Impfstoff: Was Stumpp anders sieht

Pandemie Warum Margit Stumpp (Grüne) als einzige Abgeordnete im Wahlkreis den Brief ans Land nicht unterzeichnete.

Aalen. Am Montag haben die Ostalb-Abgeordneten von CDU und SPD in einem gemeinsamen Brief den Sozial- und Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) aufgefordert, für eine Impfstoffverteilung in die Landkreise abhängig von der Bevölkerungszahl zu sorgen. Nicht unterzeichnet hat den Brief die Bundestagsabgeordnete im Wahlkreis Aalen-Heidenheim Margit Stumpp (Grüne).

Plumpes Wahlkampfmanöver

Angefragt wurde sie, bestätigt sie, doch das Ansinnen habe sie „rundheraus abgelehnt“. „Das ist ein plumpes Wahlkampfmanöver“, sagt sie. Jedes Kreisimpfzentrum bekomme gleich viel Impfstoff. Da mache es keinen Sinn, darüber zu streiten. Das Hauptproblem sei, dass es viel zu wenig Impfstoff gebe und das habe die Bundesregierung zu verantworten. Wichtig sei, die Über-80-Jährigen zu schützen. „Das gelingt sehr gut“, sagt sie. „Neid- und Scheindebatten“ seien unnötig.

Nun gehe es vor allem darum, das Vertrauen in den Impfstoff von AstraZeneca zu stärken und offene Fragen zu den Schnelltests für Lehrer schnell zu klären, sagt Stumpp.

© Schwäbische Post 23.02.2021 15:56
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Kommentare

In my humble opinion

Holger Krieg schrieb am 24.02.2021 um 21:37

Unter https://interaktiv.morgenpost.de/corona-impfungen-deutschland-bundeslaender-weltweit/

sind die über 70jährigen aufgelistet. BW auf Platz 2 in Deutschland. 

Vielen Dank für den Link, da hat Ihre Suchmaschine was gefunden, während meine nur gesucht hat ...

Allerdings ist Ihre Feststellung, dass BW auf "Platz 2" sei, etwas kühn.

Bei den +70-Jährigen*) hat ( Erst-Impfung / Zweitimpfung )

1) BE = 21% / 15%.

2) SL = 15% / 9%.

3) BW = 15% / 8%.

Bei der Gesamt-Impfzahl liegt BW auf Platz 10 von 16.

*) Die Berliner Morgenpost zählt nicht zu meinen Prime-Lektüren. Mich wundert die Angabe "+70-Jährige", meines Wissens sind zur Zeit nur die +80-Jährigen dran und die mit besonderen Indikationen. In den Erläuterungen wird der >>Anteil geimpfter Menschen unter Pflegeheimbewohner*innen sowie der über 80-Jährigen im Bundesländervergleich<< genannt, in der Balkendarstellung und in den Länder-Selektionen erstaunlicherweise "+70". Das ist mir bisher noch bei keiner anderen Auflistung über den Weg gelaufen.

Holger Krieg

In my humble opinion schrieb am 24.02.2021 um 16:14

Ich bin jetzt im Internet herum"gebrowst" und habe keine spezifischen Zahlen für die Impfquote der +80 pro Bundesland gefunden, nur generell bundesweit "Über 80 Jahre alt = 1. Impfung = 1.503.334 und zweite Impfung = 677.474." mit dem Hinweis, dass nicht alle Bundesländer die Impf-Gruppen detailliert unterscheiden.

Woher haben Sie die Zahlen, die Ihrer Behauptung zugrunde liegen?

Ist das eine Selbstauskunft des Sozialministers?

Unter https://interaktiv.morgenpost.de/corona-impfungen-deutschland-bundeslaender-weltweit/

sind die über 70jährigen aufgelistet. BW auf Platz 2 in Deutschland. 

Karin Kratzer-Wirth

In my humble opinion schrieb am 24.02.2021 um 16:14

Ich bin jetzt im Internet herum"gebrowst" und habe keine spezifischen Zahlen für die Impfquote der +80 pro Bundesland gefunden, nur generell bundesweit "Über 80 Jahre alt = 1. Impfung = 1.503.334 und zweite Impfung = 677.474." mit dem Hinweis, dass nicht alle Bundesländer die Impf-Gruppen detailliert unterscheiden.

Woher haben Sie die Zahlen, die Ihrer Behauptung zugrunde liegen?

Ist das eine Selbstauskunft des Sozialministers?

Ich habe nur den Text der Pressemitteilung eingestellt. Nach den darin erwähnten Zahlen müssten Sie wohl Frau Stumpp direkt fragen.

Die sind nicht von mir.

Karin Kratzer-Wirth

Eric Untermann schrieb am 24.02.2021 um 14:14

Danke für die vollständige Information! Wobei Sie damit Frau Stumpp nicht unbedingt einen Gefallen getan haben. Die Presseerklärung geht meiner Meinung nach am Thema vorbei und macht Frau Stumpp an noch viel mehr Stellen angreifbar als es bislang war. Damit hat sie - ob sie es wollte oder nicht - das Thema erst zu einem Wahlkampfthema gemacht.

Zum Hinweis mit Herrn Grath: da musste ich ehrlich gesagt erstmal nachschauen, wer das ist. Da er Vertreter des Wahlkreises HDH im Landtag ist, ist er nur so indirekt für den Ostalbkreis zuständig, wie es alle Landtagsabgeordneten sind. Frau Stumpp hingegen vertritt den Bundestagswahlkreis Aalen-Heidenheim, der neben dem Landkreis HDH den größeren Teil des Ostalbkreises beinhaltet. Erstaunlich, dass man das noch erklären muss....

Ich wollte mit der Veröffentlichung des gesamten Textes der Pressemeldung nur die Möglichkeit geben, sich ein Bild über die Zusammenhänge zu machen, die Frau Stumpp erwähnt. Ob das ein "Gefallen" ist oder nicht, will ich dabei gar nicht bewerte.

In my humble opinion

Karin Kratzer-Wirth schrieb am 24.02.2021 um 14:04... Deren [ Ü-80-Jährige ] Impfquote in Ba-Wü ist die höchste unter den Bundesländern. ...

Ich bin jetzt im Internet herum"gebrowst" und habe keine spezifischen Zahlen für die Impfquote der +80 pro Bundesland gefunden, nur generell bundesweit "Über 80 Jahre alt = 1. Impfung = 1.503.334 und zweite Impfung = 677.474." mit dem Hinweis, dass nicht alle Bundesländer die Impf-Gruppen detailliert unterscheiden.

Woher haben Sie die Zahlen, die Ihrer Behauptung zugrunde liegen?

Ist das eine Selbstauskunft des Sozialministers?

Tobias Dambacher Redakteur

Karin Kratzer-Wirth schrieb am 24.02.2021 um 14:04

Der Artikel der Schwäpo ist sehr verkürzt, und wird aus meiner Sicht der Pressemitteilung von Margit Stumpp nicht gerecht.

Dieser Artikel basiert nicht auf einer (verkürzten) Pressemitteilung, sondern auf einem persönlichen Gespräch mit Frau Stumpp.

Eric Untermann

Karin Kratzer-Wirth schrieb am 24.02.2021 um 14:04

Damit sich jede*r ein umfassendes Bild zur Aussage von Margit Stumpp machen kann, füge ich selbige hier ungekürzt an.

Danke für die vollständige Information! Wobei Sie damit Frau Stumpp nicht unbedingt einen Gefallen getan haben. Die Presseerklärung geht meiner Meinung nach am Thema vorbei und macht Frau Stumpp an noch viel mehr Stellen angreifbar als es bislang war. Damit hat sie - ob sie es wollte oder nicht - das Thema erst zu einem Wahlkampfthema gemacht.

Zum Hinweis mit Herrn Grath: da musste ich ehrlich gesagt erstmal nachschauen, wer das ist. Da er Vertreter des Wahlkreises HDH im Landtag ist, ist er nur so indirekt für den Ostalbkreis zuständig, wie es alle Landtagsabgeordneten sind. Frau Stumpp hingegen vertritt den Bundestagswahlkreis Aalen-Heidenheim, der neben dem Landkreis HDH den größeren Teil des Ostalbkreises beinhaltet. Erstaunlich, dass man das noch erklären muss....

Karin Kratzer-Wirth

Der Artikel der Schwäpo ist sehr verkürzt, und wird aus meiner Sicht der Pressemitteilung von Margit Stumpp nicht gerecht.

Damit sich jede*r ein umfassendes Bild zur Aussage von Margit Stumpp machen kann, füge ich selbige hier ungekürzt an.

"Ihrer Berichterstattung in den letzten Tagen war zu entnehmen, dass einige MdB aus der Region sich in einem Brief an den Gesundheits- und Sozialminister Manfred Lucha gewandt haben. Hierzu erlaubt sich Margit Stumpp, Bundestagsabgeordnete der Grünen für den Wahlkreis Aalen/Heidenheim folgende Klarstellung:

"Der Brief der Kolleg*innen Abgeordneten setzt inhaltlich an der völlig falschen Stelle an. Um alle Abgeordneten mitzunehmen (Martin Grath wurde m.W. gar nicht gefragt) hätte es eines ausgewogenen Briefes bedurft, der die organisatorischen Probleme im Kreis, auf Landesebene und die Grundprobleme im Bundesgesundheitsministerium benennt, insbesondere den Mangel an Impfdosen und Schnelltests.

Denn das Ziel eines solchen Briefes muss doch die Verbesserung des Schutzes der Menschen sein, den erreicht man durch die Kombination mehrerer Maßnahmen.

Jetzt auf einen speziellen Impfstoff abzuheben und zu fordern, die eine Packung, die davon pro Impfzentrum und Woche verteilt wird, noch aufzuteilen, initiiert eine Neiddebatte, die dazu führt, das Vertrauen in Institutionen und Organisation weiter zu untergraben.
Diese eine Packung wird im Übrigen noch weiter aufgeteilt, primär werden Einrichtungen und mobile Teams versorgt, damit die Ü-80-Jährigen zuerst erreicht werden. Deren Impfquote in Ba-Wü ist die höchste unter den Bundesländern. In den Kreisimpfzentren wird also nur ein kleiner Teil dieses Impfstoffs verimpft.

Jetzt können sich die Menschen zum Einen entscheiden, wo sie sich anmelden, sie sind nicht an den Landkreis gebunden. Zum Anderen könnten auch andere Kriterien herangezogen werden, z.B. die Zahl der Hochbetagten oder Inzidenzzahlen. Will man das wirklich? Zumal die Regierung verspricht, dass absehbar ausreichend Impfstoff zu Verfügung steht und der bereits verfügbare Impfstoff von Astra-Zeneca scheinbar mangels Akzeptanz in den Regalen liegen bleibt. Wieder ein Kommunikationsdesaster. So bald genügend Impfstoff vorhanden ist, werden die Ärzt*innen mit ins Boot geholt, dann ist auch die dezentrale Versorgung in der Fläche und die Mengenfrage geklärt.

Das wichtige Thema Schnellteststrategie sprechen die Kolleg*innen nicht an. Warum wohl?
Die Schnelltest-Pläne von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) wurden vorerst gestoppt, weil es zu viele Zweifel an seiner Strategie gibt, unter anderem daran, wie die Tests in den einzelnen Bundesländern organisiert werden sollen. Auch wie häufig sich jeder Bürger testen lassen kann, sei ungeklärt. Wieder ein Versprechen gebrochen. Hätten die Kolleg*innen einen entsprechenden Brief an Spahn geschrieben, wären sie wenigstens glaubwürdig gewesen. So ist zu konstatieren: Der von Kiesewetter initiierte Brief lenkt von den eigentlichen Problemen ab; er ist ganz offensichtlich dem Wahlkampf geschuldet, auf Kosten von Vertrauen und Akzeptanz."

Holger Krieg

Also ich kann da keinen Wahlkampf erkennen.

Die ungerechte Verteilung ist mehr als deutlich sichtbar. Dass man eine vollständige Gerechtigkeit bei Packungsgrößen von ca. 1100 Einheiten nicht hinbekommt ist klar. 

Trotzdem gibt es da sicherlich Möglichkeiten das im Laufe der Zeit auszugleichen. Wenn man will ...

Monika Benninger-Köder

"Si tacuisses, philosophus mansisses.“

Hing viele Jahre in meinem Büro - kann ich Frau Stumpp nur ebenfalls sehr empfehlen. Ihr Statement ist nur peinlich und ein weiterer Grund, diese Parteifarbe ganz sicher nicht wählen zu können.

22690

Das gelingt so hervorragend  dass sich über 80jährige stundenlang die Hotlein anrufen müssen oder sich online einen Termin um Mitternacht mit Losglück ausmachen müssen und dann irgendwann eine Reise in das ZIZ Ulm oder Rot am See unternehmen dürfen

Besser kann man das nicht hinbekommen :-)

MaWi_1980

Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus, das ist nichts Neues. Auf diese Anfrage hätte Frau Stumpp besser nicht geantwortet, anstatt solch einen unqualifizierten und unintelligenten Kommentar von sich zu geben. Vergleicht man die Einwohnerzahlen der beiden Landkreise Ostalb und HDH, so müsste der Ostalbkreis ca. die 2,4-fache Menge an Impfdosen im Vergleich zu HDH zur Verfügung gestellt bekommen um am Ende zum gleichen Zeitpunkt mit den Impfungen durch zu sein.

Das hat nichts mit Neid, sondern mit gesundem Menschenverstand und Gerechtigkeit zu tun.

Volker Thumm

Dass die ihrem Parteikollegen Lucha nicht "in den Rücken fällt" und dasselbe verzapft wie der, wen wunderts? Zwischen "gleich und gleich" Impfstoff verteilen können wahrscheinlich viele nachvollziehen, anscheinend aber die Grünen nicht? 

Eric Untermann

Der Landkreis Heidenheim hat ca. 133 Tausend Einwohner und ein Kreis-Impfzentrum. Der Ostalbkreis hat 314 Tausend Einwohner und auch ein Kreis-Impfzentrum. Frage: in welchem landkreis wohnt Frau Stumpp? Ein Scherz oder bitterer Ernst?

Wenn es nach der Verteilungs"gerechtigkeit" von Frau Stumpp geht, ist im Ostalbkreis noch nicht mal jeder 2. Einwohner geimpft (4 von 10, also wahrscheinlich gerade mal die ersten von Gruppe 3), während in HDH schon alle Einwohner geimpft wurden?

Ich hoffe mal schwer, ihr Parteikollege und Minister in Stuttgart hat einen besseren Sinn für Realität und Gerechtigkeit...

NMA

Dies ist sicher ein ( nicht sonderlich geschicktes ) Wahlkampfmanöver, das schlicht dazu dient vom Versagen der eigenen Parteikollegen über alle Ebenen abzulenken.

Dass es aber nicht möglich scheint, entweder die Impfzentren gleichmäßig zu verteilen, oder aber die Lieferungen so anzupassen, dass die Landkreise ihre Einwohner gleichmäßig versorgen können, macht einen sprachlos.

Dass unsere Verwaltung schon mit solchen Aufgaben überfordert scheint, ist unverständlich.

Eine Neiddebatte kann ich aber, wenn man bedenkt, dass andere Landkreise bezogen auf die Einwohnerzahl die 4-fache Menge an Impfdosen erhalten, nicht erkennen. Dies anzuprangern und Abhilfe zu fordern ist schlicht gesunder Menschenverstand.

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