Lesermeinung

Zu den aktuellen Corona- Maßnahmen:

In der Presse ist zu lesen, dass eine Verlängerung der Lockdown-Maßnahmen bis Ostern möglich werden könnte – das wären dann fünf Monate (seit Anfang November)! Meines Erachtens bringt es wenig, wenn nicht ein vorübergehender strenger Lockdown (vier Wochen) die Neuinfektionen nachhaltig senkt. Das von politischem Kalkül dirigierte aktuelle Maßnahmenprogramm lässt zu viele Lücken und kann daher nicht ausreichende Wirkung entfalten.

Seit der sprunghaften Fallzahlenzunahme ist doch eigentlich klar, dass die Kontakte im privaten Bereich eine wesentliche Infektionsquelle sind. Weshalb wird dann nicht endlich rigoros vorgegangen und für einen Monat die privaten Kontakte außer- halb des eigenen Hausstandes verboten.

Ganz wesentlich ist auch die Kontrolle/der Vollzug der Maßnahmen. Hier ist von der Polizei wenig zu sehen. Solange die Abschreckung durch strenge Kontrollen und hohe Bußgelder nicht wirkt, wird sich das Verhalten vieler nicht ändern.

Es muss jetzt in einer großen Kraftanstrengung das Kontaktverbot durchgesetzt werden. Eine immer weitergehende Verlängerung der Maßnahmen auf dem gegenwärtigen Niveau bringt nicht den großen Durchbruch. Es ist dann auch zu befürchten, dass sich immer weniger an Verbote halten; die Politik sollte bedenken, dass sie einem massiven Glaubwürdigkeitsverlust entgegensteuert – mit unabsehbaren Folgen.

© Schwäbische Post 17.01.2021 21:12
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Kommentare

Karin Hofmann

Eugen Ziegler schrieb am 18.01.2021 um 12:25

Im Gegensatz zu den genannten Beispielen existieren aber für Gottesdienste strikte Regeln und setzen u.a. ein Hygienekonzept, Anwesenheitslisten, etc. voraus. Gemeindegesang ist verboten, einzelne Sänger mit entsprechendem Abstand zu anderen Gottesdienstbeteiligten dürfen singen. Auch für Posaunenchöre gibt es strenge Regeln (max. 5 Bläser, Abstand, Maske in Spielpausen,...).

Sehr geehrter Herr Ziegler,

mein Unverständnis richtete sich nicht nicht gegen Sie und Ihre Gottesdienste (Sie befolgen ja die gegebenen, erlaubten Conora-Vorschriften), sondern gegen die Regeln unserer Regierung mit zweierlei Maß.

Als Vergleich:

Kirchen geöffnet. Gottesdienstbesucher mit Maske und Abstand erlaubt. 5 Bläser mit Abstand beim musizieren ohne Maske erlaubt. In Spielpausen ist eine Maske Pflicht. 

Theater geschlossen, denn: Theaterbesucher mit Maske und Abstand nicht erlaubt. 5 Schauspieler auf der Bühne mit Abstand beim Spielen und Sprechen nicht erlaubt. Selbst die Maskenpflicht in Spielpausen nutzt da nichts.

Warum ist dies in Kirchen möglich, im Theater aber nicht? Beide Veranstaltungen dauern ca. 1 - 1 1/2 Stunden. Dies muss auch allen Schauspielern, Darstellern und der Kunst-und Kulturszene sauer aufstossen. Eine Antwort auf diese unterschiedliche Handhabe wurde bisher von der Politik dazu nicht gegeben.

Karin Hofmann

Komischerweise wurde mein Kommentar gelöscht. Es wurde von mir auf weiterhin stattfindete Gottesdienste mit Posaunenchor hingewiesen. Dies war aber nur ein kleiner Teil meines Kommentares. Der wichtigste Punkt waren die heute in der Presse öffentlich gemachten niedrigen Infektionszahlen:

7.141

In meinem Kommentar habe ich darauf hingewiesen, daß diese sicher falsch sind, da das Gesundheitsamt am Wochenende keine Daten übermittelt und die Zahlen nicht ernstzunehmen sind. Außerdem stellen diese öffentlich gemachten niedrigen Infektionszahlen eine Gefahr dar, daß Bürger denken "wir haben es geschafft", jetzt kann ich mich wieder frei bewegen und muss die Corona-Regeln nicht so genau einhalten. War meine Kritik an unserem desaströsen Übermittlungsproblem der Infektionszahlen an den Gesundheitsämtern falsch, zu hart, fehl am Platz? Nein, denn:

Dies wurde heute in den Medien mit folgender Meldung auch öffentlich gemacht:

"Das RKI hat am Montag extrem niedrige Neuinfektionszahlen und nur wenige Corona-Todesfälle gemeldet. Nun ist klar: Die Daten waren nicht vollständig.

Die deutschen Gesundheitsämter haben dem Robert Koch-Institut (RKI) 7.141 Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages gemeldet. Das ist laut RKI der niedrigste Wert an Neuinfektionen seit dem 20. Oktober. Allerdings seien aus Rheinland-Pfalz am Sonntag Daten unvollständig übermittelt worden, teilte eine RKI-Sprecherin am Montag auf Anfrage von t-online mit. Auch die Zahlen aus Bayern müssten noch einmal überprüft werden. In Rheinland-Pfalz waren am Montag lediglich zwei, in Bayern 269 neue Corona-Fälle von den Gesundheitsämtern übermittelt worden. Die Gesamtzahl der Neuinfektionen in Deutschland ist daher wohl zu niedrig".

Und ja, nochmal meine Meinung zum Handling unserer Politiker der jetzigen Conora-Situation: Ein einziger Flickenteppich. Nichts funktioniert.

Eugen Ziegler

Karin Hofmann schrieb am 18.01.2021 um 10:17

Es finden weiterhin Gottesdienste, mit Gesang, mit Posaunenchor statt,

Schlittenhänge sind voll, bei Sonnenschein ziehen unmaskierte Gruppen durch Stadt, Wald und Feld und sehr oft wird der Abstand nicht eingehalten. In den Firmen geht es teilweise sehr lax zu, Raucher stehen ohne Einhaltung der Abstandsregeln beieinander,... Man könnte die Liste endlos fortsetzen.

Im Gegensatz zu den genannten Beispielen existieren aber für Gottesdienste strikte Regeln und setzen u.a. ein Hygienekonzept, Anwesenheitslisten, etc. voraus. Gemeindegesang ist verboten, einzelne Sänger mit entsprechendem Abstand zu anderen Gottesdienstbeteiligten dürfen singen. Auch für Posaunenchöre gibt es strenge Regeln (max. 5 Bläser, Abstand, Maske in Spielpausen,...). Wenn Sie selber an einem Gottesdienst teilnehmen und Regelverstöße bemerken, dann sprechen Sie bitte direkt vor Ort die Verantwortlichen an. Wenn es nur Behauptungen "vom Hörensagen" sind, dann würde ich Sie bitten,d as zu unterlassen. 

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