Interview

„Aufregung war absehbar“

  • Kommunikationswissenschaftler Bernd Blöbaum. Foto: Uni Münster
Gerade bei der Kommunikation zum Impfstoff von Astra-Zeneca sei einiges schiefgelaufen, sagt Bernd Blöbaum, Professor für Kommunikationswissenschaft an der Universität Münster.

Was ist bei der Information zu Astra-Zeneca falsch gemacht worden?

Bernd Blöbaum: Die Politik, einige Experten, aber auch Medien haben sich am Anfang zu stark mit der vermeintlich beeinträchtigten Wirksamkeit des Impfstoffs befasst. Damit haben sie eine Art Ranking der Impfstoffe in den Raum gestellt, das viele Bürgerinnen und Bürger verunsichert hat. Dass sich so Aufregung breitmacht, war eigentlich absehbar.

Sollte sich die Kanzlerin jetzt selbst mit Astra-Zeneca impfen lassen, um ein Zeichen zu setzen?

Nein. Das wäre dann eher ein Zeichen dafür, dass sie bevorzugt geimpft würde, und das wäre kein gutes Signal.

Geht es noch um Argumente, oder überwiegen jetzt, da der Lockdown schon lange anhält, die Emotionen?

Zu Beginn gab es eine sehr hohe Bereitschaft, sich an die Empfehlungen der Bundesregierung zu halten. Allerdings ist die Unzufriedenheit gewachsen. Sie macht sich derzeit an vielen Einzelheiten fest, etwa daran, warum Friseure aktiv werden dürfen, und warum man manche Sportarten ausüben darf und andere nicht.

Es fällt schwer, den Überblick zu behalten, was wo gerade erlaubt ist.

Ja. Wir erleben eine große Vielstimmigkeit, die aber nicht schlecht sein muss. Gerade der Austausch von Argumenten und das Diskutieren verschiedener Varianten sind eine gute Grundlage dafür, um am Ende auf der Grundlage des jeweils aktuellen besten Wissens sinnvolle informierte Entscheidungen zu treffen.

Welche Kommunikationsfehler dürfen nicht mehr passieren?

Man darf nicht zu pessimistisch kommunizieren, sondern man muss Perspektiven anbieten. Und man sollte nicht noch einmal die Qualität zugelassener Impfmittel bezweifeln. Die sind schließlich alle umfangreich geprüft und zugelassen. Michael Gabel
© Südwest Presse 03.03.2021 07:45
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