Improvisation auf Schnee und Eis

Die Alpin-Asse starten an diesem Wochenende in eine Saison voller Fragezeichen. Dabei versucht jede Disziplin auf ihre Art, den Corona-Beschränkungen irgendwie Herr zu werden.
  • Markus Eisenbichler, Skispringer aus Deutschland, gibt nach der Qualifikation Autogramme. Foto: Angelika Warmuth/dpa
  • Denise Herrmann reist mit dem Biathlon-Zirkus normalerweise um die Welt. Doch in diesem Winter ist alles anders. Foto: Eibner
  • Stehen allesamt vor einer unsicheren Saison: Ski-Rennläufer Thomas Dreßen (links), Biathletin Denise Herrmann und Skispringer Markus Eisenbichler. Foto: Eibner
Nachdem die Wintersportarten in der vergangenen Saison noch weitgehend von Corona-Einschränkungen verschont blieben, ist die Situation 16 Monate vor den Olympischen Winterspielen in Peking deutlich schwieriger geworden. Es gibt vor dem Start in die Saison viele offene Fragen. Ein Überblick.

Biathlon Aus sechs mach drei: Die ersten sechs Weltcups werden nun auf Kontiolahti, Hochfilzen und Oberhof konzentriert. Östersund, Annecy-Le Grand Bornand und Ruhpolding strich die Internationale Biathlon-Union aus dem Kalender. „Die Sicherheit der Sportler hat für uns Priorität“, sagte IBU-Präsident Olle Dahlin. Die Minimierung der Reisetätigkeit gehöre dabei „zu den effektivsten Maßnahmen“, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Ob Fans bei den Events dabei sein dürfen, entscheiden die Behörden vor Ort. Oberhof (7. bis 10. und 13. bis 17. Januar) hofft derzeit auf 10 000 Zuschauer pro Wettkampftag, auch die WM in Pokljuka soll stattfinden.

Skispringen Für die deutschen Adler steht ein ungewisser Winter mit Heim-WM in Oberstdorf und Skiflug-WM in Planica auf dem Programm. Der Internationale Ski-Verband (Fis) legte kürzlich fest, dass Weltcups nur durchgeführt werden, wenn mindestens sieben der besten zehn Nationen anreisen können – ohne davor oder danach in Quarantäne zu müssen. Die Teams aus Japan, den USA und Kanada werden daher den gesamten Winter in Europa verbringen. Auch das Thema Zuschauer wird die Skispringer den ganzen Winter begleiten. Für den Auftakt der Vierschanzentournee in Oberstdorf hat der Ticketverkauf schon begonnen – allerdings in limitierter Anzahl.

Ski Alpin Der Auftakt in Sölden am 17. und 18. Oktober wird gleich zum Probelauf für die angedachten „Blasen“ im Weltcup, in denen sich die Alpinen im kommenden Winter bewegen sollen. Die Nordamerika-Rennen im November und Dezember wurden wegen Corona bereits abgesagt und nach Europa verlegt. Daneben gab es zunächst nur kleinere Anpassungen am Kalender. Die deutschen Rennen in Garmisch-Partenkirchen (Frauen: 30./31. Januar, Männer: 5./6. Februar) und die WM in Cortina im Februar sollen planmäßig stattfinden.

Nordische Kombination Der Weltcup-Kalender der Kombinierer um Vinzenz Geiger, Johannes Rydzek oder Eric Frenzel blieb trotz Pandemie bislang nahezu unberührt. Zwei Weltcups werden in Deutschland ausgetragen, im Februar in Klingenthal (6./7. Februar) und der Saisonabschluss im März in Schonach (20./21. März). Auch die Frauen werden erstmals Wettbewerbe im Weltcup bestreiten.

Langlauf Die Langläufer werden nach derzeitigem Stand einen vollen Weltcup-Kalender vorfinden. Kurz vor Weihnachten soll auch das City-Event in Dresden (19./20. Dezember) steigen, der Ticketverkauf startet am 20. Oktober.

Snowboard

Der Saisonauftakt in Peking (26. bis 28. November) ist bereits abgesagt, so wie auch die Weltcups auf der Seiseralm in Italien (13. bis 15. Januar) und in Blue Mountain/Kanada (6./7. Februar). Ansonsten ist der Kalender noch unverändert. Dies betrifft im Gegensatz zu den Alpinen auch die USA-Rennen (Copper Mountain 16. bis 19. Dezember und Mammoth Mountain 3. bis 6. Februar). Die deutschen Events am Feldberg (5. bis 7. Februar) und in Berchtesgaden (20./21. März) sollen planmäßig stattfinden.

Eiskunstlauf Die Grand-Prix-Serie soll im Oktober und November grundsätzlich stattfinden. Wegen der Reisebeschränkungen sind die sechs Wettbewerbe aber als kontinentale Events angelegt. Deutsche Teilnehmer sind beim Internationaux de France am 13./14. November in Grenoble vorgesehen. Die dortige Eishalle „Polesud“ wurde allerdings am Montag bis auf weiteres geschlossen. Das für Mitte Dezember in Peking als olympischer Testlauf geplante Grand-Prix-Finale wurde auf die zweite Saisonhälfte 2021 verschoben.

Eisschnelllauf/Shorttrack Viel Ungewissheit bei den Kufen-Sprintern: Die Weltcups im polnischen Tomaszow-Mazowiecki (13. bis 15. November), im norwegischen Stavanger (20. bis 22. November), in Salt Lake City/Utah (4. bis 6. Dezember) und im kanadischen Calgary (11. bis 13. Dezember) wurden allesamt abgesagt. Wie es weitergeht, ist unklar. Zunächst waren Ersatzveranstaltungen in den Niederlanden angedacht, jene werden aber wohl nicht vor 2021 kommen. Der Weltverband ISU prüft mögliche Konzepte. Ähnlich sieht es im Shorttrack aus.

Bob/Skeleton Die WM-Titel der Bob- und Skeleton-Athleten sollten eigentlich im amerikanischen Lake Placid vergeben werden, „zum Schutz der Gesundheit von Athleten und Zuschauern“ wurden diese Pläne aber verworfen. Und so steigt die WM in der ersten Februarhälfte wie schon in diesem Jahr im sächsischen Altenberg. Überhaupt wird es kein Übersee-Winter: Sieben der acht Weltcups finden in Europa statt. Nur für das Finale wird weit gereist, am 13. und 14. März soll auf der Olympiabahn von Peking 2022 gefahren werden. Über die Zulassung von Zuschauern bei den Events des Winters muss vor Ort entschieden werden. Ähnlich sieht es für die Rodler aus. sid
© Südwest Presse 17.10.2020 07:45
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.

Anmeldung zum E-Mail-Newsletter aus der Redaktion

Die wichtigsten und interessantesten Meldungen des aktuellen Tages aus der Redaktion direkt in Ihr E-Mail-Postfach – täglich und kostenlos jeden Abend.

Jetzt kostenlos anmelden

Aktuelle Meldungen direkt auf Ihr Handy