Das große Sorgenkind Bildungspolitik

Die Bekämpfung der Corona-Pandemie hat Schulen und Kitas empfindlich getroffen. Wie sehen Bürger die Lage – und was befürchten sie?
  • Grundschüler mit Tablet im Unterricht. Viele Schulen stehen bei der Digitalisierung des Lernens erst am Anfang. Foto: Armin Weigel/dpa
  • Vielen Menschen im Land nicht bekannt: CDU-Spitzenkandidatin Susanne Eisenmann. Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Von Anfang an waren Schulen und Kitas durch die Corona-Pandemie besonders betroffen – und der Umgang mit ihnen heikel und umstritten. Die zeitweise Schließung der Einrichtungen im Frühjahr war von Protesten begleitet und führte zu Betreuungschaos in Familien. Auch alle weiteren Schritte – Fernunterricht, Teilöffnung, Schichtsysteme, Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen – führten zu erheblichen Debatten und lösten auch Widerstand aus.

Nun liegen für Baden-Württemberg Daten vor, die eine erste Bilanz ermöglichen. Wie sehen Bürger die Lage? Wo bestehen die größten Probleme? Dazu haben baden-württembergische Zeitungsverlage beim Meinungsforschungs-Institut Allensbach eine Umfrage in Auftrag gegeben. 1000 Einwohner des Landes, ein repräsentativer Querschnitt der Bevölkerung, wurden befragt.

Die Ergebnisse sind vor allem ein Denkzettel für Kultusministerin Susanne Eisenmann. Die Spitzenkandidatin der CDU für die Landtagswahl 2021 ist nicht nur rund einem Drittel der Befragten unbekannt und fast ebenso viele trauen sich kein Urteil zu. Auch äußern sich diejenigen, die ihre Arbeit bewerten, überwiegend kritisch: Auf jeden, der eine gute Meinung davon hat, kommen drei, die das Gegenteil sagen.

Das größte Problem sehen die Befragten im Lehrermangel, der schon seit Jahren groß ist und sich durch Corona noch verschlechtert hat. Knapp die Hälfte (47 Prozent) gibt an, es fielen „nach wie vor viele Unterrichtsstunden aus“, 41 Prozent stimmen der Aussage zu: „Der Lehrermangel an den Schulen hat sich gravierend verschärft.“ 28 Prozent vermuten, viele Lehrer hätten sich aus Sorge um die Gesundheit vom Unterricht befreien lassen.

Beim Fernunterricht ist das Urteil gespalten: 42 Prozent finden, er habe gut funktioniert, 44 Prozent würden das nicht so sehen. Ein klares Problem erkennen Eltern in der digitalen Ausstattung der Schulen, für die das Land und die Kommunen als Träger verantwortlich sind. Zusammen mehr als die Hälfte beurteilen die Ausrüstung in der Einrichtung ihrer Kinder als sehr schlecht (21 Prozent) oder eher schlecht (37 Prozent). Immerhin 25 Prozent beurteilen die Digital-Ausstattung aber als eher gut, fünf Prozent sogar als sehr gut.

Trotz hoher Millionenbeträge, die Bund und Land zuletzt für Laptops und andere Ausstattung freigaben, haben 65 Prozent der Eltern den Eindruck, dass sich die Ausstattung der Schulen in den letzten Monaten nicht verbessert hat. Ohnehin hilft die beste Ausstattung nur begrenzt: 69 Prozent der Befragten glauben nicht, dass Lehrer für digitalen Unterricht ausreichend ausgebildet und geschult sind.

Die Landesregierung betont seit Monaten immer wieder, oberstes Ziel sei, Bildungseinrichtungen geöffnet zu halten. Trotzdem äußern zwei Drittel der befragten Eltern die Befürchtung, dass ihre Kinder wegen Corona kurzfristig nicht mehr in die Schule oder Kita gehen können: 42 Prozent machen sich deshalb „große Sorgen“, 24 Prozent „sehr große Sorgen“. Nur elf Prozent machte sich diesbezüglich „kaum bzw. gar keine Sorgen“.

Info Die Umfrage zur Bildungspolitik ist auch Gegenstand der neuesten Folge unseres Politik-Podcasts „Die Leitung steht“ mit Chefredakteur Ulrich Becker. Abzurufen unter swp.de/podcast
© Südwest Presse 29.10.2020 07:45
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