Golden Globe

„Man muss auch noch Luft nach oben haben“

Die zwölfjährige Helena Zengel ist für den Golden Globe nominiert. Karriere und Schule verbindet die Berlinerin ganz entspannt, wie sie im Gespräch berichtet.
  • Szene aus „Neues aus der Welt“: Helena Zengel könnte die Rolle an der Seite von Tom Hanks einen der wichtigsten Filmpreise weltweit in der Kategorie „Beste Nebendarstellerin“ einbringen. Foto: Bruce W. Talamon/Universal Pictures/Netflix
Mit zwölf Jahren auf dem Sprung in den Hollywood-Olymp: Das ist der Berliner Schülerin Helena Zengel mit ihrer Golden-Globe-Nominierung in der Kategorie „Beste Nebendarstellerin“ gelungen. Zengel spielt an der Seite von Tom Hanks im Western „Neues aus der Welt“ eine Waise, die beim indigenen Stamm der Kiowa aufwächst. Die Nachwuchsschauspielerin gibt eine Woche vor der Verleihung routiniert ein Zoom-Interview nach dem anderen. Weil sie aufgrund ihres Alters nur eine begrenzte Zeit arbeiten darf, gibt es an einem Samstag für jedes Medium auf die Sekunde genau zehn Minuten Fragezeit. Im Gespräch berichtet Helena, wie sie Schauspielerei und Homeschooling verbindet und wie sie die Golden-Globe-Verleihung am 28. Februar erleben wird.

Erst einmal: Glückwunsch, Helena! Deine Karriere macht riesige Sprünge: Mit elf Jahren hast du den Deutschen Filmpreis gewonnen, jetzt hast du Chancen auf den Globe. Wie erklärst du dir deinen Erfolg?

Helena Zengel : Ich denke, ein bisschen Talent habe ich wohl – zum anderen Fleiß, Disziplin und Spaß daran. Ich glaube, ich bin zur Schauspielerin geboren, das ist mein Schicksal, und ich habe es mir gegriffen.

Hattest du je Schauspielunterricht?

Nein.

Wie hast du angefangen?

Eine Freundin meiner Mama besitzt eine Agentur. Irgendwann haben wir bei einem Gespräch beschlossen: Lass uns die Schauspielerei doch einmal ausprobieren. Ich war immer quirlig und habe Aufmerksamkeit geliebt, gerne performt, gesungen, mit einer Freundin Shows für die Eltern eingeübt.

Bewirbst du dich aktiv auf Castings oder lässt du die Anfragen zu dir kommen?

Nein, ich bewerbe mich nicht. Casting-Anfragen kommen auf uns zu, oder meine Agentur schlägt mich vor.

Wirst du in diesem Jahr wieder vor der Kamera stehen?

Ich darf noch nichts verraten, aber ihr werdet es früh genug wissen.

Du bist ganz schön beschäftigt: Homeschooling, deine Schauspielkarriere, dein Pferd, dein eigener Podcast – und jetzt schreibst du auf der Schreibmaschine, die Tom Hanks dir geschenkt hat, ein Buch. Wie bringst du das alles unter einen Hut?

Ich mache, worauf ich Lust habe. Meine Schule geht bis 14, 15 Uhr, dann habe ich den Nachmittag frei für mein Pferd, Projekte oder Interviews. Anderen aus seinem Leben zu erzählen, ist ja nichts Anstrengendes. Für Filmdrehs werde ich befreit, und ansonsten bin ich Schulkind, ich habe auch sehr gute Noten, das ist kein Problem.

Wie gehen deine Freunde mit deiner Karriere um?

Die freuen sich, sind neugierig, haben Fragen, die ich gerne beantworte.

„Neues aus der Welt“ kam wegen der Pandemie nicht ins Kino, die Premiere fiel aus. Du bist mit Streaming-Diensten aufgewachsen: Ist die Erstveröffentlichung bei Netflix für dich ein gleichwertiger Ersatz?

Nein. Ich finde es sehr schade. Klar, viele Leute sehen ihn auf Netflix, aber es ist ein Film für die große Leinwand. Ich freue mich, wenn er irgendwann im Kino läuft. Hoffentlich können wir die Premierenfeier, wenn wir uns an die Regeln halten, nachholen.

Du bist neben Amanda Seyfried, Olivia Colman, Glenn Close und Jodie Foster für den Golden Globe nominiert. Mit welcher der Konkurrentinnen würdest du gern einmal drehen?

Klar, wer würde nicht gerne mit Jodie Foster drehen? Ich möchte gern mit allen Schauspielern arbeiten. Das Wichtigste ist, dass man Spaß hat und einem die Rolle gefällt. Dann ist es egal, wer neben dir steht.

Wie wirst du mit deiner Familie die Nacht der Verleihung verbringen?

Wir werden uns erst einmal vorher hinlegen, damit wir ausgeschlafen sind, dann einen schönen Abend haben, die Verleihung anschauen, Spaß haben und gewinnen oder nicht gewinnen.

Und wenn du gewinnst?

Ich werde wahrscheinlich tot umfallen oder die ganze Nacht durchs Zimmer springen. Wenn es nicht klappt, freue ich mich für die anderen. Die Nominierung ist schon der Preis – man muss auch noch Luft nach oben haben.
© Südwest Presse 26.02.2021 07:45
105 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.

Anmeldung zum E-Mail-Newsletter aus der Redaktion

Die wichtigsten und interessantesten Meldungen des aktuellen Tages aus der Redaktion direkt in Ihr E-Mail-Postfach – täglich und kostenlos jeden Abend.

Jetzt kostenlos anmelden

Aktuelle Meldungen direkt auf Ihr Handy