Kommentar Gerold Knehr zur Lage beim VfB Stuttgart

Einer gegen alle

  • Gerold Knehr. Foto: vk
Was wohl Franz Beckenbauer zum Machtkampf beim VfB Stuttgart sagen würde? Gut vorstellbar wäre ein: „Oh mei, spielt's doch einfach nur Fußball ...“ Allerdings hat der „Kaiser“ bei den Schwaben nichts zu melden. Und so bleibt nur Fassungslosigkeit ob des Schmierentheaters, das in den obersten Gremien des Klubs aufgeführt wird.

Der Zweikampf zwischen Präsident Claus Vogt und dem Vorstandsvorsitzenden Thomas Hitzlsperger hat sich ausgeweitet zu einem gefühlten „einer gegen alle“. Vogts Weigerung, die für den 18. März geplante Mitgliederversammlung einzuberufen, wird von den anderen Präsidiumsmitgliedern Bernd Gaiser und Rainer Mutschler brüsk zurückgewiesen, das Präsidium attackiert sich gegenseitig in Pressemitteilungen. Was zeigt: Der „Verein für Bewegungsspiele“ ist in zwei Lager gespalten, die keinen Millimeter aufeinander zugehen.

Vogts' Ansinnen, die diversen Affären, die sich gerade zur größten Krise der Vereinsgeschichte auswachsen, gründlich aufzuklären, bevor die Mitgliederversammlung einberufen wird, ist im Prinzip nachvollziehbar. Doch das Motto „Gründlichkeit vor Schnelligkeit“ droht den VfB zu zerreißen. Es ist, als säßen beide zerstrittenen Partien auf einer heißen Herdplatte. Keine Seite hält das bis zum 5. September, dem Datum, auf das Vogt die Mitgliederversammlung verlegen will, aus. Weder die Gremien, die Mitglieder noch die Profis und ihre Trainer. Schön wäre, wenn Streithähne doch auf Beckenbauers Rat hören würden. Doch leider ist das Illusion.
© Südwest Presse 28.01.2021 07:45
245 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.

Anmeldung zum E-Mail-Newsletter aus der Redaktion

Die wichtigsten und interessantesten Meldungen des aktuellen Tages aus der Redaktion direkt in Ihr E-Mail-Postfach – täglich und kostenlos jeden Abend.

Jetzt kostenlos anmelden

Aktuelle Meldungen direkt auf Ihr Handy