Corona

Weniger Kontakte, häufiger Maskenpflicht

Private Treffen mit mehr als zehn Personen sind fortan verboten – außer, sie kommen aus maximal zwei Haushalten. Veranstaltungen sind auf 100 Teilnehmer begrenzt.
  • In Stuttgart sind strengere Beschränkungen bereits in Kraft: Dort müssen die Menschen in Ballungsgebieten auch im Freien Masken tragen. Die Regelung wird jetzt aufs Land ausgeweitet. Foto: Sebastian Gollnow
  • Bei der Kontrolle waren auch Einsatzwagen in der City positioniert. Foto: Foto: dpa
Verschärfte Maskenpflicht, strengere Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen ab diesem Montag: Baden-Württemberg hat die höchste Corona-Alarmstufe ausgerufen, weil die Zahl der Neuinfektionen unaufhörlich steigt. Die wichtigsten Fakten im Überblick:

Kontaktbeschränkungen Private Treffen mit mehr als zehn Personen sind ab diesem Montag verboten, außer, sie stammen aus maximal zwei Haushalten. Bei Veranstaltungen wird die Zahl der Teilnehmer auf 100 begrenzt.

Maskenpflicht Künftig soll in allen öffentlichen Einrichtungen und Bereichen, also zum Beispiel auch in Fußgängerzonen, eine Maske getragen werden, sofern die Gefahr besteht, dass der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann. Die Maskenpflicht gilt zudem ab Klasse 5 in den weiterführenden Schulen sowie in den beruflichen Schulen nun auch im Unterricht. Das hatte das Kultusministerium bereits am Freitag angekündigt. An Hochschulen soll demnach eine weitreichende Maskenpflicht auch auf den Sitzplätzen gelten.

Kliniken Die Krankenhäuser im Land sollen ihre Kapazitäten für Corona-Patienten stufenweise anpassen und nicht zwingend notwendige Behandlungen schrittweise reduzieren. Die Fieber-Ambulanzen und Corona-Teststellen in den besonders betroffenen Regionen werden wieder hochgefahren. Auch telemedizinische Behandlungsmöglichkeiten werden ausgeweitet. Dem Staatsministerium zufolge sind der Anteil der schweren Verläufe und die Auslastung der Krankenhäuser derzeit zwar vergleichsweise gering. Dennoch seien viele Lebensbereiche durch die zunehmende Verbreitung des Virus betroffen, was wiederum das Risiko für gefährdete Gruppen erhöhe. Außerdem falle es den örtlichen Gesundheitsbehörden zunehmend schwer, alle Kontaktpersonen von Neuinfizierten zu ermitteln.

Städte und Landkreise Wo die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche über 50 liegt, können Städte und Landkreise lokal auch noch schärfere Maßnahmen ergreifen und zum Beispiel nächtliche Ausgangssperren verhängen. In der Landeshauptstadt Stuttgart etwa gelten bereits schärfere Regeln. Dort war die Polizei in der Nacht zum Sonntag mit zahlreichen Einsatzkräften unterwegs, um die Maskenpflicht und das nächtliche Alkoholverbot im Freien zu überwachen. Nach Angaben eines Sprechers blieb es im Wesentlichen bei Ermahnungen. Bußgelder seien nicht verhängt worden (siehe auch Infobox).

Alarm-System Das dreistufige Alarm-System hatte die Landesregierung im September eingeführt. Entscheidend für die Einstufung ist die Sieben-Tage-Inzidenz. Aber auch andere Faktoren spielen bei der Bewertung eine Rolle, etwa die absoluten Infektionszahlen, die Zahl der Tests oder der Reproduktionswert (R-Wert), der angibt, wie viele Menschen ein Infizierter im Schnitt mit dem Virus ansteckt. Erst vor gut eineinhalb Wochen war die „Anstiegsphase“ ausgerufen worden, nun folgte die dritte, die „kritische Phase“. Das ursprüngliche Konzept der Landesregierung sah für diese Phase auch noch weitere Maßnahmen vor, etwa eine Einschränkung der Anzahl der Personen pro Verkaufsstelle im Einzelhandel und eine Einschränkung des Ausschanks von Alkohol in der Gastronomie. Davon ist nun aber vorerst keine Rede mehr.

Zeithorizont Sollten die Einschränkungen nicht innerhalb von sieben bis zehn Tage Wirkung zeigen, sollen die Maßnahmen weiter verschärft und etwa Treffen im öffentlichen Raum drastisch eingeschränkt werden, kündigte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) an. „Das muss jedem klar sein: Wenn das nicht geht, dann werden wir zum Schluss sehr viel härtere Maßnahmen ergreifen müssen, die dann auch tiefer ins Arbeitsleben eingreifen.“ dpa
© Südwest Presse 19.10.2020 07:45
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