Lesermeinung

Zum Aalener Theater im KubAA:

„Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen und jeder geht zufrieden aus dem Haus.“

Das sind die Worte des Theaterdirektors im Vorspiel zum „Faust“. Aber wie macht das der Theaterdirektor und große Dichter Goethe? Auch das Genie Goethe lässt sich von anderen Größen wie dem von ihm hochverehrten Shakespeare inspirieren. Und dieser wiederum schöpft aus dem Quell des Ursprungs – dem griechischen Theater, das Urbilder gestaltet, die zeitlos sind und sich deshalb in jede Zeit kleiden lassen.

Die Aalener Inszenierung holt den Zuschauer herein in das Menschendrama, so wie es heute stattfindet. Die Macht der Liebe, die den Willen der Menschen in die Hand nimmt und sie todesmutig werden lässt, aber auch die Macht der Gewohnheit, des Herkömmlichen, immer gleichen, des Blutes, das diese Gewohnheit trägt und nichts Neues aufkommen lassen will. Kurzum des Bösen.

Es gibt aber auch den Chor, das Schicksal, das den Tod bestimmt, seine Zeit und seine Umstände. Wie wird da dem Zuschauer zumute, wenn der Bote, der Romeo benachrichtigen soll, nicht vorgelassen wird, weil er „infiziert“ ist und der deshalb Schicksal gestaltend Schuld an dem Tod des Paares wird? Wie weit ist da Schicksal eine Macht, der wir einfach ausgeliefert sind oder die wir selber in uns tragen, je nachdem ob wir aus Liebe oder Trägheit und Gewohnheit handeln? Es liegt am Zuschauer selber, wie er aus dem Haus geht und was er aus dem Stück herausholt. Ganz großes Theater!

© Schwäbische Post 29.10.2020 21:26
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Kommentare

Karin Hofmann

Frau Sperr, ein Nachtrag noch,

einen Satz Ihres Theaterkonzepts fand ich interessant:

"Wer vieles bringt wird manchem etwas bringen und jeder geht zufrieden aus dem Haus".

Jetzt ist mir klar, warum Sie mit einigen Vorlagen alter Literaten IHRE Theateraufführung und eine neue Geschichte machen. Maximalismus, vollgestopft mit unzähligen brisanten Themen und jeder kann sich aus diesem riesengroßen emotionalen, überfrachteten KULTUR-Gesamtpaket herausnehmen, was er will und was er braucht. Für mich ist dies keine Kultur mehr, sondern Massenbespassung.

Das erinnert mich an die Fast-food-Ketten, an Supermärkte, an Amazon, an viele Fernsehsender etc. Diese Marketing-Strategie für ein Theater finde ich schade. Vielleicht liegt es auch an der Ostalb. Während in Großstädten der Trend zum Minimalismus geht, Restaurants mit nur 4 oder 5 Gerichten (aber dann frisch und GUT ZUBEREITET) Zulauf haben. Während Theater sich auf 1,2 Stücke konzentrieren, diese nicht vollpacken um ein wunderbares emontionales event zu veranstalten, ordnen Sie sich dem Wahnsinns-Maximalismus-Konsum unter:

"Wer vieles bringt wird manchem etwas bringen".

Das ist schade. Passt aber zur Ostalb und zu den Sponsoren dieses Aalener Theaters (KubAA-sagt ja schon alles).

Natürlich müssen Sie alles tun, um dieses Marketing aufrechtzuerhalten und ich wünsche Ihnen persönlich viel Kraft und Gesundheit für diese, weitere "Durststrecke".

Karin Hofmann

Hallo Frau Sperr,

Faust, dann über Goethe und Shakespeare aus dem griechischen Theater...das ist das "Vorspiel" einiger Worte des Theaterdirektors. Dann die Überleitung zum heutigen Menschendrama von Julia und Romeo, die zueinander nicht finden können. Warum? Weil der Bote, der das Glück bringen soll "infiziert" ist und deshalb Schuld am Tod des Paares haben wird? Oder auch nicht? Ein Conora-Krimi? Man nehme 1 Tropfen Faust, 2 Tropfen Goethe und 4 Tropfen Shakespeare, schüttle alles ganz gut und gebe 1 Liter politische Quer-Eigentheater-Kreation dazu. Auch daraus wird dann eine Geschichte.

Bei jedem Ihrer Theaterstücke werden NUR politische Themen (Multikulti) hochstilisiert! Eine Gehirnwäsche?

Ich wurde aufmersam: Sie haben das Wort infiziert in " - Anführungszeichen gesetzt. Es gibt mir zu denken. Das wäre das Stück für die Adventszeit gewesen? Während Corona, das uns trotz aller Ängste Mut machen sollte? Sie versprachen: "Jeder geht zufrieden aus unserem Haus"? 

Es ist für mich unbegreiflich, Romeo und Julia so zu verfälschen und den "infizierten" Boten in das Stück zu holen. Der, vielleicht gar nicht "infiziert" war und alle Ängste unbegründet? Leider hatte ich keine Möglichkeit das Stück zu sehen.

Aber: Wir sind mitten in der "Infizierung". Dieses Thema für eine Theateraufführung zu nehmen war nicht gut ausgesucht. Stand heute im Ostalbkreis: Aktuell Infizierte: 336, 7-Tages-Quote: 97. Auch Ihr Theater wurde deshalb geschlossen. 

Ich bin gespannt, was Sie sich für ein "Theater" bei der Wiedereröffnung einfallen lassen. Bitte, bitte, etwas Schönes. Dann geht, vielleicht wirklich JEDER zufrieden aus dem Haus. Denn: Conora-Infektions-Nichternstnehmen der Gefahr-Verarschungs-Theater (denn unsere Maßnahmen sind sinnvoll!) haben wir schon genug. 

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