Schwieriger dritter Anlauf

Erik Thommy war lange Zeit außen vor. Nun wollte er es wieder wissen, wird aber erneut von einer Verletzung zurückgeworfen.
  • Muss einiges verkraften: Flügelmann Erik Thommy (rechts, im Spiel gegen Hertha BSC) vom VfB Stuttgart. Foto: Ralph Orlowski/dpa
Es hat eine Zeit beim VfB Stuttgart gegeben, da dürfte sich Erik Thommy ein wenig wie das fünfte Rad am Wagen gefühlt haben. Allzu lange her ist das noch nicht: Schließlich hielt sich in der vergangenen Sommertransferperiode das Gerücht, der russische Spitzenclub Dynamo Moskau sei an einer Verpflichtung des flinken Außenstürmers interessiert. Von einer Einbürgerung im Eilverfahren samt Engagement in der russischen Nationalmannschaft war gar die Rede, schließlich waren die Eltern Thommys, der in Ulm geboren wurde und in der Nähe der Donaustadt aufwuchs, einst aus Russland eingewandert.

Aus dem Wechsel des Erik Thommy an die Moskwa ist nichts geworden, was auch mit dem Nachmittag des 22. August 2020 zu tun haben dürfte. Im Testspiel gegen den FC Liverpool (0:3) krachte Tommy in eine Werbebande. Folge: ein Bruch des Ellenbogens. Zwei operative Eingriffe wurden nötig.

Nach langer Leidenszeit ist Thommy zurück: „Ich bin glücklich. Nach einer so langen Pause weiß man das ganz besonders zu schätzen“, sagt der 26-Jährige. Vor zwei Wochen absolvierte der Außenstürmer beim 1:1 gegen Hertha BSC sein erstes Saisonspiel in der Startelf. Nun, vor dem nächsten Heimspiel gegen Schalke an diesem Samstag (15.30 Uhr/Sky), muss Thommy den nächsten Rückschlag einstecken. Grund: Der 26-Jährige hat sich im Training eine Zerrung der Hüftbeugermuskulatur zugezogen. Erneut wird Thommy einige Wochen ausfallen.

Trainer Pellegrino Matarazzo kann das gar nicht gefallen. Er schätzt Thommy, sagte: „Erik ist ein Musterprofi.“ Matarazzo attestierte dem Flügelmann im Spiel gegen die Hertha eine gute Leistung – trotz der ungewohnt zentraleren Rolle an der Seite von Philipp Förster. „Ich war mit dem Trainer immer in engem Austausch und habe ihm gesagt, dass ich gleich Vollgas gebe und der Mannschaft helfen will“, sagt Thommy. „Ich bin ein sehr ehrgeiziger Spieler und freue mich, wenn ich das Vertrauen des Trainers bekomme.“ Nun wird sich der 26-Jährige wieder gedulden und seine Muskelblessur auskurieren müssen. Die Frage, die sich unweigerlich aufdrängt: Wird sich der ehemalige Augsburger, der im Winter 2018 von Manager Michael Reschke geholt wurde, im dritten Anlauf beim VfB durchsetzen?

Häufig wurde Thommy verschmäht. Auch, weil er in puncto Effektivität deutliche Mängel zeigte. Nach dem Abstieg des VfB 2019 folgte für den schnellen Flügelmann daher eine einjährige Leihe zu Fortuna Düsseldorf. Zwar stiegen auch die Rheinländer ab, doch für Thommy war es mit 34 Erstligaeinsätzen, sechs Toren und fünf Vorlagen trotzdem eine erfolgreiche Saison.

Allerdings läuft der Vertrag des Rechtsfußes 2022 aus – und eine vorzeitige Verlängerung zeichnet sich nicht ab. Ändert sich am Status quo nichts, hätte der VfB nach Saisonschluss letztmals die Möglichkeit, für Thommy eine Ablöse zu erzielen. Dessen Marktwert liegt aktuell bei 4,5 Millionen Euro. Ein Preis, der in Pandemiezeiten aber kaum zu erzielen sein wird.

Der VfB-Profi weiß aber einen gewieften Berater an seiner Seite: Volker Struth, der auch Topstars wie Toni Kroos berät. Doch Thommy sagt: „Ich möchte hier bleiben, fühle mich bei dem Trainer und der Mannschaft sehr gut aufgehoben. Was im Sommer ist, wird auch von meiner Leistung abhängen.“

Gegen Schlusslicht klarer Favorit

Unterdessen befindet sich Pellegrino Matarazzo in einer komfortablen Situation. Der Trainer des VfB Stuttgart muss sich nicht mit der Tabelle der Fußball-Bundesliga beschäftigen. Er schaue nur „sehr wenig“ drauf, sagt Matarazzo. Elf Punkte trennen den Zehnten vom Abstiegs-Relegationsplatz. Der angepeilte Klassenverbleib scheint so gut wie sicher. Und am Samstag (15.30 Uhr/Sky) kommt der hoffnungslos am Tabellenende leidende FC Schalke 04 nach Stuttgart.

Gegen die seit Monaten taumelnden Schalker geht der VfB als klarer Favorit ins Spiel. Trotzdem warnt Matarazzo vor dem Revierklub. „Ich erwarte eine Mannschaft, die sich wehrt“, sagte er. Neben Erik Thommy fällt für das Schalke-Spiel auch VfB-Flügelstürmer Tanguy Coulibaly (Knie) verletzt aus.
© Südwest Presse 27.02.2021 07:46
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