Freie Fahrt ins Ungewisse

Das Lkw- und Bus-Geschäft des Autobauers soll im Alleingang mehr Geld einbringen. Vorstandschef Martin Daum will die Sparte profitabler machen – mit Partnerschaften und Stellenabbau.
  • Ein Bild aus dem vergangenen Jahr: Journalisten nehmen einen Mercedes-Benz Actros im Windkanal in Augenschein. Foto: Marijan Murat/dpa
Wir sehen Licht am Ende des Tunnels.“ Der Daimler Truck-Chef Martin Daum blickt optimistisch in die Zukunft der Lkw- und Bussparte des Stuttgarter Automobilkonzerns. Für die Regionen Nordamerika und Europa rechnet der Konzern mit einem deutlichen Anstieg der Märkte. Eine positive Entwicklung ist nach dem Pandemie-Jahr 2020 auch wichtig für den Bereich, der noch in diesem Jahr als eigenständige Aktiengesellschaft an die Börse gehen soll. Denn Geld braucht Daimler Truck, um neue Antriebstechnologien wie Batterie und Wasserstoff weiter voranzubringen. „Zum einen wollen wir unser Ertragspotenzial voll ausschöpfen“, betonte Daum bei einer Pressekonferenz am Donnerstag. „Zum anderen wollen wir die Transformation unserer Industrie von der Spitze weg gestalten.“

Die angestrebte Trennung vom Automobilkonzern hat Daum zufolge durchaus Vorteile für die Bus- und Truck-Sparte. „So kann jeder Bereich die Transformation auf seinem eigenen Weg umsetzen und erfolgreicher werden. Wir werden flexibler und können agiler arbeiten.“ Bislang mache das Standardgeschäft mit Dieselfahrzeugen 90 Prozent des Umsatzes und 100 Prozent des Gewinns aus. Um auch künftig erfolgreich arbeiten zu können, sei es jedoch wichtig, weiter massiv in die Entwicklung der alternativen Antriebe zu investieren, die bisher lediglich 10 Prozent des Umsatzes ausmachten. „Wir wollen das aus eigener Kraft bezahlen und trotzdem eine attraktive Firma bleiben“, sagte Daum.

Deshalb müssten vor allem auch in Europa die Effizienz gesteigert und die Kosten gesenkt werden. Dass der Wandel hin zu mehr Elektromobilität Arbeitsplätze koste, sei nicht von der Hand zu weisen. „Das ist aber keine Katastrophe“, sagte Daum mit Blick auf den demografischen Wandel. Es gelte nun jedoch, sich auch in der Ausbildung auf die neuen Gegebenheiten einzustellen. „Es wäre fahrlässig, sich nicht darauf vorzubereiten.“ Entlassungen seien nicht geplant. Letztlich laute das Ziel aber: „Gleicher Output mit weniger Mitarbeitern“.

Geld will Daum auch an anderer Stelle einsparen: Mittelschwere Motoren, die etwa in leichten und mittelschweren Lkw, Stadt- und Überlandbussen zum Einsatz kommen, werden künftig nicht mehr im eigenen Unternehmen entwickelt und gebaut, sondern vom US-Motorenbauer Cummins – allerdings am Daimler-Standort in Mannheim. „Davon können wir sehr profitieren“, ist Daum überzeugt. Die Vorteile der Partnerschaft zeigten sich jedoch nicht „morgen, aber übermorgen“.

Während Daimler Truck mit batterieelektrischen Modellen bereits auf dem Bus- und Lkw-Markt ist, erwartet Daum eine Serienproduktion im Wasserstoffbereich frühestens Mitte des Jahrzehnts. Für die serienreife Entwicklung der Brennstoffzelle ist eine Kooperation mit dem Autobauer Volvo geplant. „Bislang galt hier mit Blick auf Produkt und Infrastruktur immer das Henne-Ei-Problem.“ Während bei der Infrastruktur für Batterieantriebe die Kosten erst mit steigender Verbreitung steil nach oben gingen, sei die Bereitstellung von Wasserstoff anfangs sehr teuer.

Um das Thema voranzubringen unterhält Daimler Partnerschaften etwa zu Linde, Shell oder BP. „Bei Wasserstoff geht es um Milliardenprojekte“, sagte Daum. das könne Daimler Truck alleine nicht anstoßen. „Das geht über unsere Möglichkeiten und die Infrastruktur ist auch nicht unsere Kompetenz.“
© Südwest Presse 26.02.2021 07:45
183 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.

Anmeldung zum E-Mail-Newsletter aus der Redaktion

Die wichtigsten und interessantesten Meldungen des aktuellen Tages aus der Redaktion direkt in Ihr E-Mail-Postfach – täglich und kostenlos jeden Abend.

Jetzt kostenlos anmelden

Aktuelle Meldungen direkt auf Ihr Handy