Porsche Tennis Grand Prix in Stuttgart

„Den Fans ein Erlebnis bieten“

Im April soll die Weltspitze in Stuttgart antreten. Markus Günthardt über die Schwierigkeiten, ein Turnier in Pandemie-Zeiten zu organisieren.
  • Markus Günthardt ist Turnierdirektor des Tennis Porsche Grand Prix in Stuttgart. Foto: Porsche AG
Beim Porsche Tennis Grand Prix in Stuttgart schlagen vom 17. bis 25. April die besten Spielerinnen der Welt auf. Turnierdirektor Markus Günthardt über den aktuellen Stand der Vorbereitungen und die Herausforderung, in Zeiten von Corona ein Weltklasse-Event zu organisieren.

Herr Günthardt, wie sehen Sie sich in diesen Zeiten der Pandemie – als Turnierdirektor oder als Krisenmanager?

Markus Günthardt: Obwohl sich der Fokus durch Corona sehr gewandelt hat, fühle ich mich immer noch als Turnierdirektor. Die Pandemie hat vieles in den Hintergrund gedrängt und ist inzwischen ein wesentlicher Bestandteil des Turniers. Für mich und das ganze Team ist das eine große Herausforderung.

Wie laufen die Vorbereitungen?

Alles läuft nach Plan. Wir haben ein hervorragendes Hygienekonzept entwickelt und sind bestens darauf vorbereitet, für alle Beteiligten möglichst sichere Verhältnisse zu schaffen. In Stuttgart haben wir das Glück, dass uns neben der Porsche-Arena auch die danebenliegende Schleyer-Halle zur Verfügung steht. Die zusätzlichen Räumlichkeiten auf verschiedenen Ebenen machen es einfacher, Laufwege zu trennen und Abstandsregeln einzuhalten. Die Spielerinnen wohnen gleich nebenan im Hotel und haben alles, was sie benötigen. Sie kommen nur zum Training und zu den Matches in die Halle.

Wodurch wird sich der Porsche Tennis Grand Prix 2021 von seinen Vorgängern unterschieden?

Wir werden ein komplett neues Turnier erleben. Normalerweise ist die Porsche-Arena fast jeden Tag ausverkauft. Die Zuschauer sorgen für eine tolle Stimmung. Die Spielerinnen lieben es, vor dem begeisterten Publikum zu spielen. Da wir diesmal nur wenige, vielleicht sogar gar keine Fans in der Halle haben werden, wird die Atmosphäre nicht die gleiche sein. Das tut mir leid für die Spielerinnen. Wir werden uns aber bemühen, für sie eine vertraute Umgebung zu schaffen.

Wird die sportliche Qualität des Grand Prix durch Corona leiden?

Danach sieht es zum Glück nicht aus. Im Gegenteil: Zahlreiche Topstars haben uns bereits jetzt ihre Teilnahme zugesagt, darunter mit Ashleigh Barty, Naomi Osaka und Simona Halep die Top 3 der Weltrangliste. Natürlich wird auch Angelique Kerber als zweimalige Stuttgart-Siegerin wieder dabei sein. Ich gehe davon aus, dass wir ein hervorragendes Starterfeld haben werden.

Auf was können sich die Fans freuen, auch wenn sie das Turnier nicht live in der Halle erleben können?

Wir unternehmen große Anstrengungen, um allen Tennisfans ein virtuelles, aber trotzdem möglichst reales Turniererlebnis bieten zu können. So werden wir beispielsweise zusätzliche Kameras mit völlig neuen, ungewöhnlichen Perspektiven in der Halle installieren. Insgesamt legen wir großen Wert darauf, die Fans rund um den Globus über die digitalen und sozialen Plattformen so gut es geht an unserem Turnier teilhaben zu lassen.

Wie oft mussten Sie durch die Pandemie Ihre Planungen über den Haufen werfen?

Wir haben von Anfang an vorausschauend geplant. So haben wir zum Beispiel bereits im vergangenen Dezember entschieden, auf unsere VIP-Lounge zu verzichten. Dadurch konnten wir schon früh ein tragfähiges Basiskonzept erstellen, das uns Sicherheit und Flexibilität gab. Natürlich ist immer noch alles in Bewegung, weil sich die Vorgaben ständig ändern. Wir stehen im ständigen Austausch mit den Behörden und der Spielerinnenvereinigung WTA. Durch die gute Vorarbeit sind wir in der Lage, uns neuen Gegebenheiten schnell und ohne allzu großen Aufwand anzupassen.

Welche Rückendeckung bekommen Sie in dieser schwierigen Zeit von Porsche als Hauptsponsor und Veranstalter?

Porsche steht voll hinter dem Turnier und sieht es als Teil seiner gesellschaftlichen Verantwortung, seine Austragung gerade auch in diesen Zeiten zu ermöglichen. Damit will das Unternehmen nicht nur den Tennisfans ein Stück Normalität zurückgeben. Dieses Engagement für den Sport und die Menschen, die ihn lieben, spüren die Spielerinnen und die Fans. Es ist eine große Motivation für alle Beteiligten.

Angelique Kerber ist seit Jahren eine große Nummer beim Porsche Tennis Grand Prix. Was sagen Sie zu ihrem Saisonstart bei den Australian Open?

Ihr Ausscheiden gleich in der ersten Runde in Melbourne hat mich, ehrlich gesagt, gar nicht überrascht. Angelique Kerber ist eine Spielerin, die im Match über ihre Physis kommen und sich die Siege erarbeiten muss. Dadurch, dass sie zwei Wochen im Hotelzimmer eingesperrt war, hatte sie bei weitem nicht die Vorbereitung, die sie gebraucht hätte, um erfolgreich in ein Grand-Slam-Turnier starten zu können. Aber sie wird zurückkommen, da bin ich sicher.

Welche Hoffnungen und Erwartungen haben Sie rund ums Turnier?

In erster Linie hoffe ich natürlich, dass die Corona-Zahlen bis April auch in Deutschland noch weiter heruntergehen. Ansonsten habe ich vollstes Vertrauen in unser Team. Wir haben ein sehr gutes Konzept. Was möglich war, haben wir getan. Das ist eine hervorragende Basis für ein erfolgreiches Turnier.
© Südwest Presse 26.02.2021 07:45
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