Firmenwagen unter Strom

Die E-Mobilität hält Einzug in deutsche Fahrzeugflotten. Anbieter zeigen sich skeptisch, dabei lohnt sich der Umstieg nicht nur ökologisch.
Ob für Transport, Vertrieb oder schlicht die Mobilität der Mitarbeiter: Unternehmen sind häufig auf einen Fuhrpark angewiesen. Dessen Management kann schnell komplex und unübersichtlich werden. Das ist einer der Gründe, warum viele Unternehmen bei diesem Thema noch Sparpotenzial haben.

Daneben müssen sich die Verantwortlichen auch sehr grundsätzliche Gedanken machen. Denn der Trend zu umweltfreundlicheren Antrieben und zum Elektro-Auto wird die Zusammensetzung der Firmenflotten verändern, sagt Axel Schäfer, Geschäftsführer des Bundesverbands Fuhrparkmanagement. „Nur ein nachhaltiges Mobilitätsmanagement wird auf Dauer effizient und kostengünstig sein“, betont er. „Gerade betrieblichen Fuhrparks kommt bei der Verbreitung neuer Antriebsarten eine Schlüsselfunktion zu.“ Und damit auch den Leasinggesellschaften.

Nach einer Analyse des Branchendienstleisters Dataforce stellt Leasing bundesweit die beliebteste Form des Fuhrparkmanagements dar. Finanzdienstleister sind dabei mit der Verwaltung und Instandhaltung der Flotte beauftragt und bieten Rundum-sorglos-Pakete.

Auch externe und herstellerunabhängige Anbieter kommen vermehrt ins Geschäft. Diese werben mit individuell, ausgelagertem Service, die Fahrzeuge bleiben im Firmenbesitz. Der Vorteil: Externe Dienstleister haben die Möglichkeit, individuelle Ausschreibungen für unterschiedliche Bereiche zu tätigen. Weber schätzt, dass sich über eine solche „Entbündelung“ die Kosten um bis zu 30 Prozent verringern lassen.

Beratung zur Umrüstung

„Die Mobilitätsbranche befindet sich nicht vor, sondern innerhalb eines fundamentalen, ja radikalen Umbruchs“, betont Daniel Stetter vom Fraunhofer Institut. Stetter forscht derzeit zu Elektromobilität im Flottenmanagement und bietet Unternehmen wie Kommunen eine Beratung an, wie der eigene Fuhrpark entsprechend umgerüstet werden kann – „sozusagen die Orchestrierung der einzelnen Prozesse“, erläutert der promovierte Physiker.

Derzeit fahren nur rund 4 Prozent aller eingesetzten Flottenfahrzeuge mit alternativen Antrieben. Doch das Interesse und der Bedarf bei Firmen und Kommunen steigt, nicht zuletzt aus Kosten- und Imagegründen. „Die Vorteile, die durch die Nutzung von Elektromobilen entstehen, sind erheblich“, sagt Stetter. „Sie leisten einen Beitrag zur CO2-Reduzierung, senken die Kosten und transportieren ein umweltbewusstes Image.“

Eine Umrüstung der Flotte auf alternative Antriebsmöglichkeiten ist nach seiner Einschätzung auch mit Blick auf die drohenden beziehungsweise bereits umgesetzten Fahrverbote in deutschen Großstädten geboten. Der Bund bezahlt für alle neu zugelassenen reinen Elektro- oder Brennstoffzellenfahrzeuge und Autos mit Plug-in-Hybridantrieb einen Umweltbonus. Bei einem Batteriefahrzeug mit einem Netto-Listenpreis von bis zu 40 000 Euro beträgt dieser 9000 Euro, bei teureren Fahrzeugen sind es 7500 Euro. Auch die Ladeinfrastruktur wird bezuschusst. Unternehmen profitieren zudem von einer zehnjährigen Kfz-Steuer-Befreiung für E-Fahrzeuge bis Ende des Jahres. Das Laden beim Arbeitgeber ist von der Einkommensteuer befreit. Der Bund hat zudem das Antragsverfahren für Großkunden vereinfacht.

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) – zuständig für das Zentrale Fahrzeugregister – und das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) – hier wird die Prämie beantragt – tauschen die Fahrzeugdaten automatisch über eine digitale Schnittstelle aus. Obendrein können Betriebe Sammelanträge für bis zu 500 E-Autos stellen. Die Antragsteller müssen nur ihre Fahrzeugidentifikationsnummer (FIN) eingeben und dem Datenaustausch zustimmen.

Sammelantrag möglich

Schäfer geht noch weiter und prophezeit der Branche einen generellen Wandel. „Viele Unternehmen machen sich Gedanken, wie wirtschaftliches mit nachhaltigem Handeln verbunden werden kann. Neben der Ressourcenknappheit von Erdöl bringen auch veränderte politische Rahmenbedingungen zusätzliche Herausforderungen mit sich. Sich einzig und allein auf das Einsparen von CO2 zu konzentrieren, reicht allerdings nicht aus.“

Statt ihren Mitarbeitern weiterhin einfach Firmenwagen vorzusetzen, böten zunehmend mehr Firmen eine Art Mobilitätsbudget an. Dieses kann frei genutzt werden, etwa für ein Dienstfahrrad oder eine Bahncard. Auch Daniel Stetter und sein Team tüfteln bereits an Konzepten, die über das simple Ersetzen von Verbrenner-Motoren hinausgehen.

Seit dem Jahr 2017 arbeiten sie am Projekt „Eco Fleet Services“. Dabei handelt es sich um eine unternehmensspezifische Plattform, über die Nutzer ihr Reiseziel eingeben können und über ein Buchungsverfahren nachhaltige Reisemittel vorgeschlagen bekommen – vom Pedelec über ein Wasserstoffauto bis zur Bahnverbindung. In Kooperation mit der Stadt Heidelberg läuft dort seit Anfang des Jahres die erste Testphase.
© Südwest Presse 19.10.2020 07:45
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