Land erweitert Impfstoffangebot

Pandemie Baden-Württemberg beginnt ab sofort alle Unter-65-Jährigen aus der zweiten Priorität der STIKO-Empfehlung zu impfen. Diese Personengruppen können ab sofort Termine buchen. 

  • Archivfoto: Oliver Giers

Stuttgart. Deutlich mehr Menschen sind seit dieser Woche impfberechtigt und können einen Termin in den Impfzentren im Land vereinbaren. Baden-Württemberg steigt in die zweite Priorität der STIKO-Empfehlung ein. Dazu gehören viele medizinische Beschäftigte, Menschen mit einer geistigen Behinderung und nach dem Beschluss der Gesundheitsminister auch das pädagogische Personal in Schulen und Kindertagesstätten. Sie alle werden nun mit dem Impfstoff von AstraZeneca versorgt – deshalb sind aus diesen Gruppen auch nur Menschen im Alter von 18 bis 64 Jahren impfberechtigt. Das teilt das Solzialministerium am Dienstag mit.

Gesundheitsminister Manne Lucha sagte in Stuttgart: „Bildung, Erziehung und Betreuung legen die Grundlage für die Zukunft unserer Kinder und unserer Gesellschaft. Schulen und Kitas stehen bei den Öffnungen nach dem Lockdown daher mit an erster Stelle. Ich habe mich deshalb bei den Beratungen der Gesundheitsminister am Montag dafür eingesetzt, dass auch Lehrerinnen und Lehrer und Erzieherinnen und Erzie-her in die zweite Priorität vorgezogen werden. Dem sind meine Kolleginnen und Kollegen und der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn gefolgt. Wir in Baden-Württemberg gehen zudem über den Grundsatzbeschluss der Gesundheitsministerkonferenz noch hinaus und bieten allen Lehrerinnen und Lehrern die Möglichkeit zur Impfung, nicht nur den Lehrern an Grund- und Förderschulen.“

Das Ministerium für Soziales und Integration hat am Dienstag allen Lehrerinnen und Lehrern sowie Erzieherinnen und Erziehern im Land in einem Brief mitgeteilt, dass sie ab sofort einen Impftermin in einem Impfzentrum buchen können.

„Wir kommen mit unserer Impfkampagne gut voran. Bis Mitte März erwarten wir rund 450.000 Impfdosen des Impfstoffs von AstraZeneca, deshalb können wir nun schneller in die Prio-2-Impfung einsteigen, als wir noch vor einigen Wochen gedacht hatten“, so Minister Lucha.

Folgende Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren sind in Baden-Württemberg seit 22. Februar 2021 aus der Stufe 2 der STIKO-Empfehlungen zusätzlich zu den bisherigen Personengruppen der Priorität 1 impfberechtigt:

  • Personen mit Down-Syndrom (Trisomie 21)
  • Personen mit hohem oder erhöhtem Expositionsrisiko in medizinischen Einrichtungen
    o Krankenhaus- und Praxispersonal (auch Zahnarztpraxen), Heilmittelerbringer (z. B. Physio-, Ergotherapie, Podologie)
    o Personal der Blut- und Plasmaspendedienste mit Patientenkontakt
    o Abstrichzentren mit Patientenkontakt
    o Personal des öffentlichen Gesundheitsdienstes mit Patientenkontakt
    o Mitarbeitende der Einsatzdienste von Hausnotrufanbietern
    o Personal in Justizvollzugsanstalten sowie der forensischen Psychiatrie
    o Personal in der stationären Suchtbehandlung bzw. -rehabilitation
    o Umfasst sind jeweils auch Auszubildende und Studierende mit unmittelbarem Patientenkontakt

  • Personen in Institutionen mit einer Demenz oder geistigen Behinderung
    o Demenz: grundsätzlich über Verimpfungen nach Priorität 1 gem. § 2 CoronaImpfV in Pflegeheimen abgedeckt
    o Geistige Behinderung: in besonderen Wohnformen der Behindertenhilfe sowie in Werkstätten und Förderstätten für behinderte Menschen, in ambulant betreuten ge-meinschaftlichen Wohnformen der Behindertenhilfe
  • Tätige in der ambulanten oder stationären Versorgung von Personen mit Demenz oder geistiger Behinderung
  • Personen, die in Kinderbetreuungseinrichtungen, in der Kindertagespflege, hauptamt-lich in Einrichtungen und aufsuchenden Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe und als Schullehrkräfte/Mitarbeitende an Schulen mit unmittelbarem Kontakt zu Kindern/Schülerinnen und Schülern sowie weiteren zu betreuenden Personen tätig sind, sowie die Auszubildenden und Studierenden, die im Rahmen der Ausbildung in entsprechenden Einrichtungen tätig sind. Damit sind z. B. auch Lehrkräfte und Erzieherinnen und Erzie-her an SBBZ, Schulsozialpädagogen und vergleichbares Personal gemeint.


Bescheinigung des Arbeitsgebers ist Nachweis über Berechtigung

Die Impfberechtigten brauchen für den Termin im Impfzentrum eine Bescheinigung über das Arbeitsverhältnis und die entsprechende Tätigkeit von ihrem Arbeitgeber. Diese ist der Nachweis über ihre Impfberechtigung. Vorlagen dafür gibt es auf der Homepage des Sozialministeriums unter den FAQs zur Corona-Impfung („Wie weise ich nach, dass ich zur berechtigten Gruppe gehöre?“).

Die genannten Personengruppen können ab sofort ihren individuellen Impftermin in einem für sie günstig gelegenen Impfzentrum buchen. Die Terminvergabe erfolgt dabei zentral über die Hotline 116 117 sowie insbesondere über www.impfterminservice.de

Bei der Terminvergabe über die Onlineplattform ist zu beachten: Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher sowie weitere Beschäftigte in den Erziehungseinrichtungen sind dort noch nicht explizit als impfberechtigte Gruppe ausgewiesen. Das Land nutzt hier das System des Bundes und ist darauf angewiesen, dass der Bund die Texte des Buchungssystems ändert. Die genannten Gruppen sind gleichwohl ab sofort berechtigt, einen Termin zur Impfung mit dem AstraZeneca-Impfstoff zu vereinbaren, wenn sie unter 65 Jahre alt sind. Die so gebuchten Termine sind gültig. Die tatsächliche Prüfung der Impfberechtigung erfolgt vor Ort in den Zentren.

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© Schwäbische Post 23.02.2021 16:55
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Kommentare

In my humble opinion

Nachtrag/Zusatz

Eine kleine Zahlenspielerei, eine Fingerübung in der Tabellenkalkulation, aber wohl zu sehr „Neuland 4.0“ für den Sozialminister:
Es gibt auf der Internetseite des statischen Landesamt eine Tabelle mit dem Stadt- und Landkreisen in BaWü mit den jeweiligen Einwohnerzahlen. Nehme ich mal „großzügig“ die Einwohnerzahl als die Zahl der „impfbaren“ Personen und teile das durch die Zahl „1170“ ( Impfdosen pro Karton, angeblich „unteilbar“ ), so ergibt das für BaWü ~9.490 Kartons für die Erstimpfung. Sortiert man nun die Stadt- und Landkreise nach Einwohnerzahl, so kann man die Kartons virtuell anteilig verteilen. Da nun nicht alle Kartons auf einmal geliefert werden, nimmt man den an Einwohnerzahl kleinsten Kreis als Einheitswert = 1 Karton und verteilt die vorhandene Lieferung anteilmäßig ( das macht die Tabellenkalkulation sogar alleine! ). Das ergibt dann eine Zahl von 202 Kartons in Gesamt-BaWü, die so angemessen aufgeteilt werden können und dies wären die Faktoren für unsere Gegend:
Landkreis Verteilungsfaktor
Hohenlohekreis 2 von 202
Heidenheim 2 von 202
Schwäbisch Hall 4 von 202
Göppingen 5 von 202
Ostalbkreis 6 von 202
Rems-Murr-Kreis 8 von 202

Die „Arbeit“ wird ein klein wenig komplizierter, wenn die „ZIZe“ bevorzugt werden und der Rest wegen Unter-/Überlieferung sich nicht glatt aufteilen lässt, aber auch da hilft die Tabellenkalkulation.
Eine „unterbrechungsfreie Berechnung“ der Zahlen sollte sich in einem Ministerium doch auch noch organisieren lassen, oder etwa nicht?
Wenn nun noch dazu das Sozialministerium bis Mitte März eine Lieferung von 450.000 AstraZeneca-Impfdosen erwartet, so ist es doch logisch, dass man bis Mitte März auch 450.000 Impftermine einplanen können muss und die vielfältigen Beschwerden zu Beginn des „Hase-Igel-Wettlaufs“ um die BioNtech-Pfizer-Termine sollten eine Warnung gewesen sein – wenn man zuhören will und kann. Dazu hilft ein weiterer Blick auf die Webseite der Landesregierung:
Es sind zwar nicht die neuesten Daten ( gut Ding will Weile haben, no ned hudle ), aber es wird die Zahl von ~120.000 Vollzeitlehrkräften in BaWü genannt. Nimmt man einen verwaltungstechnischen Schlupf von nur 100% an ( wegen „Vollzeit“ und so ), so müsste man sich auf einen Andrang von ( maximal impfwilligen ) rund 250.000 Personen einstellen, oder habe ich da falsch gerechnet?
Und vielleicht kommen ja auch noch die Tontäfelchen aus dem Bundesgesundheitsministerium mit den Planzahlen für die weiteren Lieferungen an, wer weiß?

In my humble opinion

Vorderhärtsfelder schrieb am 23.02.2021 um 23:18

Naja, aber eine Schulpflicht in die Musikschule gibt es nicht,  in eine allgemeinbildende oder berufliche Schule schon. Da darf es dann durchaus eine Unterscheidung geben.

Über wie viele Lehrer an Musikschulen reden wir denn, im Vergleich zur Zahl der "impfberechtigten" Lehrer?

Der Mangel an Impfstoff ist ein Problem, aber deswegen schelte ich nicht die Politik, obwohl sie da wahrlich keine Meisterleistung abgeliefert hat. Ich bin absolut verärgert darüber, dass diese luschenhafte Politik nicht mal den Mangel "richtig" verwalten kann, es sieht aus wie Flickschusterei, was da an Organisation abgeliefert wird. Da gewinnt der Spruch "auf Sicht fahren" eine neue Bedeutung, wenn der Blick anscheinend nicht mal über die eigene Nasenspitze hinaus reicht.

Und das Eigenlob mit "Land erweitert Impfstoffangebot" kommt ja nur dadurch zustande, dass man AstraZeneca hat und nun einen Grund für diejenigen unter 64 sucht, die man damit impfen kann. Dass da nebenbei noch der positive Effekt "Lehrer geimpft - Schule offen" herausspringt - ach, wer denkt denn da an ...

Und wann die sich die "impfberechtigten" alle ihre Impfung haben abholen können - ach, bleibt mir doch mit dieser schäbigen Realität weg ...

Vorderhärtsfelder

skibox schrieb am 23.02.2021 um 21:08

Ein echtes Rätsel, Lehrer ist Lehrer und da sollte und darf es keine Unterscheidung geben.  

Naja, aber eine Schulpflicht in die Musikschule gibt es nicht,  in eine allgemeinbildende oder berufliche Schule schon. Da darf es dann durchaus eine Unterscheidung geben.

skibox

Manuela Herbst schrieb am 23.02.2021 um 19:58

Ach wie schön und großartig dies doch klingt! Leider, ach leider, sieht die Realität ganz anders aus. Lehrer, welche an Musikschulen tätig sind und welche über die Kommunen angestellt sind, sind leider nicht impfberechtigt. So heute die Auskunft des Kultusministeriums. Also, sind diese quasi Lehrer 2. Klasse. Da stellt sich für micht die Frage, ist das Coronavirus, sofern es einen Musikschullehrer erwischt, dann ein musikalischer Mutant? Oder könnte man diesen einem anderen, quasi 1.klassigen Mutanten, sei er britisch oder afrikanisch, zuordnen? Entschuldigen Sie bitte diese Ironie. Für mich ist dies restlos unverständilich, da Personen, welche Kinder unterrichten, egal in welcher Einrichtung, dazu verpflichtet sind diese, egal wie, zu schützen. Vielleicht sieht dies das Kultusministerum anders oder gar der Gesundheitsminister. Es ist und bleibt mir ein Rätsel!

Ein echtes Rätsel, Lehrer ist Lehrer und da sollte und darf es keine Unterscheidung geben.  

Manuela Herbst

Ach wie schön und großartig dies doch klingt! Leider, ach leider, sieht die Realität ganz anders aus. Lehrer, welche an Musikschulen tätig sind und welche über die Kommunen angestellt sind, sind leider nicht impfberechtigt. So heute die Auskunft des Kultusministeriums. Also, sind diese quasi Lehrer 2. Klasse. Da stellt sich für micht die Frage, ist das Coronavirus, sofern es einen Musikschullehrer erwischt, dann ein musikalischer Mutant? Oder könnte man diesen einem anderen, quasi 1.klassigen Mutanten, sei er britisch oder afrikanisch, zuordnen? Entschuldigen Sie bitte diese Ironie. Für mich ist dies restlos unverständilich, da Personen, welche Kinder unterrichten, egal in welcher Einrichtung, dazu verpflichtet sind diese, egal wie, zu schützen. Vielleicht sieht dies das Kultusministerum anders oder gar der Gesundheitsminister. Es ist und bleibt mir ein Rätsel!

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