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Geduld in der Krise

Hochschulabsolventen Fachkräfte finden derzeit selten eine Anstellung. Doch sobald die Wirtschaft wieder anzieht, sind sie wieder gefragt – gerade auch hier in der Region.
  • Noch vor einem Jahr rissen sich die Unternehmen um Facharbeiter und die Hoffnung ist groß, dass dies bald wieder der Fall ist. Foto: Hannibal/VDE/akz-o

Der Dezember bescherte Ostwürttemberg ein leichtes Minus bei den Arbeitslosenzahlen.“ so Elmar Zillert, Leiter der Arbeitsagentur in Aalen zur Vorstellung der aktuellen Zahlen zum Arbeitsmarkt. Zum Ende des Berichtsmonats Dezember waren im Agenturbezirk 10 049 Personen arbeitslos gemeldet. Das sind 117 oder 1,2 Prozent weniger als noch im Vormonat. Der Arbeitsmarkt in Ostwürttemberg zeigte sich damit widerstandsfähiger als im Land. Hier sank die Arbeitslosigkeit nur um 0,9 Prozent.

Auch in Jahresvergleich hat die Region Ostwürttemberg die Nase vorn. Die Zahl der arbeitslos gemeldeten Personen im Bezirk der Arbeitsagentur Aalen ist im Vergleich zum Vorjahr mit 25,8 Prozent nicht so stark gestiegen wie im Land Baden-Württemberg, in dem ein Anstieg von 31,7 Prozent zu verzeichnen war. Die Arbeitslosenquote stagnierte im letzten Monat 2020 in Ostwürttemberg bei 4,0 Prozent. Im Land Baden-Württemberg verblieb sie bei 4,2 Prozent.

In vielen Bereichen der Wirtschaft ist und bleibt die Situation weiterhin schwierig. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden ins Homeoffice geschickt oder gehen in Kurzarbeit. Unternehmen haben Einstellungsprozesse zeitweilig gestoppt. Keiner weiß, wann genau sich an dieser Situation wieder etwas ändern wird und der Arbeitsmarkt wieder normal funktioniert. Gerade Absolventinnen und Absolventen trifft das augenblicklich sehr hart. Deshalb stellt sich die Frage: Was können sie jetzt am besten tun? „Alle, die nicht in der komfortablen Lage sind, bereits einen Arbeitsvertrag in der Tasche zu haben, sollten überlegen, ihr Studium zu verlängern (Master), in einem Projekt als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule oder in einem Forschungsinstitut einzusteigen oder eine Promotion anzustreben, wenn sich dazu die Gelegenheit bietet“, empfiehlt Dr. Michael Schanz, Arbeitsmarktexperte bei der Technologieorganisation VDE. „Noch vor ein paar Monaten herrschte Vollbeschäftigung unter den Elektroingenieuren, ihnen stand die Welt offen. Jetzt hat der Virus die Pläne und Träume vieler junger Menschen vorerst zunichtegemacht“, erklärt Schanz. Aber Aufgeben sei nicht angesagt.

Mut, Geduld und Fantasie sind gefragt

Die Wirtschaft werden nach dem erneuten Lockdown wieder anziehen, wenn auch langsam. Vor der Krise fehlten in der Industrie bis zu 100 000 Fachkräfte allein in der Elektro- und Informationstechnik. Auch in anderen Branchen boomte es und die Unternehmen rissen sich um Auszubildende und Absolventen von Fach- und Hochschulen.

Wichtig sei nun, die freie Zeit mit Weiterbildung zu überbrücken. „Absolventen könnten beispielsweise erworbene Fach- und Methodenkompetenzen um Bereiche erweitern, die in Unternehmen sowieso auf sie zukommen werden, aber im Studium wegen der wichtigeren Fachkenntnisse zu kurz gekommen sind“, rät Schanz. Für alle Ingenieure, die ein hardwareorientiertes Thema in ihrer Abschlussarbeit hatten, könne eine zusätzliche Software-Schulung sinnvoll sein, gerade mit Blick auf Künstliche Intelligenz oder Big Data. Auch Wirtschaftswissenschaftler helfe Know-how in Big Data weiter. Agentur für Arbeit/akz

© Schwäbische Post 22.01.2021 16:10
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