„Wühltisch-Welpen“ landen auf langen Wartelisten

Großer Andrang bei den Hundeschulen. Viele Deutsche haben sich im Lockdown ein Tier zugelegt.
  • Ein von der Polizei beschlagnahmter, illegal eingeführter Welpe. Foto: ---
Viele Hundeschulen in Deutschland registrieren derzeit eine wahre Flut von Anfragen für Welpenkurse. „Das sonst übliche Winterloch hat es diesmal nicht gegeben“, sagt die Bundesvorsitzende des Berufsverbandes zertifizierter Hundetrainer, Julia Dittmers. Und auch einen Schritt davor sei die Nachfrage riesig: „Bei Züchtern gibt es schon Wartelisten für Welpen, die noch gar nicht gezeugt wurden.“

„Wir müssen Anmeldungen für unsere Welpengruppe ablehnen, weil wir keinen Platz mehr haben“, sagt Dittmers, die in Posthausen bei Bremen eine Hundeschule leitet. Tierschutz- und Züchterorganisationen schätzen, dass die Zahl der Hunde in deutschen Haushalten allein im vergangenen Jahr um etwa 20 Prozent zugenommen hat. Experten führen das auf die Corona-Krise zurück, weil viele Menschen durch Homeoffice oder Kurzarbeit mehr Zeit zu Hause verbringen und dort einen Hund um sich haben wollen.

Dittmers warnt in diesem Zusammenhang vor überstürzten Kaufentscheidungen. „Ein Hund bedeutet Verantwortung für eine lange Zeit, wenn man Glück hat für 15 oder 16 Jahre“, betont die 49-jährige Expertin. Sie rät, sich schon vor dem Kauf in Hundeschulen beraten zu lassen. Die Hundetrainerin warnt außerdem vor „Wühltisch-Welpen“: „Gerade jetzt bei der großen Nachfrage während der Corona-Krise wird alles vermehrt, was nicht bei Drei auf den Bäumen ist und über Kleinanzeigen im Netz verkauft – auch dann, wenn die Tiere zu früh von der Mutter getrennt wurden oder nicht ordentlich geimpft sind.“

Dittmers empfiehlt deshalb, trotz höherer Preise nur bei zertifizierten Züchtern zu kaufen. „Und auch gleich mit der Erziehung anzufangen, wenn der Welpe in der Familie ist.“ Die Sozialisierungsphase der jungen Hunde müsse genutzt werden, um spätere Probleme zu vermeiden. „Es geht um Liebe, Grenzen und Konsequenzen“, bekräftige Dittmers, die eine Hundeerziehung nur anhand von Büchern oder Videos im Internet kritisch sieht. Für Ersthundebesitzer seien der Austausch und eine Anlaufstelle für die alltäglichen Fragen wichtig. „Schließlich hat jeder Hund seinen eigenen Charakter.“

Sie könne sich durchaus vorstellen, dass es als Corona-Effekt mit ungenügend ausgebildeten Hunden künftig mehr Unfälle gebe „und dass Hunde mit schlechtem Benehmen vermehrt im Tierheim landen.“ epd
© Südwest Presse 26.02.2021 07:45
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