Trump Coronavirus USA

Das Virus im Weißen Haus

Der US-Präsident und seine Frau haben sich mit dem Coronavirus infiziert. Donald Trump regiert vom Krankenhaus aus. 30 Tage vor der Wahl ist offen, wie es weitergeht.
  • US-Präsident Donald Trump arbeitet in der Präsidenten-Suite des Militärkrankenhauses Walter Reed in Bethesda. Foto: Joyce N. Boghosian/The White House/dpa
  • Der Arzt des Weißen Hauses, Sean Conley, während einer Pressekonferenz zum Gesundheitszustand des US-Präsidenten am Samstag. Foto: Brendan Smialowski/afp
In den USA tobt der härteste Wahlkampf seit Jahrzehnten – und einen Monat vor dem Urnengang muss der Amtsinhaber ins Krankenhaus. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu einer unerwarteten Wendung.

Wie hat sich Trump angesteckt? Denkbar ist, dass Trumps Beraterin Hope Hicks ihn angesteckt hat. Mittlerweile wurden neun weitere Angestellte des Weißen Hauses, unter anderem Beraterin Kellyanne Conway, ebenso wie drei republikanische Senatoren positiv getestet. Sie hatten zuvor an einer Zeremonie im Rosengarten des Weißen Hauses teilgenommen, bei der Amy Coney Barrett vorgestellt wurde, die neue Richterin am Obersten Gerichtshof werden soll. Trump könnte sich aber auch bei Wahlkampfveranstaltungen in Minnesota, Pennsylvania oder New Jersey angesteckt haben.

Kann es sich bei der Nachricht von seiner Infektion um eine Finte handeln, die von seinem Rückstand in den Umfragen ablenken soll? Zunächst kursierten in der Tat Gerüchte, wonach die Meldung nichts anderes als ein Ablenkungsmanöver sei. Spätestens als am Freitagabend Trump in das Walter-Reed-Militärkrankenhaus eingeliefert wurde, bestand aber kein Zweifel mehr daran, dass er tatsächlich infiziert ist.

Wie ist Trumps Gesundheitszustand? Der Präsident habe unter Husten und Fieber gelitten, doch am Samstagabend sei es ihm wieder deutlich besser gegangen, hieß es. Allerdings widersprach sich sein Leibarzt Sean Conley selbst, als er am Samstag sagte, dass der Präsident seit 48 Stunden das antivirale Medikament Remdesivir nehme und es ihm 72 Stunden nach der Corona-Diagnose wieder „sehr gut“ gehe. Dies würde bedeuten, dass Trump bereits am Mittwochmorgen diagnostiziert wurde. Am Mittwoch hielt er noch eine Veranstaltung in New Jersey ab, die Öffentlichkeit erfuhr erst in der Nacht zum Freitag von der Erkrankung.

Später sagte der Arzt, er habe sich versprochen. Auch antwortete Conley ausweichend auf die Frage, ob Trump ein Beatmungsgerät benötigt habe, welches bei Skeptikern den Verdacht bestätigt, dass man aus politischer Motivation heraus die Erkrankung herunterspielen wollte. Zuvor hatte nämlich US-Medienberichten zufolge sein Stabschef Mark Meadows gesagt, dass die Vitalzeichen des Präsidenten 24 Stunden lang „besorgniserregend waren“.

Fest steht jedoch, dass Trump auf einem vierminütigen Twitter-Video vom Samstagabend, das im Arbeitszimmer seiner Krankenhaus-Suite aufgezeichnet wurde, stabil wirkt. Am Sonntag äußerten sich seine Ärzte vorsichtig optimistisch. Der Gesundheitszustand des prominenten Patienten habe sich „weiter verbessert". Seine Sauerstoffwerte seien in den vergangenen Tagen zweimal kurz gefallen, er werde nun mit Steroiden behandelt.

Kann er bei der ersten Fernsehdebatte seinen demokratischen Gegner Joe Biden angesteckt haben? Biden und seine Ehefrau Jill wurden negativ auf das Virus getestet. Da Covid-19 eine lange Inkubationszeit hat, wird Biden noch mehrmals getestet werden.

Welches sind die politischen Folgen der Erkrankung? Das Weiße Haus betonte, dass es keine Machtübergabe an Vizepräsident Mike Pence geben würde, auch nicht vorübergehend. Trump werde vom Krankenhaus aus sein Amt ausüben. Dennoch hat die Erkrankung eines Präsidenten auch sicherheitspolitische Implikationen. So könnten Feinde der USA darin ein Zeichen der Schwäche sehen. Insbesondere wird befürchtet, dass radikalislamische Terrorzellen Vergeltungsschläge gegen US-Ziele vorbereiten könnten. Möglicherweise könnten auch sowohl Russland als auch China ihre Bemühungen verstärken, die Wahl zu manipulieren. Sowohl die Geheimdienste als auch das Pentagon betonten allerdings, dass sie sich in erhöhter Alarmbereitschaft befinden.

Was bedeutet Trumps Zustand für den weiteren Verlauf des Wahlkampfs und für die Debatten? Unklar ist derzeit noch, ob die nächsten Debatten zwischen dem Präsidenten und Biden, die für den 15. und 22. Oktober vorgesehen sind, überhaupt stattfinden werden. Unwahrscheinlich ist, dass Trump seine Wahlkampfauftritte in den kommenden vier Wochen unverändert absolvieren wird.

Biden betonte nach seinem negativen Test, dass er Besuche in „Swing States“ mit ihrem hohen Anteil an Wechselwählern fortsetzen werde. Allerdings kündigte Bidens Wahlkampfteam an, sämtliche negativen Werbespots sofort einzustellen. Trumps Kampagne will an ihrer aggressiven Werbung dagegen unverändert festhalten.
© Südwest Presse 05.10.2020 07:45
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