Drei Männer im selben Unions-Parteiboot

Der CDU-interne Wahlkampf zieht sich hin. Einen klaren Favoriten gibt es nicht, auch nicht nach der Fragerunde des Parteinachwuchses. Der ist dennoch hochzufrieden.
  • Die drei CDU-Kandidaten: Armin Laschet (M.), Friedrich Merz (r.) und Norbert Röttgen. Foto: Michael Kaeppeler, dpa
Die Junge Union, die Nachwuchsorganisation von CDU und CSU, ist ziemlich stolz darauf, mit ihren rund hunderttausend Mitgliedern eine der größten derartigen Gruppen in Europa zu sein. Kein Wunder also, dass die Unionsjugend mitmischen will bei der Suche nach einem neuen Parteichef für die CDU. Sie hat sich dafür eine Art Samstagabendshow namens „Der Pitch“ ausgedacht. Das Format, bei dem die drei Bewerber Friedrich Merz, Armin Laschet und Norbert Röttgen auf großer Bühne direkt gegeneinander antraten, diente dem Wettstreit, aber auch dazu, sich selbst zu feiern. „Ein Riesen-Ereignis“, „ein tolles Event“, freute sich JU-Chef Tilman Kuban.

Zwei Wochen lang haben die JU-Mitglieder nun Gelegenheit, ihren Favoriten zu küren. Welche Durchschlagskraft das Votum haben wird, ist offen: Mehr als ein Signal dürfte es kaum sein; zum einen sind die Delegierten auf dem Parteitag im Dezember frei in ihrer Entscheidung, zum anderen stellt die JU nur rund hundert der 1001 dort Stimmberechtigten. Dennoch hat die knapp zweistündige Debatte ein bisschen Abwechslung in die seit acht Monaten laufende Chefsuche der CDU gebracht. Einen klaren Sieger bescherte das Format allerdings nicht, was wohl an Zweierlei lag: Zum einen gingen Fragesteller und Kandidaten äußerst pfleglich miteinander um, schließlich sitzen alle im selben Unions-Parteiboot, zum anderen fehlten Corona-bedingt die Studiogäste und damit Applaus, Gelächter oder Gemurmel. Punktgewinne waren so nur schwer zu machen.

Inhaltlich herrschte viel Einigkeit zwischen den drei Männern, die alle über 50 und gelernte Juristen sowie aus Nordrhein-Westfalen sind: In Schulen soll es mehr Online-Bildung geben, aber der Präsenzunterricht ist nicht ersetzbar; das Klima muss geschützt werden, das geht aber nur mit der Wirtschaft; ein Digitalisierungsministerium wäre gut, ist aber kein Allheilmittel.

Röttgen gibt den Antreiber

Die Rollenverteilung ist auch an diesem Abend klar: Laschet bringt schon in den ersten Sekunden sein Lieblingswort „Zusammenhalt“ unter. Sein Alleinstellungsmerkmal als Regierungschef unterstreicht er mit der Formulierung: „Ich sage, das mache ich schon.“ Röttgen dagegen, als einziger ohne Krawatte, federnd in den Knien und mit unablässigem Armeinsatz, gibt den Antreiber: Er malt die „dramatischen Veränderungen“ aus und fordert „Mut zur Erneuerung“. Merz schließlich tritt gemäßigter auf: „Dies ist kein Bruch“, betont er mit Blick auf die Amtszeit von Kanzlerin Angela Merkel (CDU), deren Groko-Performance er vor einem Jahr noch „grottenschlecht“ fand. Offen bleibt auch an diesem Abend allerdings, ob der Wahlparteitag wegen Corona überhaupt stattfinden kann.

Ellen Hasenkamp
© Südwest Presse 19.10.2020 07:45
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