Kommentar Gerold Knehr über Gerüchte um eine neue Superliga

Gier vor Vernunft

  • Foto: Volkmar Könneke
Geht's noch? Weltweit bangen die Menschen um ihre Gesundheit und die ihrer Angehörigen. Amateursportler befürchten, ihrem Hobby bald nicht mehr nachgehen zu können. Im Übergangsbereich zwischen dem Amateur- und dem Profibereich ächzen die Sporttreibenden über die gehäuften Termine, die ihnen nach dem Abbruch in der vergangenen Saison und ausgesetzter Abstiegsregelungen zugemutet werden.

Und was machen die Großkopfeten des Fußballs auf dem Kontinent in dieser schwierigen Lage? Sie wärmen angeblich die Idee einer neuen europäischen Superliga auf, in der bis zu 18 Top-Vereinsteams vornehmlich aus England, Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien gegeneinander antreten. Mit fünf Milliarden Euro sollen Berichten zufolge Investoren bereit stehen.

Real Madrid gegen Bayern München, FC Chelsea gegen Juventus Turin oder Paris St. Germain gegen FC Barcelona im Wochentakt? Was auf den ersten Blick verlockend klingen mag, wird bei genauerem Hinsehen zur Horrorvorstellung. Tatsächlich wird so der nationale Wettbewerb zerstört, weil einige wenige Elite-Klubs den Hals nicht voll genug bekommen können.

Diese Gedankenspiele sind letztlich der Ausdruck des Machtkampfes zwischen Uefa und Fifa, die hinter den Plänen stehen soll. Noch ist die Superliga nicht so weit. Doch eines Tages, so ist zu befürchten, wird die Gier nach mehr Geld endgültig die Oberhand gewinnen vor der Vernunft.
© Südwest Presse 22.10.2020 07:45
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