Der VfB macht wieder Freude

Der Aufsteiger spielt in der Bundesliga überraschend erfolgreichen und guten Fußball. Was in der positiven Entwicklung einzelner Spieler begründet liegt.
  • Artistisch behauptet StuttgartsTanguy Coulibaly (links) den Ball gegen Herthas Peter Pekarik. Foto: Eibner Foto: Eibner
Die Bedenken sind nach den ersten vier Spieltagen verflogen. Der Aufsteiger kann in der Bundesliga nicht nur mithalten, er kann gegen besser besetzte Teams sogar souverän gewinnen. Wie am Samstag beim 2:0 in Berlin. Die Gründe für den Senkrechtstart in die neue Saison.



1. Erfolgreich – und attraktiv

Zum ersten Mal seit der Meistersaison 2006/07 haben die Weiß-Roten ihre ersten beiden Auswärtsspiele der Saison gewonnen, unterm Strich steht der beste Saisonstart in der Fußball-Bundesliga seit zwölf Jahren. Sieben Punkte nach den ersten vier Spielen hatten wohl nicht einmal die Optimisten gesehen. Nach dem Auswärtssieg im Olympiastadion darf der Saisonstart als vollauf gelungen bezeichnet werden. Dabei bietet das Team von Trainer Pellegrino Matarazzo auch guten, bisweilen sehr ansehnlichen Fußball. Nun wurde die Hertha am Samstag zwar keineswegs überrollt, nach der frühen Führung war aber stets das Bemühen erkennbar, weiter mutig und offensiv zu agieren, auch wenn nicht alles gelang.



2. Spieler werden besser statt schlechter

Aktuell starten zahlreiche Talente durch, was so nicht zu erwarten war. In Berlin war es Tanguy Coulibaly, der auf der linken Seite Dampf machte, den Mut für Eins-gegen-eins-Duelle aufbrachte und sogar passabel verteidigte. „Er hat das ordentlich gemacht“, war Matarazzo bemüht, den Jungen nicht in den Himmel zu loben. Auf der rechten Seite hat sich der vergangene Saison noch arg verspielte Silas Wamangituka fast schon unersetzlich gemacht. Mit seiner Wucht und Schnelligkeit weiß er selbst mit unsauberen Zuspielen meist etwas anzufangen. Auch für Orel Mangala, Nicolas Gonzalez und Wataru Endo gilt: Sie sind beim VfB zu besseren Spielern geworden.



3. Der zweite Anzug sitzt

Erst verletzte sich Abwehrchef Waldemar Anton am Sprunggelenk, wenig später musste der VfB auch noch die langwierige Meniskusverletzung von Konstantinos Mavropanos verkraften. Zwei gestandene Abwehrkräfte auf einmal, das schien mehr als nur eine Hypothek für das Spiel bei der Hertha zu sein. Doch siehe da: Mit der vierten Abwehrformation im vierten Spiel blieb der Aufsteiger erstmals ohne Gegentor. „Wir haben gut als Block verteidigt“, lobte Matarazzo den Zusammenhalt seiner Mannschaft. Atakan Karazor als zentraler Mann in der Dreierkette reihte sich insgesamt nahtlos in die gut abgemischte Truppe ein. Er machte die prominenten Ausfälle genauso vergessen wie die Offensivabteilung das Fehlen von Nicolas Gonzalez kehrte nach seinem Muskelbündelriss in der zweiten Halbzeit zurück. Der üppige Kader macht sich bislang bezahlt. Der VfB ist für die Gegner nur schwer auszurechnen.



4. VfB lernt aus seinen Fehlern

Frühe Rückstände, einfache Fehler, Standardgegentore: Am ersten Spieltag bei der Niederlage gegen den SC Freiburg machte die Mannschaft so weiter wie häufig in der zweiten Liga. Mit teils haarsträubenden Aussetzern, die aber schnell weniger wurden – konzentriert und abgeklärt spult die junge Truppe seit dem zweiten Spieltag ihr Pensum ab. In Berlin ging sie erstmals in Führung und machte das zweite Tor zum richtigen Zeitpunkt. „Wir sind auch aus einer defensiveren Formation mit weniger Ballbesitz in der Lage zu punkten“, sagte VfB-Sportdirektor Sven Mislintat.



5. Die Schwäche der anderen

Mainz 05 war gegen den VfB von der Rolle, Bayer Leverkusen noch nicht eingespielt, Herthas Bruno Labbadia haderte mit den vielen Verletzungen samt Corona-Fall in seiner Mannschaft. Bei vielen Teams läuft es noch nicht rund. Davon profitiert der Aufsteiger, der sein Team gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert ließ.
© Südwest Presse 19.10.2020 07:45
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