Mal wieder schwere Stürze

Kitzbühel sorgt für ein Spektakel. Auf Szenen wie am Freitag aber würde jeder gerne verzichten. Der Erfolg der deutschen Abfahrer rückt in den Hintergrund.
  • Der Schweizer Urs Kryenbuehl wird nach seinem schlimmen Sturz im Zielhang mit einem Helikopter in eine Klinik geflogen. Foto: GEPA pictures/ Christian Walgram via www.imago-images.de
Als die Ärzte den schlimm gestürzten Urs Kryenbühl noch im Ziel von Kitzbühel versorgten, war Ryan Cochran-Siegle schon mit dem Rettungshubschrauber weggeflogen worden. Die Streif hat auch 2021 für schwere Stürze gesorgt und das sportliche Ergebnis samt dem starken fünften Platz von Andreas Sander etwas in den Hintergrund gerückt. Der Schweizer Abfahrer Kryenbühl war am Freitag beim Zielsprung mit dem Kopf auf die Piste gekracht, US-Profi Cochran-Siegle hatte bei seinem Unfall ein Fangnetz durchbrochen.

Normalerweise blicken bei der spektakulärsten Schussfahrt im alpinen Ski-Weltcup bis zu 50 000 Fans mit einem Mix aus Schaudern und Begeisterung den Berg hoch. Zuschauer waren wegen Corona dieses Mal nicht zugelassen. Das Drama auf der Streif aber blieb auch bei diesem Rennen, in dem neben Sander (+0,95 Sekunden) auch Romed Baumann als Achter (+1,51), Dominik Schwaiger als Zwölfter (+1,81) und einen Rang dahinter Josef Ferstl (+1,88) überzeugten, nicht aus.

Vor allem Kryenbühls Sturz schockte die Anwesenden und TV-Zuschauer. Der 26-Jährige hatte beim Zielsprung mit fast 150 Stundenkilometern das Gleichgewicht verloren und war mit dem Kopf auf die Piste aufgeschlagen. Der Unfall erinnerte an den Sturz von Landsmann Daniel Albrecht 2009 an derselben Stelle, der ein Schädel-Hirn-Trauma und drei Wochen Koma zur Folge hatte.

„70 Meter gesegelt“

„Der Sprung geht einfach zu weit“, schimpfte Sieger Beat Feuz, der seinen ersten Erfolg nach vier zweiten Plätze bei der wichtigsten Abfahrt im Weltcup nur eingeschränkt genießen konnte. Er gewann vor Matthias Mayer aus Österreich und dem Südtiroler Dominik Paris. „Der Sprung ist schon seit drei Tagen ein Thema. Ich bin 60, 70 Meter raus gesegelt“ sagte Feuz im ORF und ergänzte: „Das muss nicht sein.“

Auch deutsche Starter hatte Probleme bei der umstrittenen Stelle. Ferstl konnte sich nach einem viel zu weiten Sprung nur mit Mühe auf den Beinen halten. „Ich habe in der Luft gemerkt: Habe die Ehre, der geht weit!“, erzählte der Oberbayer. „Ich habe gewusst, ich muss kompakt bleiben, die Spannung halten, sonst scheppert‘s.“

„Es war am Limit“, räumte Emmanuel Couder vom Weltverband Fis ein. Schon der Unfall von Podiumskandidat Cochran-Siegle war extrem. Der US-Profi verlor kurz vor dem Ziel in der berüchtigten Traverse die Kontrolle über die Ski und krachte mit voller Geschwindigkeit in ein Fangnetz. Durch den Aufprall – Cochran-Siegle drückte es kopfüber in die Begrenzung – durchbrach er das Netz und blieb dahinter liegen. Der 28-Jährige klagte anschließend über Schmerzen an der Schulter.

Sportlich konnten die DSV-Asse happy sein. „Ich bin sehr zufrieden mit meinem Lauf“, sagte Sander, der das beste Ergebnis seiner Karriere im Weltcup egalisierte und weder in Kitzbühel noch bei einer Abfahrt je so weit vorne gelandet war. „Ich habe schon lange nicht mehr ein so gutes Körpergefühl gehabt wie heute. Da kam die nötige Anspannung mit der gewissen Gelassenheit zusammen.“

Auch Baumann resümierte: „Das Feuer war da. Mit der Art und Weise, wie ich in das Rennen gegangen bin, war ich sehr zufrieden. Ich war heiß.“ Am Samstag (11.30 Uhr) steht auf der Streif gleich die nächste Abfahrt an. Dann wollen die Deutschen noch weiter nach vorn – und von Stürzen verschont bleiben. dpa
© Südwest Presse 23.01.2021 07:45
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