Kommentar Manuela Harant zum Fußball-Supercup vor Zuschauern

Die Kraft der Bilder

  • Manuela Harant. Foto: Volkmar Könneke
Mal ehrlich: Würden Sie für ein einziges Fußballspiel in ein Corona-Risikogebiet reisen, sich zweimal dem doch recht unangenehmen Covid-19-Test unterziehen und dann womöglich auch noch zwei Wochen unbezahlten Urlaub dranhängen, weil ihr Arbeitgeber das vielleicht so möchte? Die Hürden für die Zuschauer beim Supercup-Spiel in Budapest sind hoch. Deshalb haben sich auch „nur“ 2100 Bayern-Fans dafür entschieden, genau das zu tun – es ist ihr gutes Recht. Und so intensiv, wie diese aktuell wohl bekannteste Reisegruppe Europas vom FCB und den Behörden in Bayern betreut wird, kann dieses Spiel kaum zu einem Superspreading-Event für Deutschland werden.

Viel schlimmer an der 20 000-Personen-Veranstaltung sind jedoch die Bilder, die aus dem Puskas-Stadion am Donnerstag geliefert werden: Erneut werden wir eng feiernde, singende, vielleicht sogar sich umarmende Fußballfans sehen, die in der Corona-Pandemie wie Privilegierte über allen AHA-Regeln der Welt stehen. Und wieder wird dies Wasser auf die Mühlen derer sein, die seit Monaten predigen, dass alle Lockdowns dieser Erde völlig falsch waren und wir angesichts der vermeintlichen Harmlosigkeit dieses Virus endlich wieder zur alten Normalität zurückkehren sollten.

Insofern bleibt nur noch eines zu hoffen: Dass die ungarische Bevölkerung es vielen Bayern-Fans gleich tut und dem möglichen Superspreading-Event im eigenen Land fern bleibt.
© Südwest Presse 22.09.2020 07:45
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