Chaos nach Unwetter

In Frankreich und Italien richten ein schwerer Sturm und heftiger Regen große Schäden an. Etliche Dörfer sind von der Außenwelt abgeschnitten.
  • Im italienischen Biella rutscht ein Haus in den Fluss Cervo. Foto: --/Vigili del Fuoco/dpa
Mindestens sechs Tote in Italien, ein Toter und mindestens acht Vermisste in Frankreich, zahlreiche Häuser zerstört und ganze Dörfer von der Außenwelt abgeschnitten: Heftiger Regen und Überschwemmungen haben im Grenzgebiet zwischen Italien und Frankreich schwere Schäden angerichtet. Zwei zunächst vermisste Deutsche und ihre beiden in Italien lebenden Enkel konnten nach Angaben der Behörden zusammen mit 17 weiteren Menschen in Sicherheit gebracht werden.

Helfer entdeckten die 21 Vermissten in der Nähe des Tenda-Passes im Hinterland der Côte d‘Azur, wie eine Sprecherin des italienischen Zivilschutzes am Samstagabend mitteilte. Französische Feuerwehrleute berichteten, die Gruppe sei am Freitagabend in der Nähe eines Tunnels von zwei Erdrutschen auf der Straße blockiert worden. Sie habe im alten Bahnhof von Viévola Unterschlupf gefunden und sei von dort am Samstag mit Hubschraubern nach Italien gebracht worden.

Das Unwetter verwüstete in Frankreich unter anderem das Hinterland der Ferienmetropole Nizza: Dörfer wurden überflutet, Häuser weggerissen, durch Geröll und Bäume versperrte Straße erschwerten den Helfern den Zugang zu den Krisenregionen. Vielerorts brach die Stromversorgung zusammen. Es gebe „große Sorge über die endgültige Bilanz, sagte der französische Regierungschef Jean Castex.

Er war mit dem französischen Innenminister Gérald Darmanin nach Südfrankreich geeilt, um sich ein Bild im betroffenen Département Alpes-Maritimes zu machen. Castex sicherte der Bevölkerung Unterstützung zu; an diesem Mittwoch werde das Kabinett den Katastrophenzustand für die betroffenen Gemeinden ausrufen.

Nizza ruft Armee zu Hilfe

Nizzas Bürgermeister Christian Estrosi war sichtlich betroffen: „Wir sind mit einem Unglück konfrontiert, wie ich es im (Département) Alpes-Maritimes noch nicht erlebt habe.“ Der konservative Politiker kündigte laut Medien an, dass die Armee in der Region eingesetzt werden solle. Etwa 100 Häuser seien in der Region zerstört oder beschädigt worden, so Estrosi.

Der Abgeordnete Éric Ciotti sprach von „Horrorszenen“. Sein Heimatdorf Saint-Martin-Vésubie in den Bergen nördlich von Nizza sei teilweise zerstört worden, sogar der Friedhof des Ortes wurde fortgerissen. Viele Straßen der Region mit tief eingeschnittenen Gebirgstälern waren nicht mehr passierbar. Ein Schäfer wurde tot aus den Fluten des Flusses Roya geborgen, sein Bruder konnte gerettet werden.

Dramatisch war auch die Lage im benachbarten Norditalien. Dort kamen zwei Menschen ums Leben. Ein freiwilliger Feuerwehrmann aus der Gemeinde Arnad im Aostatal starb bei einer Rettungsaktion durch einen umgestürzten Baum. Im Piemont geriet ein Mann mit dem Auto bei Vercelli in den reißenden Fluss Sesia. Er wurde weggespült. Auch in Ligurien richteten überschwemmte Flüsse und umgekippte Bäume starke Schäden an. Viele Haushalte waren ohne Strom. dpa
© Südwest Presse 05.10.2020 07:45
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