Corona Impfung BW

Run auf die Kühlschränke

Die Termine für Impfungen mit Astrazeneca sind auf Wochen ausgebucht. Schwierig bleibt die Lage aber bei älteren Menschen und Heimbewohnern.
  • Ein Großteil der Impfdosen von Astrazeneca in den Kühlschränken des Landes ist bereits für Impftermine verplant. Foto: Liselotte Sabroe/Ritzau Scanpix/AFP
Der Impfstoff von Astrazeneca lagert weiterhin zu einem großen Teil in den Kühlschränken des Landes. Laut Sozialministerium wurden von den bisher gelieferten 278 000 Impfdosen bis einschließlich Montag knapp 58 000 verimpft. Weitere knapp 149 000 Impfdosen des britisch-schwedischen Herstellers sind laut Ministerium auf dem Weg nach Baden-Württemberg, knapp 179 000 Impfdosen sollen noch in dieser Woche ausgeliefert werden.

Die Bestände in den Kühlschränken dürften aber laut Ministerium bald zurückgehen. Insgesamt gebe es keine Probleme, das Vakzin von Astrazeneca zu verimpfen. Den Lieferungen stünden rund eine Million Menschen zwischen 18 und 64 Jahren gegenüber, die seit vergangener Woche ebenfalls impfberechtigt sind – zum Beispiel Lehrerinnen und Erzieherinnen. Insgesamt wurden am Montag laut Robert Koch-Institut im Südwesten knapp 20 000 Erstimpfungen und knapp 7000 Zweitimpfungen verabreicht.

Direkte Lieferungen an Kliniken

Die Nachfrage nach Terminen sei sehr hoch, sagt der Sprecher des Sozialministeriums. Zeitweise gebe es bei der Hotline kein Durchkommen mehr: „Alle verfügbaren Termine für die kommenden drei Wochen sind quasi ausgebucht.“ Man gehe deswegen davon aus, dass sich die Menge des Astrazeneca-Impfstoffs in den Kühlschränken der Kliniken und der Impfzentren schnell reduzieren werde.

Rund 76 000 Impfdosen wurden direkt an die Krankenhäuser im Südwesten geliefert, die damit ihr Personal impfen sollen. „Bei diesem Impfstoff gehen wir davon aus, dass viel bereits verimpft wurde, aber noch nicht in der Statistik auftaucht“, sagt ein Sprecher von Sozialminister Manfred Lucha (Grüne). Das liege daran, dass die Impfungen zwar in den Kliniken verabreicht , aber in den Impfzentren statistisch erfasst würden. Es komme zu Verzögerungen bei der Datenweitergabe.

Im Klinikum Stuttgart, einem der größten Krankenhäuser Baden-Württembergs, wird bereits intensiv mit dem Impfstoff von Astrazeneca geimpft. „Die Impfung unserer Mitarbeiter läuft, und sie läuft gut“, sagt ein Sprecher des Klinikums. Die Impfbereitschaft der Mitarbeiter sei groß: „Wir bieten im Klinikum separate Termine für unsere Mitarbeiter an, die auch sehr gut angenommen werden.“

Das Sozialministerium verweist allerdings darauf, dass Kliniken ihre Mitarbeiter aus gutem Grund nur nach und nach impfen: „Die Impfungen mit Astrazeneca sind oft mit relevanten Impfreaktionen verbunden“, sagt Luchas Sprecher. Diese seien ein Zeichen dafür, dass der Impfstoff wirke und eine Immunantwort auslöse, könnten aber auch zu Krankschreibungen führen. „Deshalb müssen die Impfungen so organisiert werden, dass immer nur ein kleiner Teil der Mitarbeiter geimpft wird, um die Arbeitsfähigkeit der Häuser aufrecht zu erhalten.“

Schwierig ist die Situation weiterhin bei der stark gefährdeten Gruppe der über 80-Jährigen und der Pflegeheimbewohner, die bislang mit dem Astrazeneca-Vakzin nicht geimpft werden dürfen. Die Impfstoffe von Biontech und Moderna sind laut Ministerium weiter knapp, man rechne erst im Verlauf des zweiten Quartals mit deutlich wachsenden Mengen. Bislang sei in dieser Gruppe rund die Hälfte der Menschen geimpft worden.

Bei der evangelischen Heimstiftung, die in Baden-Württemberg nach eigenen Angaben 156 Einrichtungen, darunter 86 Pflegeheime, betreibt, sieht man aber auch Probleme bei der Impforganisation. Wir sehen noch immer keine Strategie, wie es das Land schaffen will, alle Pflegeheimbewohner bis Mitte März geimpft zu haben“, sagte eine Sprecherin dieser Zeitung.

In den Pflegeheimen der Heimstiftung haben bislang zwar 82 Prozent aller Bewohner eine erste Corona-Impfung erhalten – die Zweitimpfung haben aber bislang nur rund 50 Prozent bekommen. Beim Personal sieht die Quote noch deutlich schlechter aus. Der Sprecherin zufolge haben 50 Prozent die erste und 30 Prozent die zweite Impfung bekommen.

Probleme bereiten außerdem Neuzugänge und Bewohner, die beim Besuch des mobilen Impfteams nicht geimpft werden konnten – aus welchen Gründen auch immer. Diese Menschen impfen zu lassen, sei sehr schwierig, weil die mobilen Impfteams erst in die Einrichtungen kämen, wenn genügend Impflinge zusammenkämen, erklärt die Sprecherin. „Uns wäre sehr geholfen, wenn auch die Hausärzte impfen könnten“, sagt sie. Erst dann könne man auch über Lockerungen der strengen Regeln in den Heimen nachdenken.

Weil in Baden-Württemberg nun deutlich mehr Menschen einen Anspruch auf eine Impfung haben als in anderen Bundesländern, schiebt das Land Impftourismus nun einen Riegel vor. Menschen unter 65 Jahre, die in Baden-Württemberg bereits impfberechtigt wären, aber etwa aus Bayern oder aus Rheinland-Pfalz oder Hessen stammen, werden laut Sozialministerium derzeit abgewiesen.
© Südwest Presse 03.03.2021 07:45
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