Heil will Rechtsanspruch auf 24 Tage Homeoffice

Nach dem Willen des SPD-Ministers sollen Angestellte möglichst zwei Mal im Monat von zuhause arbeiten können. Den Gewerkschaften ist das viel zu wenig.
  • Geht es nach Bundesarbeitsminister Hubertus Heil, so sollte das Arbeiten im Homeoffice regelmäßig möglich sein. Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Arbeitnehmer sollen nach dem Willen von Arbeitsminister Hubertus Heil künftig einen Rechtsanspruch auf mindestens 24 Tage Homeoffice im Jahr haben – sofern keine nachvollziehbaren Gründe dagegen sprechen. Wie die „Bild am Sonntag“ berichtet, hat der SPD-Politiker sein angekündigtes „Mobile Arbeit Gesetz“ fertiggestellt. Es sehe vor, dass ein Arbeitgeber den Wunsch nach mobiler Arbeit nur bei organisatorischen oder betrieblichen Gründen ablehnen darf.

„Wenn beide Eltern einen Beruf haben, in dem mobiles Arbeiten machbar ist, kann nach meinem Vorschlag jede Woche abwechselnd ein Elternteil einen Tag von zuhause arbeiten. Das erleichtert das Familienleben enorm“, sagte Heil der Zeitung.

Heil begründete seinen Vorstoß auch mit den Erfahrungen der Corona-Zeit. „Das Virus hat uns gelehrt, dass viel mehr mobiles Arbeiten möglich ist als wir dachten.“ Mobiles Arbeiten sei nicht nur was „für junge Leute aus Agenturen, die mit Laptop und Latte Macchiato im Café sitzen“, sondern gehöre für einige fest zur modernen Arbeitswelt. Weil es jedoch „vielen noch nicht ermöglicht wird, braucht es dafür auch ein Gesetz“, so der Minister.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) allerdings hält die Pläne für unzureichend. Das geplante Gesetz sei zwar ein „Meilenstein für die Arbeit der Zukunft“, so DGB-Chef Reiner Hoffmann. 24 Tagen jedoch seien „eindeutig zu wenig“. Das bedeute „gerade einmal einen Anspruch von einem Tag mobiler Arbeit alle zwei Wochen“. Dem Bedürfnis vieler Beschäftigter werde das kaum gerecht. „Ein solcher Minimalanspruch ist eine Konzession an die Arbeitgeber, die bei dem Thema immer noch blockieren“, kritisiert Hoffmann Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte sich bereits im Mai gegen einen Rechtsanspruch auf Homeoffice ausgesprochen.

Arbeitszeit digital erfassen

Geht es nach Heil, soll es Arbeitgebern hingegen nicht mehr möglich sein, mobiles Arbeiten prinzipiell abzulehnen. Bäcker könnten natürlich „nicht von zuhause aus Brötchen backen“. Beschäftigte, bei denen Heimarbeit möglich ist, sollen jedoch das Recht erhalten, „auf Augenhöhe“ mit dem Chef über mobiles Arbeiten zu verhandeln.

Darüber hinaus schreibe das Gesetz vor, dass die Arbeitszeit im Homeoffice digital dokumentiert werden müsse. „Arbeit von zu Hause darf nicht dazu führen, dass einen die Arbeit gar nicht mehr loslässt. Auch im Homeoffice muss irgendwann Feierabend sein.“ Auch die gesetzliche Unfallversicherung soll weiter greifen: Auch beim mobilen Arbeiten solle „zum Beispiel der Weg zur Kita oder Schule und von dorthin zurück ins Homeoffice versichert sein“, sagte Heil. dpa
© Südwest Presse 05.10.2020 07:45
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