Liberty Steel will die Stahlsparte

Das Angebot des englischen Konzerns stößt nicht auf Gegenliebe.
Das Interesse des Wettbewerbers Liberty Steel, die Stahlsparte von Thyssenkrupp zu kaufen, hat spontane Proteste von rund 3000 Stahlarbeitern in Düsseldorf ausgelöst. „Stahl ist Zukunft“, skandierten sie immer wieder. Doch genau das ist derzeit alles andere als gewiss. Denn die Stahlsparte von Thyssenkrupp verbrennt das Geld im Rekordtempo.

Der britische Stahlkonzern Liberty Steel hat die Branche am Freitag mit einem Übernahmeangebot für die Stahlsparte von Thyssenkrupp überrascht. Es gebe viel Potenzial, da sich die Unternehmen gut ergänzten, begründete er seine Offerte. Zum möglichen Kaufpreis machte er allerdings keine Angaben.

Thyssenkrupp betonte, das Angebot werde geprüft. Die Gespräche mit anderen potenziellen Partnern würden fortgesetzt. Das Stahlgeschäft solle „nachhaltig zukunftsfähig“ gemacht werden. „Es kommt für uns darauf an, dafür die beste Lösung zu finden.“

Liberty Steel beschäftigt nach eigenen Angaben 30 000 Menschen in zehn Staaten in Europa, Australien, den USA und China. Der Jahresumsatz lag zuletzt bei rund 13 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Thyssenkrupps Stahlsparte kam im Geschäftsjahr 2018/19 auf rund 9 Milliarden Euro Umsatz und hat 27 000 Mitarbeiter.

Bei der IG Metall stieß das Angebot der Briten auf wenig Gegenliebe. „Wir brauchen keinen neuen Eigentümer, sondern zusätzliches Kapital“, sagte das IG-Metall-Vorstandsmitglied Jürgen Kerner. „Und das hat Liberty auch nicht.“ Der nordrhein-westfälische Bezirksleiter Knut Giesler sagte, Liberty habe kein industrielles Konzept, sondern betreibe bislang nur Billigstandorte.

Thyssenkrupp leidet unter Überkapazitäten auf den Stahlmärkten und einem Nachfrageeinbruch. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres summierten sich die Verluste der Stahlsparte auf 841 Millionen Euro. dpa
© Südwest Presse 17.10.2020 07:45
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