Bei Verwaltungskosten vorn

Laut Regierung geben die privaten Versicherer mehr Geld für bürokratische Leistungen aus als die gesetzlichen Kassen.
Dass es beim Arzt grundsätzlich zwei Sorten von Patienten gibt, weiß jeder, der schon mal einen kurzfristigen Termin wollte. Wer privat versichert ist, wird häufig schneller und oft auch umfangreicher behandelt als der gesetzlich Versicherte – was übrigens nicht nur Vorteile hat, wie viele Studien zur Überversorgung von Patienten zeigen.

Weitgehend unbekannt ist hingegen, dass auch die Pflegeversicherung in einen privaten und einen gesetzlichen Bereich aufgeteilt ist. Die Unterschiede fallen allerdings deutlich geringer aus als bei der Krankenversicherung, denn der Leistungskatalog für die Pflegebedürftigen ist grundsätzlich der gleiche.

Differenzen gibt es vor allem beim Beitrag. Und hier sind die Privaten laut einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken nicht so effizient wie die gesetzliche Konkurrenz. Denn der Anteil der Verwaltungskosten liegt bei den Privaten deutlich höher als bei der Sozialen Pflegeversicherung (SPV), die von den gesetzlichen Krankenkassen organisiert wird. Während die Ausgaben für die Verwaltung dort zwischen 2011 und 2018 gesunken sind (von 4,6 auf 4,2 Prozent), stiegen sie bei der privaten Pflegeversicherung sogar leicht an (von 5,8 auf 6,1 Prozent).

In der Regel günstigere Beiträge

Insgesamt sind aber die Beiträge für die private Pflegeversicherung in der Regel etwas günstiger. Der Unterschied machte in den vergangenen Jahren aber nur wenige Euro aus. Und das, obwohl die Privaten zusätzlich „Abschlusskosten“ einkalkulieren müssen, Provisionen etwa. Diese Aufwendungen entstehen bei der gesetzlichen Versicherung gar nicht. Der Anteil der Abschlusskosten lag 2011 bei drei Prozent und sank 2018 auf 2,5 Prozent.

Die Anzahl der privat Pflegeversicherten geht seit Jahren kontinuierlich zurück ist. Nach Angaben der Bundesregierung ist sie von 9,5 Millionen (2011) auf 9,2 Millionen (2018) gesunken. Laut Angaben des PKV-Verbandes ist der Anteil der Versicherten, die in die hohen Pflegegrade eingestuft sind, sogar höher als in der gesetzlichen Versicherung. Das hebt auch die Ausgaben pro Fall.

Die pflegepolitische Sprecherin der Linken im Bundestag, Pia Zimmermann, hält die Entwicklungen für einen Grund, den privaten Zweig der Pflege aufzulösen. „Die private Pflegeversicherung ist ein Auslaufmodell“, sagte sie. Obwohl sich durch sie Menschen mit hohen Einkünften der gesetzlichen Pflegeversicherung entziehen könnten, sei diese sogar bei den Verwaltungskosten effizienter. Lege man beide Versicherungsarten zusammen, könnten so 150 Millionen Euro gespart werden. Auch die SPD und die Grünen haben mehrfach eine Zusammenlegung etwa in Form einer Bürgerversicherung gefordert. Durch die vor der Corona-Krise gute Beitragslage ist der Streit jedoch lange in den Hintergrund getreten. Guido Bohsem
© Südwest Presse 19.10.2020 07:45
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