Die Medizintechnik soll helfen

Nach einem schlechten Jahr geht der Blick beim Maschinen- und Anlagenbauer in eine Richtung – nach vorn.
  • Das Logo der Dürr AG klebt auf einem Roboter. Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Zehe, Fuß, Bein? Es gab viele Größenbezeichnungen bei der Bilanzvorstellung für die noch junge Medizintechnik-Sparte des Maschinen- und Anlagenbauers Dürr. Ziel sei es, das noch schwache Standbein zu einem „wesentlichen Element auszubauen“, sagte etwa der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Jochen Weyrauch. Bislang steht der Name Dürr vor allem für Lackieranlagen in der Fahrzeugindustrie. Die Tochter Homag ist dagegen in der Holzbearbeitung aktiv.

Um auf dem neuen Feld der Medizintechnik stark zu werden, wurde die Teamtechnik Maschinen und Anlagen GmbH übernommen. Noch werden in diesem Bereich um die 40 Millionen Euro Umsatz gemacht, in fünf Jahren soll der Millionenbetrag dreistellig sein. „Das Automatisierungsgeschäft soll gemeinsam mit Teamtechnik ausgebaut werden“, kündigte Vorstandschef Ralf Dieter an. Weltweit werden Medizinprodukte wie Injektionsprodukte, Aids-Tests, Infusionszubehör und Inhalatoren in großen Stückzahlen benötigt.

Dürr will dem neuen Partner im Gegenzug einen besseren Zugang zu Automobilherstellern ermöglichen. Teamtechnik ist auch bei Elektromobilität aktiv, etwa bei Prüfungen von Elektroantrieben, Hybridgetrieben und Batteriemodulen. Ein Bereich, der Dürr 2020 Freude machte.

2021 will Dürr den Umsatz von 3325 auf 3450 bis 3650 Mio. EUR erhöhen. Politik und Pandemie machten einen exakten Ausblick schwierig. „Wir wollen ab 2021 profitabel wachsen“, fasste Dieter zusammen. Dazu sollen auch Einsparungen von rund 60 Millionen EUR beitragen. In den vergangenen Jahren wurden erst einmal 100 Millionen Euro in Kostenreduzierungen investiert. So fallen etwa 600 Stellen im europäischen Automobilgeschäft weg. Ende vergangenen Jahres beschäftigte das Unternehmen weltweit 16 500 Menschen, davon 7900 in Deutschland. Aktuell werden 17 300 Mitarbeiter gezählt. Der Zuwachs erklärt sich durch den jüngsten Zukauf.

Das börsennotierte Unternehmen will die Folgen der Pandemie schnell hinter sich lassen. „Es war kein einfaches Jahr für uns“, sagte Finanzchef Dietmar Heinrich. „Trotzdem haben wir uns gut behauptet.“ Der Umsatz sank um 15 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro. Auch beim Auftragseingang musste Dürr 2020 herbe Einbußen hinnehmen, er sackte um ein Fünftel auf 3,3 Milliarden Euro ab. Unterm Strich stand ein Verlust von rund 14 Millionen Euro, nachdem Dürr ein Jahr zuvor noch einen Überschuss von knapp 130 Millionen Euro erwirtschaftet hatte. Dieter: „Der Auftragseingang im neuen Jahr hat sich gut entwickelt. Wir sind zuversichtlich.“ Thomas Veitinger
© Südwest Presse 26.02.2021 07:45
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