Weltmeister Wellbrock: Lieber Vorsicht als Nachsicht

Verband sagt Austragung der deutschen Meisterschaften in Berlin wegen Corona ab.
Florian Wellbrock ist sehr nachdenklich geworden. „Eine Ansteckung könnte mehr kosten als meinen Olympiatraum“, sagte der Doppel-Weltmeister nach der Corona-bedingten Absage der für Ende des Monats geplanten Schwimm-DM in Berlin: „Angesichts der aktuellen Unsicherheiten ist mir Vorsicht definitiv lieber als Nachsicht.“

Der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) hatte die Meisterschaften als Bahn zum Comeback des Sports verkauft, als „Zeichen des Aufbruchs und Rückkehr zur Normalität“ in schwierigen Zeiten. Am Samstag wurde das Event ersatzlos gestrichen – die Coronazahlen steigen rasant, die Meldezahlen sanken Richtung Beckengrund.

Die Absage wirft nochmals ein grelles Scheinwerferlicht auf die Profi-Serie ISL, die für ein fünfwöchiges Event Schwimmstars aus der ganzen Welt in den Corona-Hotspot Budapest einfliegen ließ. Der DSV hatte seine Athleten wegen „nicht kalkulierbarer Risiken“ ausdrücklich vor einer Teilnahme gewarnt.

Wellbrock wollte bei der DM starten, in Budapest aber nicht. Die Angst vor einer Ansteckung mit Covid-19 und möglichen Spätfolgen selbst bei jungen Topsportlern ist groß. „Niemand weiß bislang genau, welchen Einfluss das auf die künftige Leistungsfähigkeit hat“, mahnte der 23-Jährige.

Ex-Weltmeister Marco Koch (30) sieht das anders: Er ist in Budapest. „Das ist der Grund, dass wir zu Hause zwei Tests machen mussten und hier für weitere Tests gleich weggesperrt wurden“, sagte er am Sonntag. „Ich habe noch von keinem Vorfall hier innerhalb der Blase gehört.“

Viele Absagen im Vorfeld

Allerdings hatten beispielsweise der italienische Freistil-Superstar Federica Pellegrini, Peking-Olympiasiegerin Femke Heemskerk (Niederlande) und Ungarns junger Schmetterling-Weltrekordler Kristof Milak ihre Teilnahme nach positiven Coronatests absagen müssen. Pellegrini berichtete von starken Schmerzen, Milak von Fieber, Schwäche und Gewichtsverlust.

In Berlin siegte die Vernunft. „Der Schutz der Gesundheit stand stets im absoluten Mittelpunkt unserer Überlegungen“, sagte DSV-Leistungssportdirektor Thomas Kurschilgen zur Absage der Schwimm-DM.

Auf das ISL-Event in der Duna-Arena von Budapest wird das wohl keinen Einfluss haben, acht deutsche Schwimmer gehen dort ins Wasser. Zu verlockend sind das üppige Startgeld und die Aussicht auf hochklassige Wettkämpfe: „Ich bleibe bei meiner Meinung“, sagte Marco Koch. sid
© Südwest Presse 19.10.2020 07:45
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