Demonstration

Freiheit ohne Maske

„Querdenker“ aus ganz Deutschland gehen gegen die Corona-Politik auf die Straße. Eine Menschenkette rund um den See wird nicht geschlossen.
  • Ein Teilnehmer mit einem Schild, auf dem Angst als die schlimmste Pandemie aller Zeiten bezeichnet wird, steht auf dem Demo-Gelände „Klein Venedig“ in Konstanz. Dort trafen sich am Sonntag Demonstranten aus ganz Deutschland. Foto: Felix Kästle/dpa
  • Funktionierte nicht überall so gut wie in Konstanz: Die Menschenkette um den Bodensee. Foto: Sebastien Bozon/afp
Am Zugang zum Versammlungsgelände „Klein Venedig“ in Konstanz steht ein Mann, der den „Querdenken“-Demonstranten ein Transparent entgegenhält. Darauf steht „Masken sind Kindesmisshandlung“. Er selbst trägt eine rote Maske und verweigert sich einem Gespräch. Er sei aus München, mehr verrät er nicht. Stattdessen fordert er jeden auf, ihn zu fotografieren und das Foto zu verbreiten.

Der Mann ist einer von mehreren hundert Demonstranten, die am Sonntag der Einladung der Initiative „Querdenken“ Konstanz gefolgt sind. „Querdenker“ aus dem ganzen Bundesgebiet forderten bei der Veranstaltung von der Regierung, die Corona-Beschränkungen mit sofortiger Wirkung aufzuheben und den Menschen ihre Grundrechte zurückzugeben. Mehrfach wurde verlangt, Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) mögen zurücktreten. Die Juristen auf dem Gelände wurden aufgefordert, gegen die Corona-Politik und -Politiker vorzugehen.

Keine Reichsflaggen zu sehen

Reichsflaggen und andere Symbole mit Nazibezug, wie sie bei Demos in Berlin zu sehen waren, wurden am Samstag und Sonntag nicht geschwenkt. Die Stadt hatte derartige Fahnen verboten und strenge Hygieneauflagen erlassen. Die wurden nach Auskunft der Polizei weitgehend eingehalten. „Gravierende Störungen gab es nicht“, sagte ein Sprecher. Es habe weder Festnahmen noch Platzverweise gegeben. Lediglich am Sonntagnachmittag seien bei den „Querdenkern“ die Abstände „oft nicht eingehalten worden“.

Kurz vor 15 Uhr kam es nach Angaben der Polizei auf „Klein Venedig“ zu einem Zwischenfall. Mehrere Demonstranten seien mit Transparenten auf eine Polizeiabsperrung zugegangen. Als sie die Absperrung durchbrechen wollten, hätten die Polizisten Reizgas versprüht. Verletzte habe es keine gegeben.

Insgesamt berichtet die Polizei von einem weitgehend friedlichen Verlauf der 29 für beide Tage in Konstanz angemeldeten Veranstaltungen. 30 000 Menschen waren für die Demos angemeldet. Tatsächlich sind nach Auskunft der Polizei deutlich weniger gekommen.

Simone ist mit ihrem Mann und den zwei kleinen Kindern am Sonntag aus dem Remstal angereist. Gegen 10 Uhr machte sich die Familie in Konstanz auf den Weg zur Demo auf „Klein Venedig“. Simone hält die Corona-Beschränkungen für „völlig unverhältnismäßig“. Dass alte Menschen in Alten- und Pflegeheimen wegen des Corona-Besuchsverbots alleine sterben mussten und müssen, „das finde ich ganz schrecklich. Als Christin kann ich das nur schwer ertragen“, sagt sie. Deshalb unterstützt sie die Initiative. Sie kritisiert auch die Kirchen. „Warum unternehmen die nichts dagegen?“, fragt sie.

Gegen 11 Uhr waren nach Schätzungen der Polizei rund 300 Personen auf „Klein Venedig“. Gegen 13.30 Uhr sollen es rund 1000 Leute gewesen sein. Kaum jemand trägt Maske. Immer wieder erinnert Gerry Mayr, Organisator von „Querdenken“ Konstanz, die Besucher, die Abstände einzuhalten. Geschehe das nicht, drohe die Versammlung aufgelöst zu werden.

Mehrere Redner warnen vor der Impfung, für die das Serum noch entwickelt wird. Eine junge Mutter aus Passau, die auf Lehramt studiert, klagt auf der Bühne über die Maskenpflicht in den Schulen und den Unsinn des „Fernlernens“.

Am Samstag hatten die Konstanzer Querdenker zu einer Menschenkette aufgerufen. Rund um den See sollten sich die Menschen für Frieden und Freiheit an den Händen fassen. Dazu hatte Gerry Mayr mit 250 000 Teilnehmern gerechnet. Gekommen sind nach Zählung der Polizei rund 12 000 Leute. Mayr sprach am Sonntag von 60 000 Teilnehmern. Die Kette wies erhebliche Lücken auf, war nur in Konstanz geschlossen.
© Südwest Presse 05.10.2020 07:45
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