Der „Iceman“ sammelt noch Rekorde

Kimi Räikkönen ist auch mit knapp 41 unangepasst wie eh und je.
  • Auf dem Weg zum Rekord: Kimi Räikkönen. Foto: Xpb Images
So richtig ernst nimmt Kimi Räikkönen die Formel 1 nicht. Der 40-Jährige könnte zwar am Sonntag in Sotschi den Rekord für die meisten Grand-Prix-Starts einstellen, für den Zirkus rund um die glatt polierte Rennserie aber hat der Finne bis heute wenig übrig. Gerade erst amüsierte er seine Fans bei Instagram mit Spott über ein gewagtes Outfit von Weltmeister Lewis Hamilton und stellte ein Partyfoto dazu, das ihn selbst mit gläsernem Blick und Zigarette zeigt. „Keine Angst, es ist noch nicht alles verloren“, schrieb Räikkönen dazu.

Unangepasst auf seinem ganz eigenen Weg ist der „Iceman“ aus Espoo auch im hohen Rennfahrer-Alter unterwegs. Als Räikkönen vor 19 Jahren und sechs Monaten in Australien sein Formel-1-Debüt gab, war Gerhard Schröder Bundeskanzler, die No Angels standen mit „Daylight“ an der Spitze der deutschen Charts, und McLaren-Pilot Lando Norris lernte gerade Laufen. Wenn Räikkönen nun am Sonntag (13.10 Uhr/RTL und Sky) das Rennen in Sotschi aufnimmt, wäre es sein 322. Start – so viele hat zuvor nur der Brasilianer Rubens Barrichello geschafft.

Dabei hatte Räikkönen schon einmal genug von der Formel 1. Nach seinem Einstieg bei Sauber und fünf Jahren bei McLaren wurde er 2007 als Ferrari-Nachfolger von Michael Schumacher der bislang letzte Weltmeister der Scuderia. Danach ließ seine Lust nach, Ende 2009 verließ er Ferrari und fuhr in der Rallye-WM. „Es ist ganz einfach: Ich liebe den Rennsport“, sagte er jüngst. In welchem Auto, das ist für Räikkönen nicht ganz so wichtig.

2012 kehrte er doch wieder zurück, erst im Lotus, dann als zweiter Mann neben Kumpel Sebastian Vettel erneut bei Ferrari. Bei Alfa-Romeo, dem früheren Sauber-Team, schließt sich nun der Kreis. Auch wenn es für den 21-maligen Grand-Prix-Sieger nicht mehr für vordere Plätze reicht, sammelt Räikkönen Rekorde: Er hat die meisten Rennrunden und die meisten Renn-Kilometern absolviert, rein rechnerisch hat er damit zweimal die Erde umrundet.

Räikkönens Vertrag läuft aus, in drei Wochen wird er 41. Zeit für den endgültigen Abschied? „Es wird einen Punkt geben, an dem ich zuhause sein und andere Dinge tun möchte“, sagte der Fanliebling. In der Corona-Zwangspause genoss er die unverhoffte Freizeit mit Gattin Minttu und den zwei Kindern. Die Eskapaden mit viel Alkohol und wilden Nächten zwischen den Rennen, über die er offen in seiner Biografie berichtet, liegen hinter ihm. Auch wenn nicht ausgeschlossen ist, dass Räikkönen noch ein Jahr dranhängt und dann vielleicht Fahrlehrer für Mick Schumacher bei Alfa-Romeo wird, vermissen wird der Finne die Formel 1 eher nicht. sid
© Südwest Presse 25.09.2020 07:45
143 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.

Anmeldung zum E-Mail-Newsletter aus der Redaktion

Die wichtigsten und interessantesten Meldungen des aktuellen Tages aus der Redaktion direkt in Ihr E-Mail-Postfach – täglich und kostenlos jeden Abend.

Jetzt kostenlos anmelden

Aktuelle Meldungen direkt auf Ihr Handy