Kommentar Dominik Guggemos über das Attentat auf einen französischen Lehrer

Hetzer haben blutige Hände

  • Dominik Guggemos Politikredakteur Foto: Marc Hörger
Nach aktuellem Wissensstand der französischen Behörden hat der Mörder des Lehrers in der Nähe von Paris alleine gehandelt. Doch genauso wenig, wie die deutschen Rechtsterroristen Stephan B. in Halle oder Tobias R. in Hanau Einzeltäter waren, gilt das für diesen islamistischen Attentäter. Die Saat dieser Verbrechen ist Hass: auf die Meinungsfreiheit, auf eine vielfältige, offene Gesellschaft im Sinne von Karl Popper.

Gestreut wird diese Saat hauptsächlich in der virtuellen Welt. Erste Ermittlungsergebnisse deuten an, dass der 18-jährige Attentäter durch ein Video auf YouTube auf den Lehrer aufmerksam wurde. In dem Clip nennt der Vater einer Schülerin den Namen des Lehrers und die Adresse der Schule. Er soll dazu aufgerufen haben, den 47-Jährigen „auszuschalten“. Der Vater, von der Polizei in Gewahrsam genommen, hat das Opfer nicht enthauptet. Aber durch seine Hetze hat auch er dessen Blut an den Händen. Denn solche Verbrechen finden nicht in einem Vakuum statt, sie sind vielmehr Ausdruck einer verrohten (Sub-)Kultur, die es nicht ertragen kann, dass andere Menschen nicht nur ihre Meinung nicht teilen, sondern sogar offen das Gegenteil behaupten. Dabei verhielt sich der Geschichtslehrer laut Medienberichten sensibel, bot muslimischen Schülern an, den Raum zu verlassen, bevor er die Karikaturen zeigte.

Es sei seine Aufgabe als Präsident, das Recht auf Blasphemie zu verteidigen, sagte Emmanuel Macron anlässlich des Charlie Hebdo-Prozesses. Es ist die Aufgabe von uns allen, den mutigen Journalisten und Lehrern, die ihr Leben riskieren, um die Meinungsfreiheit zu bewahren, nicht von der Seite zu weichen. Keinen Zentimeter.
© Südwest Presse 19.10.2020 07:45
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