Glosse

Meeresmüll als Lebensretter

  • Plastikverschmutzung in der Meeresumwelt: Fische können Plastiktüten essen. Foto: ©Tanya Sid/shutterstock
Eigentlich ist dem Müll in den Ozeanen nichts Positives abzugewinnen. Aber für einen Ingenieur, der im Pazifik über Bord seines Schiffes gegangen ist, war eine alte unbefestigte Schiffsboje die Rettung in Not.

An seinen Sturz kann sich der Mann kaum erinnern. Aber nicht etwa, weil er betrunken war, sondern weil er im Maschinenraum Öl gepumpt hatte und – wie sein Sohn später berichtet – danach etwas benebelt war. Ohne Rettungsweste wollte er frische Luft schnappen, fiel von Bord und fand sich um vier Uhr morgens allein im dunklen Pazifik wieder – sein Schiff außer Schichtweite. Am Horizont habe er dann einen „schwarzen Punkt“ gesehen und sei einfach drauf los geschwommen. Was sich später als eine alte Boje entpuppte, rettete dem Mann das Leben. Ganze 14 Stunden hielt er sich an dem Stück Plastik bis zu seiner Rettung fest.

Und sein Schiff? Bis die Crew, mitsamt dem Sohn, merkte, dass ihr Ingenieur fehlte, vergingen sechs Stunden. Verständigte Flugzeuge der französischen Armee starteten die Suche von Tahiti aus, Meteorologen berechneten, wohin der Wind den verlorenen Seemann getrieben haben könnte. Letztlich war es aber sein eigenes Schiff, das ihn schwach winkend, rufend und an die alte Boje geklammert fand.

Ein Plädoyer für mehr lebensrettenden Müll auf den Meeren wäre dann aber wohl doch übertrieben. Eine etwas höhere Reling hätte schließlich auch gereicht. Laura Liboschik
© Südwest Presse 26.02.2021 07:45
151 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.

Anmeldung zum E-Mail-Newsletter aus der Redaktion

Die wichtigsten und interessantesten Meldungen des aktuellen Tages aus der Redaktion direkt in Ihr E-Mail-Postfach – täglich und kostenlos jeden Abend.

Jetzt kostenlos anmelden

Aktuelle Meldungen direkt auf Ihr Handy