Nationalpark

„Ein kleines Naturwunder“

Ministerpräsident Winfried Kretschmann übergibt 50 Millionen Euro teures Gebäude am Ruhestein an die Verwaltung. Publikum wird erst nächstes Frühjahr zugelassen.
  • Das Besucherzentrum im Nationalpark Schwarzwald ist mit Schindeln verkleidet. Das Holz stammt zum Großteil aus dem Schwarzwald. Die Alaska-Zeder macht nur einen kleinen Teil aus. Foto: Uli Deck
Nach drei Jahren Bauzeit ist das 50 Millionen Euro teure Besucherzentrum des Nationalparks Schwarzwald soweit fertig, dass es stufenweise geöffnet werden kann. Ministerpräsident Winfried Kretschmann übergab gestern das „architektonisch einzigartige“ Gebäude an die Nationalpark-Verwaltung. Gäste und Medien waren wegen der Corona-Pandemie nicht zugelassen. Die Schlüsselübergabe wurde per Livestream übertragen, so dass jeder, der sich dafür interessierte, die Feier mitverfolgen konnte.

„Schon der erste Eindruck zeigt, dass das Gebäude ein architektonisches Highlight ist“, sagte Kretschmann in seiner Festrede. Das Gebäude selbst sei ein „kleines Naturwunder“. Schon bei der Grundsteinlegung im Mai 2017 hatte er seiner Begeisterung für den Nationalpark und das Besucherzentrum freien Lauf gelassen.

Er freute sich auch über die steigenden Besucherzahlen. Die Reisebeschränkungen durch Corona führten dazu, dass im ersten Halbjahr 2020 rund 100 000 Besucher mehr im Nationalpark anzutreffen waren als im gleichen Zeitraum im Vorjahr. „Was immer gefehlt hat, war eine zentrale Anlaufstelle für die Besucher“, sagte Kretschmann. Dieser Mangel sei nun behoben.

Die Chefs der beteiligten Ministerien für Umwelt, für Verkehr und für Finanzen äußerten sich allesamt ebenso begeistert, fast schon euphorisch über das Gebäude, das die Form von übereinander gestürzten Baumstämmen hat. Finanzministerin Edith Sitzmann (Grüne) konnte ihre Glückwünsche nur aus der Ferne loswerden. Sie blieb aus Corona-Gründen der Feier fern.

Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) sprach die teilweise hitzigen Diskussionen an, die die steigenden Kosten des Neubaus auslösten. Ursprünglich lagen die Gesamtprojektkosten bei 23 Millionen Euro. Die stiegen jedoch von Jahr zu Jahr aus unterschiedlichen Gründen. Am Freitag wurden die Kosten mit 50 Millionen Euro angegeben. Davon habe allein das Gebäude 35,5 Millionen Euro gekostet.

Auch den Streit um das für den Bau verwendete Holz thematisierte Untersteller. Immer wieder sei behauptet worden, das Besucherzentrum werde aus Alaska-Zeder und nicht aus heimischem Holz gebaut. „Das ist nicht so“, sagte Untersteller. Der Holzbau sei zu 84 Prozent aus heimischer Weißtanne, zu 6 Prozent aus Fichte und Buche und zu knapp 10 Prozent aus Alaska-Zeder errichtet worden. Die Zeder sei nur für die Außenschindeln an einem kleinen Teil des Gebäudes verwendet worden, und nur deshalb, weil die Alaska-Zeder besonders wetterbeständig sei. „Hätten wir stattdessen Fichte genommen, hätten wir die Schindeln nach einigen Jahren ersetzen müssen.“

Verkehrsminister Winfried Hermann lobte das Verkehrskonzept, das für die Nationalpark-Besucher ausgetüftelt worden sei. Der Nahverkehr sei so ausgebaut worden, dass die Besucher bequem mit Zug und Bus in den Nationalpark gelangen können.

Herzstück des Besucherzentrums ist eine Dauerausstellung, die 1000 Quadratmeter einnimmt. In ihr wird gezeigt, was eine Tanne braucht, um 500 Jahre alt zu werden und was dann aus ihr wird. Die Dauerausstellung wurde von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt mit rund einer Million Euro gefördert. Kuratoriumsvorsitzende Rita Schwarzelühr-Sutter sprach begeistert von der interaktiven Ausstellung.

Von Anfang an stand der Nationalpark, der im Januar 2014 gegründet worden ist, in der Kritik. Die ist noch immer nicht ganz abgeflaut. Das zeigte sich in den Kommentaren derer, die den Livestream verfolgten. Auch darin wurde geschrieben, dass der Nationalpark überflüssig sei. Aber es gab auch viele Glückwünsche von den umliegenden Naturparken und von Naturliebhabern.
© Südwest Presse 17.10.2020 07:45
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