Mit Hanf in den Supermarkt

Ein Stuttgarter Start-up erobert die Regale bei Rewe. Mit ihren Produkten soll ein neues Image für die Pflanze her.
  • Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe mit Nutzhanfanbau liegt 2020 bei 691. Foto: The Hempany UG
  • Foto: Grafik Raiola / Quelle: Statista/Deutscher Startup Monitor
  • Christian Veit (links), Dave Tjiok, Laura Rothgang und Lena Glässel. Vier der fünf Gründer von The Hempany auf einer deutschen Hanfplantage. Sie treiben die Produktion ihrer neuen Hanfmilch „Hemi“ an. Foto: The Hempany UG
Aufstriche, Schokolade und Getränke mit Hanf gibt es mittlerweile in vielen Bio- und Supermärkten. Die Rede ist aber nicht vom Rauschmittel, sondern vom legalen, so genannten Nutzhanf. Das Stuttgarter Start-up The Hempany, zusammengesetzt aus Hanf und Company, will Produkte mit und aus der Pflanze auf den Markt bringen. Mit ihrem Produkt Chill-Choc haben sie es bereits geschafft. Von November an ist die Trinkschokolade in 15 Rewe-Filialen in Bayern erhältlich. Im Onlineshop und in ein paar Dutzend Cafés zwischen Ulm und Stuttgart gibt es das Pulver schon länger. Darin sind Hanfblätter verarbeitet, die natürliches Cannabidiol (CBD) enthalten. Einen legalen Stoff, ohne berauschende Wirkung, der entspannen soll.

Produkte müssen überzeugen

Bis ins Supermarktregal ist es ein weiter Weg. Viele neue Unternehmen setzen auf das Geschäft mit Lebensmitteln (siehe Infografik). Laura Rothgang gehört zum jungen, fünfköpfigen Team von The Hampany, das das Unternehmen auch gegründet hat. Sie sagt: „Der Einzelhandel ist eine große Herausforderung, gerade für ein Start-up.“ An erster Stelle stehe das Produkt, das überzeugen muss – auf Messen zum Beispiel. „Und bei Hanfprodukten muss es für Kunden besonders überzeugend und mehrfach geprüft sein.“ Das Problem sei das Image: Oft hätten die Leute bei Hanf noch den berauschenden Stoff THC und Kiffen im Kopf, erklärt sie.

Obwohl das Start-up noch die einzigen deutschen Hersteller des speziellen Schokopulvers und neuerdings auch einer Hanfmilch – gerade in der Entwicklung – auf dem Markt sind, scheint Hanf langsam in der Gesellschaft anzukommen. Der Rewe Onlineshop listet knapp 100 Produkte, die Hanf enthalten. In vielen Produkten sind nur die Samen verarbeitet. Daraus wird auch die Pflanzenmilch von The Hempany hergestellt. Sie haben keinerlei Wirkung, sind aber gesund. „Hanf ist ein Superfood“, sagt Rothgang.

Das bestätigen sowohl die Nährwerte als auch die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Die Samen haben 22 Gramm Protein auf 100 Gramm und enthalten Fettsäuren wie Omega-3 und Omega-6. „Aus der Hanfpflanze können außerdem Textilien, Papier und Dämmmaterialien hergestellt werden“, sagt Anna Sophie Eichler, Sprecherin der Bundesanstalt.

Laut BLE ist die Pflanze sehr robust und gut für den Boden. Außerdem kann sie mehr CO2 binden als ein Baum. Das erklärt den Zuwachs an Nutzhanfplantagen – auch in Deutschland. Die aktuellen Daten des Bundes zeigen, dass sich die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe mit Nutzhanfanbau von 691 in den vergangenen sechs Jahren nahezu versiebenfacht hat und die Anbaufläche in diesem Jahr auf 5362 Hektar gewachsen ist.

Fast die Hälfte davon sind Bio-Plantagen. Zum Vergleich: Bei Weizen wird nicht einmal 10 Prozent ökologisch angebaut. „Für die Bio-Qualität beziehen wir aktuell Samen aus Europa, wollen langfristig aber auf deutsche wechseln“, sagt Rothgang.

Um ihre neue Pflanzenmilch zu finanzieren, betreiben die Gründer eine Crowdfunding-Kampagne. Dabei können Interessenten das Produkt auf der Internetseite Startnext vorbestellen, um die Herstellung zu finanzieren. Das Ziel sind 18 000 Euro. Ist das bis Ende November erreicht, wird produziert und ausgeliefert. Bisher sind 8000 Euro eingegangen. „Das Ziel ist tough, aber realistisch“, sagt Laura Rothgang und ergänzt: Kommt das Geld bis zum Stichtag nicht zusammen, „zahlen wir es zurück und das Startup geht leer aus“.

Die meisten schaffen es nicht

Wie hart Gründer zu kämpfen haben, zeigen die Daten des Bundesverbands Deutscher Start-ups. Über die Hälfte der fast 2000 Start-ups, die 2020 gegründet wurden, befinden sich noch in der Entwicklungsphase – mit wenigen Nutzern und geringem Umsatz. Paul Wolter vom Verband will keine Schätzung dazu abgeben, wie viele Gründer wieder aufgeben müssen. „Leider gibt es dazu keine verlässlichen Daten“, sagt er. Der Leiter für Politik und Kommunikation verrät aber: Im Startup-Ökosystem spricht man von 80 bis 90 Prozent, die es nicht schaffen.“
© Südwest Presse 29.10.2020 07:45
348 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.

Anmeldung zum E-Mail-Newsletter aus der Redaktion

Die wichtigsten und interessantesten Meldungen des aktuellen Tages aus der Redaktion direkt in Ihr E-Mail-Postfach – täglich und kostenlos jeden Abend.

Jetzt kostenlos anmelden

Aktuelle Meldungen direkt auf Ihr Handy