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Wo der Besen hoch hängt

Geselligkeit bei Speis und Trank direkt vom Erzeuger bieten oft im Frühjahr und jetzt im Herbst viele gemütliche Besenwirtschaften.
  • Regionale Weine werden zu deftigen heimischen Speisen in den Besenwirtschaften serviert. Foto: Brad/stock.adobe.com
  • Obst aus heimischen Anbaugebieten dient als Basis für die edlen Tropfen in Besenwirtschaften. Foto: Alexander Schäffer

Der Herbst lockt mit den letzten warmen Tagen nach draußen und macht Lust auf Ausflüge in die Umgebung. Wie wäre es da mit der Einkehr in einer Besenwirtschaft? Ein leckerer Wurstsalat oder Maultaschen mit Kartoffelsalat schmecken mit einem guten Viertele oder einem Glas frisch gepresstem Apfelsaft direkt vom Winzer gleich noch besser. Regionale Gerichte, wie Winzerteller mit Wurst oder Käse oder eine deftige Schlachtplatte, munden besonders gut in gemütlicher Runde mit der Familie oder mit Freunden.

Nur an wenigen Wochen im Jahr geöffnet

Ein Ausflug mit anschließender Einkehr in eine Besenwirtschaft bietet sich dafür bestens an. Eine Besenwirtschaft ist ein von Winzern und Weinbauern saisonal geöffneter Gaststättenbetrieb, in dem diese zu bestimmten Zeiten ihren selbst erzeugten Wein direkt vermarkten. Hauptsächlich im Herbst während der Weinlese und Obsternte haben Besenwirtschaften geöffnet, manche öffnen auch im Frühling. Der Ausschank darf höchstens an vier Monaten im Jahr erfolgen, die Zeit kann aber in zwei Zeiträume geteilt werden. Auch dürfen maximal 40 Sitzplätze zur Verfügung stehen. Diese Vorgaben gibt es, weil Besenwirtschaften nicht als erlaubnispflichtige Gaststättenbetriebe gelten, das heißt, sie benötigen keine Konzession. Aus diesem Grund dürfen allerdjngs auch keine warmen Hauptmahlzeiten serviert werden. Auch Bier und andere alkoholische Getränke – außer Wein – dürfen in einer Besenwirtschaft nicht gereicht werden. Selbstgebrannte Spirituosen sind jedoch zulässig. Neben Wein und/oder Apfelwein muss auch mindestens ein alkoholfreies Getränk angeboten werden.

Die Räumlichkeiten weisen unterschiedlichen Charakter auf, neben gaststättenähnlich eingerichteten Besen findet sich auch die Scheune, die mit einfachen Bierbänken provisorisch umgebaut wurde. In früheren Jahrzehnten sollen die Winzer auch schon mal ihre Wohnung oder den Viehstall ausgeräumt haben. Die Gründe dafür sind leicht nachzuvollziehen: So muss der Ausschank am Ort der Erzeugung erfolgen, auch ein Anmieten von Räumlichkeiten zum Ausschank ist unzulässig.

Regional verschieden benannt

Seinen Namen hat der „Besen“ übrigens vom Reisigbesen an der Tür, mit dem der Besitzer anzeigt, dass geöffnet ist. Häufig wird als zusätzliches Signal eine meist rote Glühlampe verwendet. Vorwiegend in der Bodenseeregion ist der Name Rädle beziehungsweise Rädlewirtschaft gebräuchlich. In Gegenden außerhalb Baden-Württembergs wird die Besenwirtschaft als Straußwirtschaft bezeichnet. Franken nennen derartige Gaststätten oft Häckerwirtschaft, Häcker ist die fränkische Bezeichnung für Winzer.

© Schwäbische Post 29.09.2020 22:06
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