Verzweiflung macht sich breit

Wieder ruht der Ball, Sporthallen und Schwimmbäder werden geschlossen. Die Profis dürfen weiter ihrer Arbeit nachgehen, doch Existenzsorgen gibt es auf allen Ebenen.
  • Der Ball ruht – in allen Sportarten. Foto: Patrick Seeger/dpa
Der Corona-Lockdown trifft auch den Sport wieder mit voller Wucht und sorgt bei vielen für Existenzangst. Wettkämpfe müssen abgesagt, der Spielbetrieb eingestellt werden, Erwachsene wie Kinder stehen vor verschlossenen Sportanlagen und Trainingszentren, Zuschauer müssen draußen bleiben. Zwar gibt es auch Verständnis für die von Montag an geltenden drastischen Einschränkungen, aber Empörung und Verzweiflung sind groß.

„Ich bin entsetzt über die Ignoranz und Geringschätzung gegenüber dem Sport und den Vereinen“, klagte der Präsident des Sächsischen Fußball-Verbandes, Hermann Winkler. Dem gesamten Breitensport drohe der Kollaps. Viele Vereine fürchten eine Austrittswelle, denn kündigen kann man bei den meisten Vereinen zum Ende des Jahres – also genau jetzt.

Aber nicht nur im Fußball war der Aufschrei groß. „Es ist ein Rückschlag für den Sport allgemein“, urteilte Sven Ressel, Sportdirektor des Deutschen Fechter-Bundes. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Effekte eintreten und wir im Dezember wieder weitermachen können.“ Ganz davon abgesehen, dass ein Kaltstart nach einem Monat Trainingspause kaum möglich ist – oder zumindest nicht gesund.

Wer ist Amateur?

„Das trifft uns mit voller Wucht“, sagte Stefan Schwarzbach vom Deutschen Skiverband. „Da hätte ich mir eine etwas differenziertere Vorgabe gewünscht.“ Die Beschlüsse der Kanzlerrunde lassen wichtige Fragen offen. Wie wird zum Beispiel zwischen Profi- und Amateursport unterschieden? Für Olympia-Starter, die sich nicht durch ihren Sport finanzieren können, könnten Stadien und Hallen verschlossen bleiben.

Wie existenziell Fans sind, unterstrich Geschäftsführerin Jennifer Kettemann vom Handball-Bundesligisten Rhein-Neckar Löwen. „Sie sind für unseren Sport auch überlebenswichtig“, sagte sie. Auch Volleyball-Meister Berlin Recycling Volleys fürchtet schwere wirtschaftliche Folgen. „Die Verschärfung der Einschränkungen trifft uns hart und verschlechtert die ohnehin schon angespannte finanzielle Situation noch einmal deutlich“, sagte Manager Kaweh Niroomand.

Für den Deutschen Schwimm-Verband ist es schwer nachvollziehbar, dass die Bäder trotz der gut funktionierenden Hygienekonzepte dicht gemacht werden. Dieser Beschluss „verschärft noch einmal die Probleme auf sämtlichen Ebenen“, sagte DSV-Vizepräsident Uwe Brinkmann.

Die Sportausschussvorsitzende des Bundestages unterstützt die beschlossenen Maßnahmen, aber „ich verstehe und teile die Enttäuschung und die teilweise herrschende Verzweiflung all derer, die in Kultur, Gastronomie und Sport viel Zeit, Ideen und auch Geld in nachweislich funktionierende Hygienekonzepte investiert haben, aber jetzt dennoch zu den Betroffenen gehören“, betonte Dagmar Freitag (SPD). „Alle Vereinssportler dürfen sich dafür bei den verantwortungslosen Corona-Leugnern und Partygängern bedanken.“ sid, dpa
© Südwest Presse 30.10.2020 07:45
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