Kommentar Gerold Knehr über Tour-Sieger Tadej Pogacar

Vergiftetes Lob

  • Gerold Knehr über Tour-de-France-Sieger Tadej Pogacar Foto: Volkmar Könneke
Es gibt viele unvergessliche Sportmomente: Armin Hary läuft als erster Mensch die 100 Meter in zehn Sekunden. Der „Rumble-in-the-jungle“-Boxkampf zwischen Muhammad Ali und George Forman. Oder die Wimbledon-Siege der Teenager Steffi Graf und Boris Becker.

Auch das, was am Samstag bei der Tour de France passierte, hat das Potenzial zum großen Sportmoment. Bei der letzten Gelegenheit, die Tour de France zu gewinnen, nahm der Slowene Tadej Pogacar allen Mut und alle Kraft, die er nach den drei Wettkampfwochen noch hatte, zusammen und nahm seinem bis dahin souveränen Landsmann Primoz Roglic im Zeitfahren unglaubliche zwei Minuten und den fast sicheren Gesamtsieg ab.

Einstige Legenden wie Eddy Merckx und Greg Lemond lobten Pogacars Vorstellung überschwänglich. Und auch Lance Armstrong meldete sich zu Wort. Er sprach von einer „Leistung für die Ewigkeit“, der vielleicht besten, die es je gegeben habe. Ausgerechnet der in Radsportkreisen wegen seiner Doping-Vergangenheit geächtete Armstrong. Sein „vergiftetes Lob“ weckt automatisch Zweifel an der Leistung Pogacars. Gegen den diesjährigen Tour-Triumphator gibt es bislang keine Verdachtsmomente, aber sein Umfeld gilt nicht als astrein.

Ob Pogacar für einen historischen Sportmoment gesorgt hat, wird sich erst noch herausstellen müssen. Der Zweifel fährt beim Radsport mit.
© Südwest Presse 21.09.2020 07:45
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