Lesermeinung

Zur Aalener Theateraufführung von „Heimatkleid“:

Heimatkleid – der Titel des Theaterstücks assoziiert Heimatboden, Schwulst, Heide und Sissy (...)

Alles weit gefehlt. Phänomenal, wie sich da eine junge Frau feurig und kraftgeladen durch die prekäre Jetztzeit hindurchlebt. Nichts wird ausgelassen: vom Fremdenhass und Selbstausbeutung, dem Mediendschungel mit all seinen Tücken und Fangstricken, aber auch vom Dschungel in der eigenen Seele der Protagonistin und ihres Umfelds.

Wem und was ist da noch zu trauen? Und doch – so viel Mut, Zivilcourage und man wagt es in heutiger Zeit fast nicht auszusprechen – selbstverständliche Menschlichkeit. Das Stück überzeugt. Man geht gestärkt und fühlbar aufrechter in die Alltagswelt zurück. Kunst und Kultur als Überlebensmittel. Eine Kostbarkeit in unserer kulturverhungerten Zeit.

© Schwäbische Post 27.10.2020 19:50
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Karin Hofmann

Hallo Frau Schuster,

"Heimatkleid", ein neues Stück, passend zur Entspannung in der Conora-Krise und vor der Adventszeit: 

"DAS HEIMATKLEID
von Kirsten Fuchs

Schläge und Tritte dröhnen von außen gegen die Wohnungstür, Claire stemmt sich dagegen.Sie sollte eigentlich nur während der Abwesenheit Ihrer Schwester Luise deren Hund Flocke und deren Wohnung hüten, außerdem Luises Modeblog "Fashionopfer" betreuen. Nun sieht sie sich nach einem Interview mit dem Modelabel "Heimatkleid" mit Nazi-Vorwürfen konfrontiert. Dann wird auch noch Flocke vergiftet, der neue Nachbar, ein syrischer Flüchtling, der Tat verdächtigt und in dem Mietshaus kocht die Stimmung hoch ..."Das Heimatkleid" beleuchtet rechtspopulistische Diskurse um Globalisierungskritik, Identität und Überfremdungsängste und sucht im Bild der Hausgemeinschaft nach Erfahrungen und Grundsätzen des zivilen Miteinanders".

Es geht um Fremdenhass, Rechtspopulismus, wem ist noch zu trauen? Alle Klischees der Migrationswelle, der Globalisierung werden bedient. Das Ende? Ich vermute: Claire ist kein Nazi, der syrische Flüchtling kein Hundemörder und alle leben glücklich und zufrieden am Ende in der Hausgemeinschaft miteinander, kochen syrische Speisen und umarmen sich. Pro Migration. So einfach ist es. Gestärkt und aufrecht kann man dann in die Alltagswelt zurückgehen? 

Dieser harte Tobak, eine "Kostbarkeit" in unserer kulturverhungerten Welt? Schade.

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