Querpass

Siegtreffer nach dem Abpfiff

  • über die Gültigkeit alter Poesie- und Fußballsprüche Gerold Knehr Foto: Gerold Knehr
„Wenn du denkst , es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her.“ Diesen tröstenden Spruch konnte man früher häufig in Poesiealben lesen. Oft war es die Oma, die ihre Enkelin damit aufbauen wollte.

Auch heute noch hat dieser Poesiealbum-Eintrag seine Berechtigung. Nicht nur für untröstliche Enkelinnen, sondern auch für gestandene Fußball-Profis. Wie die von Manchester United. Als der Schiedsrichter deren Partie bei Brighton and Hove Albion nach siebenminütiger Nachspielzeit abpfiff, stand ein enttäuschendes 2:2 auf der Anzeigetafel.

Doch Schlusspfiff ist nicht gleich Abpfiff. Denn nun schaltete sich der Videoassistent ein und bescherte dem Gästeteam einen „After-Game“-Elfmeter. Den die Red Devils, die ihr Heimspiel zum Auftakt der Premier League verloren hatten, in der 90.+10. Spielminute zum 3:2-Siegtreffer nutzten. Der Fehlstart war abgewendet.

Solange der Schiedsrichter den Platz noch nicht verlassen hat, darf der Videoassistent einschreiten, lautet die Regel. Sepp Herbergers legendärer Satz vom Fußballspiel, das 90 Minuten dauert, ist längst überholt.

Ähnliches gilt auch in anderen Sportarten. So warten beispielsweise Viertplatzierte bei Olympischen Spielen oft jahrelang, bis plötzlich ein Lichtlein in Form einer Bronzemedaille erscheint, weil einem davor platzierten Athleten Doping nachgeweisen wird.
© Südwest Presse 29.09.2020 07:45
186 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.

Anmeldung zum E-Mail-Newsletter aus der Redaktion

Die wichtigsten und interessantesten Meldungen des aktuellen Tages aus der Redaktion direkt in Ihr E-Mail-Postfach – täglich und kostenlos jeden Abend.

Jetzt kostenlos anmelden

Aktuelle Meldungen direkt auf Ihr Handy