Nach TV-Duell geht Streit in Verlängerung

Sender ohne Empfänger? Grüne und CDU streiten sich hart über eine Aussage von Susanne Eisenmann.
  • Fordert eine Entschuldigung: Grünen-Chefin Sandra Detzer. Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Grünen-Landeschefin Sandra Detzer hat am Dienstag eine Entschuldigung der CDU-Spitzenkandidatin Susanne Eisenmann eingefordert. Die 56-Jährige hatte am Montagabend im TV-Duell des Südwestrundfunk mit dem grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann gesagt, sie habe ein Impulspapier des Staatsministeriums zum weiteren Vorgehen in der Pandemie nicht erhalten, sondern davon nur aus der Presse erfahren. „Es ist ihr per Mail geschickt worden. Darüber kann nun gar kein Zweifel bestehen“, konterte Kretschmann am Dienstag. Schon am Montagabend hatte sein Sprecher an Journalisten Fotos verschickt, die das belegen sollen.

Damit habe Eisenmann vor hunderttausenden Zuschauern des vom SWR ausgestrahlten Duells „die Unwahrheit“ gesagt, um Kretschmann in ein schlechtes Licht zu rücken, monierte Detzer. Sie fordere Eisenmann daher auf, sich für diese „Falschaussage“ zu entschuldigen.

Eisenmann widerspricht

Eisenmann indes blieb auch am Dienstag bei ihrer Darstellung. „Bei Ministerin Eisenmann ist das Impulspapier nie eingegangen. Auch ihr Büroleiter lässt ausrichten, bei ihm sei am Donnerstagabend keine Mail aus dem Staatsministerium angekommen“, teilte ein Sprecher des Kultusministeriums mit – um dann mit dem Finger auf Kretschmanns Regierungszentrale zu zeigen: „Grundsätzlich empfiehlt sich, Schreiben an eine Ministerin oder einen Minister auch an diese zu schicken – per Mail wie auch auf dem Postweg.“ Indirekt unterstellte damit Eisenmanns Kultusministerium den Grünen, selbst nicht die Wahrheit zu sagen. Wie zuvor schon Kretschmann tat die CDU-Politikerin zudem allerdings kund, dass ihr eine inhaltliche Debatte wichtiger wäre.

Die heftigen Vorwürfe zeigen indes, dass im Endspurt zur Landtagswahl am 14. März die Nerven blank liegen – mit möglicherweise weitreichenden Folgen. Denn bei den Grünen ist umstritten, ob im Falle eines Wahlerfolgs erneut eine Koalition mit der CDU oder nicht eher ein Dreierbündnis mit SPD und FDP angestrebt werden sollte. Laut Umfragen könnten Kretschmann nach der Wahl beide Optionen offen stehen. Auch innerhalb der CDU wird über eine mögliche Neuauflage der Koalition mit den Grünen kontrovers debattiert.

Roland Muschel
© Südwest Presse 03.03.2021 07:45
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