Fußball steht vor einem harten Herbst

Hans-Joachim Watzke warnt vor einem erneuten Lockdown. Doch inzwischen sind auch viele Spieler infiziert.
  • Übt Kritik an der Bundesregierung: Hans-Joachim Watzke. Foto: David Inderlied/dpa
Die Fallzahlen steigen deutlich an, die Zuschauer werden wieder aus den Stadien verbannt, und auch bei den Profis häufen sich die Infektionen: Die Bundesliga steht vor einem knüppelharten Corona-Herbst mit vielen Fragezeichen. BVB-Boss Hans-Joachim Watzke thematisierte am Wochenende des vierten Spieltags gar das Worst-Case-Szenario für den Profifußball. „Es muss weitergehen. Wir brauchen zumindest diese Geisterspiele. Wenn wir die auch nicht mehr haben sollten, dann wird es ganz eng“, sagte Watzke im ZDF-Sportstudio.

Eine abrupte Unterbrechung steht derzeit trotz einer Rekordzahl an Neu-Infektionen zwar nicht zu befürchten. Vereine und Verantwortliche werden sich aber dennoch auf Unannehmlichkeiten einstellen müssen, die sie beim Saisonstart im September noch mit viel Optimismus beiseite geschoben hatten.

Ein Auszug aus diesem Wochenende: Mehrere Profis, darunter Torjäger Andrej Kramaric von der TSG Hoffenheim, fehlten, weil sie sich in der Länderspielpause infiziert hatten. Die mit der Politik in harten Verhandlungen erkämpfte Zahl von 20 Prozent Zuschauern waren nur noch in einem von neun Bundesliga-Stadien möglich, und in der 2. Liga wurde schon zum zweiten Mal in dieser Spielzeit eine Partie verlegt. Alarmierend wirkten die Worte von BVB-Coach Lucien Favre. „Wir müssen weiter probieren zu spielen, so lange wie möglich“, sagte der Schweizer. Er geht von weiteren Fällen aus und fügte an: „Es ist nicht gut zu reisen.“

Neben infizierten Spielern bleibt vor allem die Zuschauerfrage ein Reizthema. In den Tenor mancher Funktionärskollegen, dass man wegen der gründlichen Hygienekonzepte auch bei Grenzwert-Überschreitungen mit Publikum spielen könne, wollte Watzke nicht einstimmen. Einen Seitenhieb auf die Politik konnte er sich trotzdem nicht verkneifen. Der BVB-Boss kritisierte das seiner Ansicht nach „populistische Fußball-Bashing“, das zuletzt „teilweise aus der Bundesregierung“ gekommen sei. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte in der Vorwoche gesagt: „Man kann überlegen, ob man bei Fußballspielen weniger Leute oder gar keine hereinlässt.“ Watzke mahnte: „Wir müssen nicht die Frage nach Wichtigkeit stellen, sondern die nach Gefährdungspotenzial.“ dpa
© Südwest Presse 19.10.2020 07:45
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