VfB Stuttgart Bundesliga

26 Torschüsse, zwei Treffer, keine Punkte

Aufsteiger VfB Stuttgart scheitert an seiner schwachen Chancenverwertung und an der kalten Effizienz des Gegners.
  • Stuttgarts Trainer Cheftrainer Pellegrino Matarazzo fasst sich an den Kopf. Sein Team vergab im ersten Saisonspiel gegen den SC Freiburg viele Torchancen. Foto: Weber/ Eibner-Pressefoto
  • Wataru Endo (l., VfB) im Kopfball-Duell gegen Nils Petersen vor den spärlich besetzten Rängen. Foto: Eibner
Christian Streich war mal wieder voller Adrenalin. Als der Schlusspfiff ertönte, machte der Coach des SC Freiburg vor Freude zwei Luftsprünge, reckte die Faust in den Himmel, fiel Sportdirektor Jochen Saier um den Hals und verschwand dann schnell in den Katakomben der Mercedes-Benz-Arena. Eine halbe Stunde später saß Streich auf dem Podium der Pressekonferenz und lobte den Gegner. „Der VfB Stuttgart ist richtig gut aufgestellt. Der VfB wird einigen Gegnern in dieser Saison noch richtig wehtun. Davon bin ich überzeugt.“

Mit 3:2 hatten Streichs Freiburger das erste Saisonspiel in Stuttgart gewonnen. Und das am Ende recht glücklich, wie der Coach einräumte. Denn der VfB war in der zweiten Hälfte die klar tonangebende Mannschaft. Vor allem in den letzten 25 Minuten kamen die Gäste aus dem Breisgau kaum noch mal aus ihrer eigenen Hälfte heraus. Mit Ach und Krach rettete der SCF seinen Vorsprung ins Ziel. Und Streich durfte sich über den ersten Sieg als Coach bei den Profis des VfB Stuttgart freuen. Das war ihm zuletzt vor vielen, vielen Jahren als Übungsleiter der Freiburger A-Jugend gelungen.

Beim VfB wiederum wusste man nicht so recht, ob man nun enttäuscht ob der Auftaktniederlage sein sollte – oder nicht doch auch ein wenig stolz auf das eigene Spiel. Denn die Leistung der Stuttgarter konnte sich alles in allem trotz der Niederlage sehen lassen. Sie weckt die Hoffnung, dass der Aufsteiger im Fußball-Oberhaus durchaus konkurrenzfähig sein könnte.

Kalajdzic bringt Schwung

„Es ist gut zu sehen, dass wir uns viele Chancen herausgespielt haben“, sagte Stuttgarts Trainer Pellegrino Matarazzo hinterher. Er sagte auch: „Man hat gesehen, was wir können und was wir nicht können.“ In der Tat: Nimmt man die Torschuss-Statistik zu Grunde, dann hätte Matarazzos Team dieses Spiel nicht verlieren dürfen. 26 Mal schossen die VfBler auf den Kasten der Freiburger. Die wiederum brachten lediglich acht Abschlüsse zustande, trafen aber drei Mal.

Ob Silas Wamangituka, Roberto Massimo, Diego Klimowicz oder Gonzalo Castro: Sie alle ließen erstklassige Möglichkeiten ungenutzt, während Freiburg eiskalt zuschlug. Nils Petersen (8.), Roland Sallai (26.) und Vicenzo Grifo (48.) schossen das Streich-Team mit 3:0 in Front. Das Derby schien bereits kurz nach der Pause entschieden.

Doch, was dann folgte, glich einem Krimi. Stuttgarts Trainer Matarazzo brachte Sasa Kalajdzic und Philipp Klement ins Spiel. Beide sorgten für zusätzlichen Schwung. Vor allem der schlaksige Mittelstürmer Kalajdzic beschäftigte Freiburgs Abwehr fast im Alleingang.

Der 23-jährige Österreicher war es auch, der den VfB auf Pass von Daniel Didavi mit einem Heber auf 1:3 heranbrachte (71.). Als dann Wamangituka auch noch 2:3 folgen ließ (81.), war alles wieder drin für die junge Stuttgarter Formation. Doch Freiburgs erst unter der Woche von Mainz 05 ausgeliehener Keeper Florian Müller, bester Mann seines Teams, hielt in der wilden Schlussphase, was es noch halten gab. Wenig verwunderlich, dass Stuttgarts Kapitän Gonzalo Castro geknickt war. „Wir haben Lehrgeld bezahlt“, sagte der frühere Nationalspieler und mit 33 Jahren einer der wenigen erstligaerfahrenen Kicker der VfB-Mannschaft.

Erstmals seit sechseinhalb Monaten waren, wie berichtet, wieder Zuschauer in der Mercedes-Benz-Arena zugelassen. Die Rückkehr der Fans verlief ohne nennenswerte Vorfälle. Die etwas mehr 7000 Zuschauer in der spärlich gefüllte Arena – maximal 8000 waren zugelassen – hielten sich an die Abstands- und Corona-Vorgaben. Sie peitschten ihren VfB nach vorne und spendeten dem Team nach dem Abpfiff aufmunternden Applaus.

„Dieser Applaus hat mich sehr gefreut“, sagte Trainer Matarazzo und legte den Finger in die Wunde. Denn er fügte hinzu: „Die Spiele werden nunmal im Sechzehner gewonnen.“ Im Strafraum agierten seine Schützlinge häufig zu fahrig und naiv. Vorne wie hinten, wie der VfB-Coach befand.

Matarazzo spielte unter anderem auf den ersten und dritten Freiburger Treffer an. In diesen Situationen sah die Stuttgarter Dreikette – Marc Oliver Kempf, Waldemar Anton und Marcin Kaminski – schlecht aus. Die Gäste-Akteure konnten jeweils völlig freistehend einköpfen und einschießen. „Das werden wir knallhart ansprechen im Training. Das müssen wir abstellen.“
© Südwest Presse 21.09.2020 07:45
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