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Bordellbetrieb während der Corona-Pandemie ein großer Fehler

Zum Artikel „Prostituierte dürfen wieder arbeiten“, erschienen in der GT am 12.Oktober:

Zur Aufhebung des Betriebsverbots von Bordellen in Baden-Württemberg. Es gibt für das Virus einfach keine effizientere Verbreitungsform als häufig wechselnde enge Kontakte in geschlossenen Räumen bei körperlicher Aktivität und dazu noch in einem kaum, kontrollierbaren Umfeld.

Die Bundesregierung erklärt mit welchen Corona-Einschränkungen die Menschen zu leben haben. Maskenpflicht, auch in Schulen, Kontaktbeschränkungen im öffentlichen Raum und ggf. auch Sperrstunden und Alkoholbeschränkungen. Gastronomie, Kulturschaffende, Frisörbetriebe, um nur wenige zu nennen, arbeiten unter schärfsten Auflagen. Bordelle dürfen öffnen, vorausgesetzt es gibt ein schlüssiges Hygienekonzept und die Kontaktdaten der Freier werden hinterlassen.

Die Schweizer waren hier die Vorreiter. Zum Beispiel im Züricher Nachtclub Flamingo hinterließen 30 Prozent der Gäste falsche Adressen und weil man diverse Donald Trumps und Micky Mäuse nicht zurückverfolgen konnte, müssen nun die Freier den Personalausweis vorlegen.

Was passiert in Deutschland? Bereits im August hat das Ostalb-Bündnis gegen Menschenhandel und (Zwangs-)Prostitution zur Unbedenklichkeitserklärung des Robert-Koch-Instituts zu den Hygienekonzepten der Bordelle deutliche Fragen an das Institut gesandt unter anderem wie sexuelle Dienstleistungen, so formuliert es der Gesetzgeber, mit einem „schlüssigen“ Hygienekonzept im Abstand von 1,5 Metern, erbracht werden können? Eine Antwort kam bis heute nicht.

Auch habe es bislang keine erkennbaren Hotspots durch Sexarbeit gegeben, so das Robert-Koch-Institut weiter. Na ja, wie denn auch – die Freier, die sich im Bordell mit Corona infiziert haben, werden wohl kaum zu Hause freimütig vom letzten Puffbesuch berichten. Auch Herr Spahn bittet die Bevölkerung von Familienfeiern und anderen Festen zu Zeiten einer „Jahrhundert-Pandemie“ abzusehen – aber Sex mit Fremden und ausgesprochen schwierigen Nachverfolgungsmöglichkeiten scheint kein Problem zu sein – so ein bisschen Sex wird doch wohl noch erlaubt sein!

„Wenn Sie andere Menschen begrüßen oder verabschieden, verzichten Sie auf Händeschütteln oder Umarmungen.“ So lautet die Empfehlung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Vor der Gewährleistung von Berufsfreiheit steht immer noch der staatliche Schutz von Gesundheit und Leben seiner Bürgerinnen und Bürger. Das wird durch die Aufhebung des Betriebsverbots von Bordellen aufs Gröbste missachtet. Wer ist so naiv, der Maskenpflicht und Angabe korrekter persönlicher Daten zu glauben?

© Schwäbische Post 15.10.2020 18:09
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