten und abwechslungsreichen Ausbildungsberuf erlernen kann. „Die Arbeit ist sehr vielfältig und anspruchsvoll, mal produzieren wir in der Fertigungshalle, mal sind wir beim Kunden zur Montage, da kommt immer etwas Neues auf uns zu – auch auf die Azubis“, sagt Junior-Chef Julian Amon und schmunzelt: „Stahl können wir einfach.“ Sein Vater Thore Amon hat den Betrieb vor 19 Jahren gegründet über die Jahre hinweg fast die gesamte Mannschaft im eigenen Betrieb ausgebildet. Ein prima Zusammenhalt, genauso wie bei den Heidenheimer Fußballprofis.

Im Handwerk durchstarten

Er darf stolz und glücklich darauf sein, wie er sein Schicksal gemeistert: Mohassad Slemaui, 26 Jahre alt, ist vor viereinhalb Jahren aus Basra im Süd-Irak geflohen, weil er in seinem Heimatland entführt und gefoltert wurde, was man ihm heute noch merklich ansieht. Aber hier in Deutschland, ganz genau in Ulm-Söflingen, konnte er in Sicherheit leben und richtig durchstarten, und zwar im Handwerk. „Ich war im Irak schon Herren-Friseur, hier in Deutschland hab ich aber noch eine Friseur-Ausbildung absolviert und Fortbildungen bei der Handwerkskammer Ulm belegt“, erzählt Slemaui.

Doch damit nicht genug. In Absprache mit seiner Chefin, die schon Friseur-Landessiegerin war, erhielt Slemaui kontinuierlich Unterstützung und konnte schließlich die Meisterschule in Biberach belegen und seinen Meisterbrief machen. Zudem wurde Slemaui im vergangenen Jahr Zweiter beim Landeswettbewerb für Friseure, was ihm eine weitere schöne Urkunde einbrachte, die im Friseursalon „Haar Team 3“ in Ulm-Söflingen hängt, wo Mohassad Slemaui mit großem Einsatz arbeitet. Der Salon beschäftigt fünf Mitarbeiter und bildet kontinuierlich junge Menschen aus – vorbildlich.

„Ja, ich bin glücklich und dankbar, was mir Deutschland alles ermöglicht hat und was ich bisher alles geleistet habe“, sagt Mohassad Slemaui mit sichtlichem Stolz. Auch die Corona-Krise konnte dem sympathischen Iraker nichts anhaben –und auch dem Salon nicht. „Wir haben viele Stammkunden, die uns in den vergangenen Monaten die Treue gehalten haben“, sagt Slemaui. Was ist nun das nächste Ziel von Mohassad Slemaui? „Jetzt möchte ich Botschafter für die nationale Handwerks-Kampagne werden und will jedem erzählen, was für ein tolles Handwerk der Friseurberuf ist.“ HWK Ulm

© Schwäbische Post 18.09.2020 15:08
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